Transportpanne 600.000 Personaldaten-Sätze aus Lkw verschwunden

Der weltgrößte Medienkonzern Time Warner hat seinen Mitarbeitern ein peinliches Geständnis machen müssen: Datenträger mit Informationen über 600.000 derzeitige und frühere Angestellte sind verschollen.


Time-Warner-Center am Central Park in New York: Datensätze nicht verschlüsselt
AP

Time-Warner-Center am Central Park in New York: Datensätze nicht verschlüsselt

Hamburg - Der Konzern hat seine Mitarbeiter gestern in einer Rund-Mail über den Verlust der Daten informiert und sich dafür entschuldigt. Der Vorfall hatte sich bereits am 22. März ereignet, als ein Container mit Datenbändern von der Time-Warner-Zentrale in Manhattan zu einer Anlage des Datenspeicherunternehmens Iron Mountain im US-Staat New Jersey transportiert werden sollte.

Auf den Bändern waren unter anderem die Namen, Sozialversicherungsnummern und andere persönliche Daten von 600.000 Personen enthalten, die entweder immer noch bei Time Warner arbeiten oder dort in der Zeit seit 1986 beschäftigt waren. Die Sozialversicherungsnummer gehört zu den wichtigsten offiziellen Identitätsmerkmalen der US-Bürger und ist ein begehrtes Ziel für Datendiebe. Auf dem Schwarzmarkt werden teils bis zu 100 Dollar für diese Kenn-Nummern oder andere Einzeldaten wie Kreditkarten- oder Führerscheinnummern geboten.

Diebstahl oder Missgeschick?

Im aktuellen Fall hat sich der amerikanische Secret Service eingeschaltet und in Abstimmung mit Time Warner Ermittlungen aufgenommen. Nach Darstellung des Konzerns ist aber noch unklar, ob die Datensätze verloren gegangen sind, gestohlen oder einfach nur falsch zugestellt wurden. Der Lkw hatte im März noch 18 weitere Stationen nach dem Time-Warner-Gebäude angesteuert, bevor er bei Iron Mountain eintraf. Dort fiel dann auf, dass der Container mit den Datenbändern nicht mehr im Wagen stand. Der Lkw-Fahrer fuhr die Route noch einmal ab, konnte die Bänder aber nicht finden. Er wurde inzwischen entlassen.

Iron Mountain musste einräumen, dass dies bereits der vierte Fall in diesem Jahr war, in dem vertrauliche Daten abhanden gekommen sind. Auch im vergangenen Jahr geriet der Speicherspezialist in die Schlagzeilen: Im Dezember wurde bekannt, dass beim Transport Datenträger der Bank of America verschwunden waren, auf denen Kreditkarteninformationen von 1,2 Millionen US-Bundesangestellten gespeichert waren. Iron Mountain transportiert die Daten bisher in Wagen, die nicht gepanzert sind und keine weiteren Sicherheitskräfte an Bord haben.

Auch bei anderen US-Unternehmen waren in den vergangenen Monaten Probleme mit der Sicherheit von Datensätzen bekannt geworden. So waren Hacker in die Datenbank des Unternehmens ChoicePoint eingedrungen, das Informationen über Konsumenten sammelt und an Direktmarketingfirmen und andere interessierte Firmen weiterverkauft.

Time Warner hat als Konsequenz aus der Affäre angekündigt, seine digitale Personaldaten künftig verschlüsseln zu wollen. Bisher wurde wegen des Arbeitsaufwandes auf eine Chiffrierung verzichtet.



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