Traditionstaschentücher Zewa-Hersteller kauft Tempo

Pünktlich zum Frühlingsstart haben die Taschentücher bei Procter & Gamble ausgedient: Der US-Konzern hat die Traditionsmarke Tempo an den schwedischen Zewa-Produzenten Svenska Cellulosa verkauft.


Stockholm - Svenska Cellulosa (SCA) zahlt für das europäische Hygienepapier- und Taschentüchergeschäft von Procter & Gamble Chart zeigen 512 Millionen Euro in bar. Durch den Deal erhält SCA nicht nur die Markenrechte für Tempo, sondern auch Europa-Lizenzen für die Küchenpapier-Marke Bounty und das Toilettenpapier Charmin. Der Umsatz der übernommenen Sparten beläuft sich nach SCA-Angaben auf etwa 500 Millionen Euro jährlich. Die Zustimmung der Kartellbehörden zu dem Geschäft steht noch aus.

Tempo-Werk in Neuss: Für 512 Millionen Euro an die schwedische SCA verkauft
DPA

Tempo-Werk in Neuss: Für 512 Millionen Euro an die schwedische SCA verkauft

Hintergrund des Verkaufs sei, dass die Märkte in Deutschland und Europa von Eigenmarken der Handelskonzerne mit niedrigen Margen dominiert würden, sagte ein Deutschland-Sprecher. Zwei Drittel aller in Deutschland verkauften Papiertaschentücher seien Eigenmarken der Handelskonzerne. Bei Toilettenpapier betrage der Eigenmarken-Anteil sogar etwa drei Viertel des Marktvolumens.

Mit Tempo allerdings hat SCE die mit Abstand führende Marke der Taschentücher ergattert. 1929 wurde "Tempo" beim damaligen Reichspatentamt in Berlin angemeldet. Dank Werbemaßnahmen, die die Hygiene von Einmal-Taschentüchern hervorhoben, löste das Produkt schnell das Stofftaschentuch ab: Ende der dreißiger Jahre wurden bereits 400 Millionen Tempo-Taschentücher pro Jahr hergestellt. Anfang der sechziger Jahre kletterte die Produktion auf über vier Milliarden Taschentücher jährlich, inzwischen sind es über 20 Milliarden. 1994 übernahm Procter & Gamble die Firma. Nach Angaben des Unternehmens ist jedes fünfte in Deutschland verkaufte Papiertaschentuch von Tempo.

In den nun an die Schweden abgegebenen fünf Procter & Gamble-Werken in Europa arbeiten etwa 1100 Angestellte. Die zwei deutschen Fabriken liegen in Witzenhausen und Neuss. Umweltschützer hatten den Taschentuch-Hersteller in der Vergangenheit heftig kritisiert. Nicht nur, weil Papiertaschentücher meist nach einmaligem Gebrauch weggeworfen werden: Durch die Errichtung von Eukalyptus-Plantagen in Brasilien zur Gewinnung von Zellulose vertreibe Tempo auch die dort ansässigen Indianer von ihrem Land.

joh/dpa/Reuters



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