Transparency International Je ärmer, desto korrupter

Korruption ist vor allem eine Sache der ärmsten Länder. Das geht aus der heute veröffentlichten Liste der Organisation Transparency International hervor. Staatliche Institutionen in Deutschland sind demnach zwar relativ integer - machen aber kaum Fortschritte in der Bekämpfung von Korruption.


Berlin - Der Irak sowie Haiti, Birma und Guinea sind die korruptesten Länder der Welt. Das geht aus dem heute in Berlin vorgestellten Korruptionsindex für 2006 hervor. Zwischen Gewalt, Armut und Korruption bestehe ein enger Zusammenhang, teilte die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International (TI) mit.

Flaggenverbrennung im Irak: "Zwischen Gewalt, Armut und Korruption besteht ein enger Zusammenhang"
DPA

Flaggenverbrennung im Irak: "Zwischen Gewalt, Armut und Korruption besteht ein enger Zusammenhang"

Die Liste der Länder mit der geringsten Korruption wird von Finnland, Island, Neuseeland und Dänemark angeführt. Deutschland belegt unter 163 Staaten den 16. Platz und damit denselben Rang wie im Jahr zuvor.

Der Vorsitzende von TI Deutschland, Hansjörg Elshorst, betonte, vor allem in der deutschen Verwaltung mangele es nach wie vor an Transparenz. Zudem sei eine Reform des Strafgesetzbuches zur Bekämpfung der Bestechung von Abgeordneten "überfällig". Eine solche Reform sei Voraussetzung dafür, dass Deutschland die Uno-Konvention gegen Korruption ratifizieren könne.

TI-Chef David Nussbaum sagte mit Blick auf die korruptesten Staaten, bei einer hohen Gewalt breche nicht nur die Sicherheit zusammen, sondern auch die Justiz und die Strafverfolgung. "Wenn das alles überstrapaziert wird, ist das System untergraben, das Korruption verhindern soll." Bestechlichkeit und Machtmissbrauch stürzten weiterhin Millionen Menschen in Armut.

Im Irak ist das Gewaltniveau seit dem Einmarsch der US-Soldaten 2003 anhaltend hoch. Fast täglich kommt es zu Anschlägen, bei denen Menschen getötet werden. Das hat auch Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes. Nussbaum verwies auf das Beispiel des US-Unternehmens Bechtel, das in der vergangenen Woche angekündigt hatte, aus dem Irak abzuziehen. Seit 2003 wurden 52 Angestellte der Firma getötet.

Die Bewertung der USA habe sich deutlich verschlechtert, sagte Nussbaum. Er verwies auf den Enron-Prozess, bei dem Ex-Unternehmenschef Jeff Skilling wegen Korruption zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Die USA stehen nun gemeinsam mit Belgien und Chile auf dem 20. Platz.

Der Index beruht auf Befragungen von Geschäftsleuten und Analysten.

kaz/Reuters/dpa/ddp



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