Tibetischer Vordenker Dalai Lama hält Gier für Ursache der Krise

Weise Worte eines Geistlichen: Gier und mangelnde Transparenz seien verantwortlich für die globale Wirtschaftskrise, sagt der Dalai Lama in einem "manager magazin"-Interview - und fordert ein radikales Umdenken.


Hamburg - Die Erklärung ist einfach und naheliegend zugleich: Gier, Spekulation und Intransparenz sind nach Ansicht des Dalai Lama verantwortlich für die globale Wirtschaftskrise. Die Probleme zeigten, dass die Fixierung auf materielle Werte den Geist und das Denken einengten, sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter dem "manager magazin".

Das marktwirtschaftliche Modell sei zwar dynamischer als eine Planwirtschaft, räumte der Friedensnobelpreisträger ein. Doch Enthusiasmus und globale Verantwortung sollten die Ökonomie antreiben.

Die entscheidende Frage sei, wie das Geld verteilt werde - für die Befriedigung der Gier von einigen wenigen Menschen oder für ein besseres Leben armer Menschen, die Bildung der Kinder und das Gesundheitssystem: "Dafür benötigen wir Geld, aber nicht für ein luxuriöses Leben."

Die Marktwirtschaft müsse und werde sich durch die Krise ändern, ist sich der Dalai Lama sicher: "Die Realität wird eine neue Realität schaffen." Wichtig dabei sei, dass sich das bisherige Denken in der Ökonomie ändere. Aber auch in den zwischenstaatlichen Beziehungen müsse sich in Zukunft einiges tun, sagte er.

Doch nach wie vor werde in "wir" und "sie" unterschieden. In der Wirtschaftskrise allerdings versage diese Sicht: "Wir sind alle betroffen, die ganze Welt."

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