Transrapid Thyssen droht mit China, Stoiber macht Druck

ThyssenKrupp setzt der Politik ein Ultimatum: Binnen 18 Monaten muss über den Münchner Transrapid entschieden werden - sonst geht die Technik an China. Ministerpräsident Stoiber warnt die Bundesregierung: Es drohe großer Schaden für den Standort Deutschland, sagte er SPIEGEL ONLINE.

Von , München


München - Weil sich der Bund und das Land Bayern noch nicht über die Finanzierung des Münchner Transrapids geeinigt haben, prescht jetzt der zuständige Konzernvorstand von ThyssenKrupp Chart zeigen vor: "Wir haben zu entscheiden, ob wir in Deutschland die Bücher für diese Technologie zumachen", sagte Olaf Berlien zum Projekt einer ersten kommerziellen Magnetschwebebahn in Deutschland. In 18 Monaten, kündigt Berlien an, werde sein Unternehmen entscheiden, "ob die Technik an China geht".

Computerbild der Transrapid-Trasse zum Münchner Flughafen: "Das muss jetzt umgesetzt werden"
DDP

Computerbild der Transrapid-Trasse zum Münchner Flughafen: "Das muss jetzt umgesetzt werden"

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) erinnerte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE an den Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD, in dem eine Transrapid-Referenzstrecke vereinbart wurde. "Das muss jetzt umgesetzt werden." Die laufenden Finanzierungsgespräche müssten schnell abgeschlossen werden, "die deutsche Industrie braucht das klare Signal: Der Transrapid wird gebaut".

Alles andere wäre ein "schwerer Schaden für den Hightech-Standort Deutschland", sagte der CSU-Chef zu SPIEGEL ONLINE. "Es darf nicht sein, dass wie schon oft in der Vergangenheit die Erfindungen in unserem Land gemacht werden und das Geld woanders verdient wird."

Das Planfeststellungsverfahren für die 36 Kilometer lange Magnetstrecke vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen läuft, doch ist die Finanzierungsfrage nicht geklärt. Rund 1,85 Milliarden Euro werden für das Projekt veranschlagt, doch noch klafft eine Lücke. Die Deutsche Bahn als künftiger Betreiber hat rund 185 Millionen Euro zugesagt. Das Land Bayern will zwischen 185 und 210 Millionen zuschießen. Der Bund hat bis jetzt 550 Millionen Euro im Bundeshaushalt eingeplant. Der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) fordert von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) seit Monaten eine deutliche Erhöhung der Beteiligung.

Gefährlicher Gegenspieler Ude

Am Dienstag sagte Huber, er erwarte noch in diesem Jahr den Abschluss einer Finanzierungsvereinbarung. In Kürze werde er sich mit Tiefensee zusammensetzen, um Einzelheiten zu erörtern. "Der Freistaat steht voll hinter dem Projekt", sagte der Wirtschaftsminister. Huber und Stoiber werfen sich auch deshalb für die Magnetbahn in die Bresche, weil sie mit dem Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) einen gefährlichen Gegenspieler haben.

Zuletzt schrieb Ude einen Brief an die Mitglieder des Haushaltsausschusses des Bundestags, in dem er seine Gegnerschaft zum Münchner Transrapid erklärt und stattdessen eine Express-S-Bahn befürwortet. Außerdem sei ein europäischer Beitrag zur Finanzierung der Strecke "sehr unwahrscheinlich" und eine Refinanzierung des Betriebs über Gewinne "nicht realistisch". Schon im Mai hatte er eine Bürgerversammlung in den Münchner Löwenbräukeller einberufen, auf der sich die Bevölkerung eindeutig gegen das Magnetbahn-Projekt aussprach - allerdings rechtlich nicht bindend.

Wirtschaftsminister Huber fand es am Dienstag "aberwitzig, dass der Münchner Oberbürgermeister mutwillig eine große Chance für die Stadt und die Region zunichtemachen möchte". Der CSU-Politiker sprach von einem "fortschrittsfeindlichen Schatten", den Ude auf München werfe.



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.