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05. Mai 2014, 15:51 Uhr

Oppenheim-Prozess

Middelhoffs plötzliches Schweigen provoziert Eklat

Von manager-magazin-Redakteur Christoph Neßhöver, Köln

Für die Aufklärung der Affäre um das Bankhaus Sal. Oppenheim ist Ex-Karstadt-Chef Thomas Middelhoff eine Schlüsselfigur. Doch vor Gericht verweigert er überraschend die Aussage. Selten wurde ein Staatsanwalt so bloßgestellt.

Als Ankläger in einem der größten Wirtschaftsprozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte hat Torsten Elschenbroich schon so einiges erlebt: listige Finten von Verteidigern, herzzerreißende Ehrlichkeitsbekundungen von Angeklagten, erstaunliche Wissenslücken von Zeugen. All diese Manöver im Strafprozess gegen vier ehemalige Chefs der Privatbank Sal. Oppenheim und ihren Immobilienpartner Josef Esch ertrug der Oberstaatsanwalt ungerührt.

Doch Montagmorgen war es um Elschenbroichs Contenance geschehen. Schuld war Thomas Middelhoff, 60.

Der Ex-Boss des Kaufhauskonzerns Arcandor war als Zeuge geladen. Das Gericht will klären, ob die Bankiers Untreue begingen, als sie immer weitere Millionen in den wankenden Handelskonzern steckten. Die Angeklagten bestreiten das.

Middelhoffs Aussagen sollten Klarheit schaffen, die Untersuchungen voranbringen. Schließlich war er vom Großaktionär Sal. Oppenheim 2005 auf den Chefsessel von Karstadt-Quelle gehievt worden, um den kriselnden Konzern zu retten. Aber Middelhoff, ließ sein Anwalt Winfried Holtermüller Gericht und Ankläger überraschend wissen, wollte dann doch lieber nichts sagen - um sich selbst zu schützen.

Nur noch äußerlich ein Top-Manager

Äußerlich verkörpert Middelhoff das Ideal eines Top-Managers noch immer. Der Teint braun und vital (den langjährigen Wohnsitz Bielefeld hat er kürzlich gegen Saint-Tropez eingetauscht), die Haare voll und farbstark, das Sakko tailliert, die Stimmung fröhlich-souverän. Ein Mann wie frisch aus der Waschanlage, Nachledern inklusive, so erscheint der Zeuge in Saal 210 des Landgerichts in Köln.

Aber dann bleibt der, der einst den großen Auftritt so gerne inszenierte, stumm. Alter, Wohnsitz und seine Funktionen bei Arcandor nennt er, das war's.

Grund für Middelhoffs Sinneswandel, erläutert sein Anwalt, sei ein aktueller Artikel des "Focus". Laut diesem soll Middelhoff als Arcandor-Boss im Herbst 2008 versucht haben, die Insolvenz des Handelskonzerns durch illegale Buchungstricks zu verhindern. Das werfe die Staatsanwaltschaft Bochum Middelhoff in einem Zwischenbericht zu einem Ermittlungsverfahren vor, das seit 2009 läuft, berichtet die Zeitschrift.

Da sich sein Mandant nun primär selbst schützen müsse, könne er leider keine Angaben mehr machen, sagt Anwalt Holtermüller.

Der Oberstaatsanwalt kann es nicht fassen

Oberstaatsanwalt Elschenbroich kann es nicht fassen. Monate vorher werden Zeugenauftritte wie die Middelhoffs geplant, gerade mit dem angeblich vielbeschäftigten Ex-Konzernchef soll die Terminfindung schwierig gewesen sein, noch in der vergangenen Woche gab es Kontakte zwischen dem Gericht und Middelhoff.

Nie hätten seine Anwälte angedeutet, dass der Manager sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht berufen könnte. Und jetzt das.

An Middelhoffs Anwälte gewandt, pestet Elschenbroich, diese ließen durch ihr Manöver "jeglichen Respekt" vor dem Gericht und der Staatsanwaltschaft vermissen: "Sie verstecken sich hinter fünf Zeilen Berichterstattung im 'Focus'!" Eine "Unverschämtheit" sei das. "Schade, dass es im Strafrecht keine Missbrauchsgebühr gibt."

Weitere Kosten kann Thomas Middelhoff auch wirklich nicht gebrauchen, liegt er doch mit fast allen seiner ehemaligen Partner gerichtlich über Kreuz - in der Regel des lieben Geldes willen.

Middelhoffs Vierfrontenkrieg

Mit dem Immobilienexperten Esch streitet er noch immer über die Kosten für eine Motorjacht, Esch soll schon den Gerichtsvollzieher vorbeigeschickt haben. Mit dem Bankhaus Sal. Oppenheim, das 2010 von der Deutschen Bank aufgefangen wurde, streitet "Big T", wie ihn Mitarbeiter früher ehrfurchtsvoll nannten, über zweistellige Millionensummen.

Und mit dem Insolvenzverwalter von Arcandor, Hans-Gerd Jauch, streitet sich Middelhoff unter anderem über die Rechtmäßigkeit von Spesen für Charterflüge, die er einst Arcandor in Rechnung stellte. Und nun auch noch die Bochumer Ermittlungen wegen möglicher Insolvenzverschleppung.

Middelhoffs Lage ist die Folge seiner Vierfachrolle im Sal.-Oppenheim-Drama:

Vieles spricht dafür, dass sich der Macher Middelhoff im Oppenheim-Esch-Netz am Ende heillos verheddert hat. Ob die Geschäfte der Privatbankiers und ihres Immobilienberaters legal waren, muss das Gericht nun wohl ohne die Einsichten des Thomas Middelhoff klären.

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