Transzendentale Währung Weltfrieden gratis

Der indische Mystiker Maharishi Mahesh Yogi hat eine eigene Währung ins Leben gerufen. Wenn alle Menschen statt Dollar und Euro seine bunten Scheine benutzten, bräche nach Meinung des Ex-Beatles-Gurus umgehend der globale Wohlstand aus - Harmonie und Weltfrieden inklusive.


Ein-Raam-Banknote: "Katalysator auf dem Feld der Ökonomie"
AP

Ein-Raam-Banknote: "Katalysator auf dem Feld der Ökonomie"

Hamburg - Auch eine Weltwährung fängt klein an. Im Falle des Raam, der vom Maharishi ins Leben gerufenen Weltfriedenswährung, sehr klein. Im holländischen Limburg, zwischen Maastricht und Mönchengladbach, wo der Yogi seinen Wohnsitz hat, zirkulieren die bunten Scheine seit Oktober 2002. Und in Iowa - dort liegt die "Vedische Stadt", eine weitere Filiale des Maharishi-Kults. Die Scheine gibt es in den Stückelungen ein, fünf und zehn Raam.

Seit vergangener Woche hat der "vornehmste Wissenschaftler auf dem Gebiet des Bewusstseins" und "größte Lehrer der heutigen Welt" (Maharishi-Website) richtig Oberwasser. Denn die niederländische Zentralbank hat erklärt, dass die selbst gedruckten Scheine und Münzen des Yogis nicht gegen holländisches Recht verstoßen. "Man kann den Raam benutzen, solange die Scheine nicht wie ein legales Zahlungsmittel verwendet werden, sagte Notenbanksprecher Benno van der Zaag gegenüber "Het Financieele Dagblad". "Aber wir werden die Entwicklung weiter genau beobachten", so van der Zaag. Auch die Finanzaufsicht AFM hat keine grundsätzlichen Einwände gegen den Yogi-Yen.

Das einzige Land, in dem der Raam bisher als offizielle Währung anerkannt wurde, ist eines, das es eigentlich gar nicht gibt. Vor zwei Jahren hat der Maharishi das "Globale Land des Weltfriedens" ins Leben gerufen - komplett mit König (Seine Majestät Raja Nader Ram) und Kabinett. Dabei handelt es sich laut seiner Heiligkeit um "ein Land ohne Grenzen für friedliebende Menschen auf der ganzen Welt". Yogi-Land ist folglich kein Staat, eher geht es um den richtigen state of mind.

Schwebende Devisenkurse

Neben einem Minister für Erleuchtung gibt es mit Benjamin Feldman auch einen Finanzminister. Der ist für den Raam zuständig und prophezeit der jungen Währung Großes. Bald würden die bunten Scheinchen weltweit in Umlauf sein, so Feldman. Der Raam sei als "Katalysator für Entwicklungshilfe" und als Alternative zu herkömmlichen Währungen gedacht: "Der Raam kann als Start-Up-Kapital verwendet werden, um ... Farmen, neue Häuser, Straßen, Schulen oder Krankenhäuser zu bauen", schwärmt Feldmann.

Friendes-Consultant Maharishi Mahesh Yogi: Laut seiner Presseabteilung ist er die "Personifizierung der elterlichen Rolle der Regierung"
DPA

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Feldman scheint das Kernproblem der meisten Entwicklungsländer nicht begriffen zu haben. Die haben nicht das "falsche Geld". Sie haben gar keines. Und den Raam bringt der Maharishi schließlich nicht gratis unter das verarmte Volk: Wer Raam will, muss zahlen, der feste Wechselkurs beträgt zehn Euro pro Raam.

In den USA hat der Guru sogar in Raam lautende Anleihen herausgegeben. Mit dem Geld will der Yogi nach eigenen Angaben weltweit 3000 Friedenspaläste in größeren Städten bauen. In jedem dieser Paläste sollen "Experten der vedischen Technologie" den Weltfrieden fördern - durch transzendentale Meditation und Yogisches Fliegen. Wie hoch der zu erwartende Rendite ist, lässt der Erleuchtete offen.

"Wij Accepteren Raam"

Zumindest scheint der niederländische Raam als Zahlungsmittel in den Niederlanden eine halbwegs sichere Sache zu sein. Der Maharishi hat bei seiner Hausbank, einer Filiale des Fortis-Instituts in Roermond, eine Million Euro hinterlegt, um die bisher ausgegeben Raam zu decken. Wer seine Raam wieder in Euro tauschen will, kann das in der Bank jederzeit tun. Die genauen Konditionen sind in einem Prospekt für Anleger nachzulesen. Das eigentliche Problem beginnt, wenn der stolze Raam-Besitzer shoppen gehen möchte: Nur eine Handvoll Geschäfte hat sich bisher den Aufkleber mit der Aufschrift "Wij Accepteren Raam" an die Ladentür gepappt.

Der Raam werde nicht nur die weltweite Armut reduzieren, sondern darüber hinaus die Weltwirtschaft im Gleichgewicht halten und Frieden schaffen, sagt Feldman. Ernsthafte Zweifel an den Versprechungen des Maharishis und seiner Jünger sind angebracht. Was passiert eigentlich, wenn der Yogi Pleite geht? Oder wenn er anfängt, ungedeckte Raam-Scheine auszugeben? Dann hat der geneigte Anleger plötzlich nur noch Monopoly-Geld in der Tasche.

Außerdem: Der Mann hat den Ruf, bei seinen Ankündigungen nicht zu kleckern, sondern in die Vollen zu gehen. Erst kürzlich hat der Yogi eine Presseerklärung mit folgendem Titel herausgegeben: "Maharishi bietet Formel für permanenten Weltfrieden an". In einer weiteren Mitteilung behauptet er: "Wir können alle Probleme aller Regierungen verhindern". Schön wär's. Bereits 1959 hatte der Maharishi versprochen: "Ich werde die Welt mit Liebe anfüllen und den Himmel auf Erden erschaffen."

Das Ergebnis steht noch aus.



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