Transrapid-Ausbau Bürger demonstrieren vor Shanghais Rathaus

Politischer Protest in China: Im Herzen von Shanghai haben sich am Wochenende zahlreiche Bürger versammelt - sie demonstrierten gegen den geplanten Ausbau der Transrapidstrecke in der Stadt. Es kam zu Auseinandersetzungen mit Polizisten.

Von , Peking


Peking - Es waren Hunderte, wenn nicht gar Tausende, die sich vor dem Rathaus am Volksplatz in Shanghai versammelten. Sie riefen: "Gegen die Magnetbahn" und "Schützt unsere Häuser". Nachdem am Sonnabend ein großes Polizeiaufgebot nicht eingriffen hatte, versuchten Beamte am Sonntag eine weitere Demonstration zu verhindern. Sie sperrten Teile der Nanjing-Straße, einer populären Fußgängerzone, ab. Dabei kam es zu Rangeleien zwischen Uniformierten und Zivilbeamten auf der einen und Protestlern auf der anderen Seite. Ob Teilnehmer festgenommen wurden, ist bislang nicht bekannt.

Transrapid in Shanghai: Er soll in der Stadt jetzt nur 200 km/h fahren
AFP

Transrapid in Shanghai: Er soll in der Stadt jetzt nur 200 km/h fahren

Die bislang 30 Kilometer lange Trasse vom Flughafen Pudong zur U-Bahnstation "Longyang-Straße" soll über das Gelände der Weltausstellung, die im Jahr 2010 stattfindet, bis zum Flughafen "Hongqiao" führen. Im Gespräch ist zudem, den Transrapid in die 180 Kilometer entfernte Stadt Hangzhou flitzen zu lassen.

Bizarr ist allerdings, dass die Verträge über den Ausbau der Strecke zwischen Chinesen und den deutschen Unternehmen ThyssenKrupp Chart zeigen und Siemens Chart zeigen noch nicht unterschrieben worden sind. Offenbar können sich beide Seiten nicht über Preis und Technologie-Transfer einigen.

Gleichwohl bereiten die Chinesen die Trasse durch Shanghai bereits vor. Im März vorigen Jahres hatte die Stadtregierung von Shanghai von dem Plan berichtet, in der Nähe des Hongqiao-Flughafens einen riesigen Verkehrsknotenpunkt zu errichten. Rund 6000 Familien und mehrere Tausend Unternehmen müssen weichen. Angeschlossen werden U-Bahn, Eisenbahn, der Hochgeschwindigkeitszug nach Peking - und der Transrapid. Die Stadtverwaltung organisierte sogenannte "Umsiedlungs-Motivierungs"-Veranstaltungen.

Anwohner fürchten magnetische Strahlen

Viele Anwohner an der geplanten Strecke fürchten, magnetische Strahlen könnten ihrer Gesundheit schaden. Andere sorgen sich über zu große Lärmbelastung. Die Shanghaier gingen auf die Straße, nachdem ein Shanghaier Institut Ende Dezember eine wissenschaftliche Studie über mögliche Umweltbelastungen des Transrapids veröffentlichte. Das Fazit der Wissenschaftler: "Vom Aspekt des Umweltschutzes ist dieses Vorhaben machbar."

Laut Untersuchung wurde die geplante Trasse leicht verändert, sie soll nun statt 34 nur 31,8 Kilometer lang sein. Der erste Zug wird um sechs Uhr morgens fahren, der letzte um zehn Uhr abends. Jede Stunde sollen vier bis sechs Züge fahren. Ein Teil der Strecke soll tief in die Erde versenkt werden, teilten die Autoren mit, der Sicherheitsabstand wird 22,5 Metern betragen. In diesem Terrain darf niemand wohnen. Der Transrapid soll im Shanghaier Zentrum nicht auf 431 Kilometer in der Stunde beschleunigen, sondern lediglich 200 Stundenkilometer fahren, heißt es.

Der höchste Geräuschpegel entlang der Strecke beträgt laut Studie deshalb nur 69 Dezibel, was in etwa dem Lärm eines Rasenmähers entspricht, oder dem eines in fünf Meter Entfernung vorbeifahrenden Autos. Auch was die Vibrationen und die Intensität des Magnetfeldes angeht, beruhigen die Experten: Beide sind "niedriger als das erlaubte Limit in entsprechenden Vorschriften".

Bis zum Dienstag dieser Woche haben die Bewohner von drei Bezirken das Recht, gegen das Ergebnis der Studie Einspruch zu erheben. Das Shanghaier KP-Organ "Befreiungs-Tageszeitung" mahnte unterdessen, die Bürger sollten das Projekt "rechtsmäßig und vernünftig" kommentieren und dabei die "soziale Ordnung aufrecht erhalten". Die Proteste im Zentrum ihrer Stadt erwähnte das Blatt nicht.



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