Transrapid Deutsche hoffen auf Hangzhou-Trasse

Kurz vor dem China-Besuch von Kanzler Schröder signalisiert die Regierung in Peking ihre Bereitschaft, eine zweite Transrapid-Strecke zu bauen – von Shanghai in die Millionenstadt Hangzhou. Arbeitsplätze in Deutschland dürfte das Milliardenprojekt allerdings kaum schaffen.

Von , Peking


Peking - Nun ist es endgültig: Zwischen Chinas Metropolen Shanghai und Peking wird kein Transrapid fahren. Dies hat Shanghais ehemaliger Bürgermeister Xu Kuangdi bekräftigt. Er nannte vor allem finanzielle und technische Gründe für das Aus: "Die Investitionen sind zu groß, die technischen Anforderungen sehr hoch."

Transrapid in China: 80 Prozent der Fertigung in China
DPA

Transrapid in China: 80 Prozent der Fertigung in China

Die beiden Metropolen mit einer Magnetschwebebahn zu verbinden, würde knapp 50 Milliarden US-Dollar kosten, erklärte Xu, der derzeit Vizevorsitzender der Chinesischen Politischen Konsultativkonferenz und Chef der Akademie für Ingenieurswesen ist.

Eine Trasse für Hochgeschwindigkeitszüge wäre dagegen für nur 16 Milliarden US-Dollar zu bauen, sagte Xu vorige Woche in einem Vortrag an der Pekinger Universität für Auswärtige Politik. Obwohl der Transrapid auf der rund 30 Kilometer langen Teststrecke im Shanghaier Stadtteil Pudong "reibungslos" fahre, seien die technischen Hindernisse auf einer 1300 Kilometer langen Strecke zu hoch.

Die Aussage Xus erfolgte wenige Tage vor dem sechsten China-Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Die Visite vom 6. bis zum 8. Dezember steht vor allem unter wirtschaftlichen Vorzeichen. Im nordöstlichen Changchun wird Schröder unter anderem das VW-Werk besichtigen. Der Kanzler will versuchen, die Chinesen zum Kauf von Airbussen - vor allem des neuen Typs A 380 - und Hochgeschwindigkeitszügen zu überreden.

Xu machte den Transrapid-Konstrukteuren von ThyssenKrupp und Siemens allerdings Hoffnung auf eine Verlängerung der rund 30 Kilometer langen Shanghaier Teststrecke in die 180 Kilometer entfernte Millionenstadt Hangzhou. ThyssenKrupp-Manager in Peking äußerten sich optimistisch über einen Erfolg der Verhandlungen. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Strecke gebaut wird. Wir haben Hinweise, dass die Regierung sie haben will", erklärte Chef-Repräsentant Alfred Wewers gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Auch die amtliche englischsprachige Zeitung "Shanghai Daily" berichtet unter Berufung auf Expo-Chefplaner Wu Zhiqiang von entsprechenden Plänen. Danach soll die derzeit 30 Kilometer lange Strecke um 8 Kilometer verlängert werden und dann in das Herz des Expo-Geländes am Ufer des Huangpu-Flusses unweit des Stadtzentrums führen. Auch eine Verlängerung um 170 km bis nach Hangzhou ist angedacht. Noch seien die Verhandlungen jedoch nicht abgeschlossen, schreibt das Blatt.

Der Transrapid würde den Flughafen Pudong zunächst mit dem Gelände der 2010 geplanten Weltausstellung verbinden, dann über oder unter dem Huangpu-Fluss zum Shanghaier Südbahnhof und schließlich entlang der Autobahn nach Hangzhou fahren. Die Tour dauert laut Xu lediglich 26 Minuten, die Deutschen sprechen von einer Fahrzeit "unter 30 Minuten".

Damit zur Shanghaier Weltausstellung 2010 die Transrapid-Signale auf Grün gestellt werden können, müssen die Verträge jedoch "bis spätestens Mitte nächsten Jahres" unter Dach und Fach sein, heißt es. Bevor über Geld und Technik geredet wird, wollen Deutsche und Chinesen über die Grundsätze ihrer Zusammenarbeit debattieren.

Beim Bau der Shanghai-Trasse war die Kooperation oft konfliktreich. Für das Hangzhou-Projekt wäre wie gehabt ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen ThyssenKrupp, Siemens und chinesischen Firmen möglich. In Frage kommt aber auch der Verkauf von Lizenzen. Die Deutschen würden den chinesischen Partnern damit weitgehend Technologien und die Regie über das Projekt überlassen.

Lizenzierung mit rechtlichen Fußangeln

Die Abgabe von Lizenzen hat jedoch einen rechtlichen Haken: Die Bundesregierung hat einen großen Teil der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für den Transrapid aus Steuergeldern finanziert. "Bei der Übertragung von Kern-Technologien an die Chinesen gibt es deshalb Grenzen", warnt ein deutscher Manager. Vor allem die "Schwebe- und Führtechnologie" des Transrapids müsse in deutscher Hand bleiben.

Um den Auftrag zu erhalten, seien die Deutschen bereit, rund 80 Prozent des Projekts zu "lokalisieren", berichten Insider. Das würde bedeuten: Die Transrapid-Züge werden in China gefertigt. Das Kasseler Werk kann sich bei einer solchen Lösung die Hoffnung abschminken, Arbeitsplätze zu retten.

Ob Kanzler Schröder in Peking den Transrapid ansprechen wird, ist unklar. Er trifft jedenfalls mit Ex-Premierminister Zhu Rongji zusammen, der als starker Befürworter der in Deutschland bislang ungeliebten Schwebebahn gilt.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.