Traumgehälter Was einen Manager zum Millionär macht

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2. Teil: Warum mit der klassischen Konzernkarriere die Million kaum zu machen ist


Die schlechte Nachricht: Mit einer klassischen Konzernkarriere ist die Million, von der Vorstandsebene abgesehen, kaum zu erreichen. Wer hier als Berufsanfänger mit rund 50.000 Euro einsteigt, kann zwar, wenn er gut ist, sein Gehalt in schöner Regelmäßigkeit um zehn bis 15 Prozent steigern (bei Beförderungen auch um 20) und über Positionen als Professional, Team-, Abteilungs- und Bereichsleiter in beinahe beamtenmäßiger Manier bis in die Ebene unter dem Vorstand aufrücken. "Das Zielgehalt wird aber nur selten über 400.000 Euro liegen", so Martin Hofferberth, Vergütungsexperte bei Towers Perrin. Und auch beim Ist-Gehalt, also inklusive variabler Anteile, ist spätestens in der Region um 700.000, 800.000 Euro Feierabend.

"Das sind schon die Extreme, die meisten Mittelmanager liegen zwischen 100.000 und 400.000 Euro", sagt Hofferberth. Dies gilt für alle Corporate-Funktionen und Produktion - unterscheidet sich aber leicht nach Branchen: Pharma-, Finanz-, Energie- oder Automobilbranche zahlen überdurchschnittlich; Handel, Telekommunikation und Maschinenbau eher weniger. Ausreißer nach oben ist branchenübergreifend der Vertrieb, wo etwa Key-Accounter bei Softwarefirmen schon mal die Million knacken.

Ausnahmen von der Regel sind absolute Spezialistenjobs, die für das Unternehmen existentiell sind: Chefvolkswirt einer internationalen Bank etwa, Forschungsleiter im Pharmakonzern, Leiter eines gigantischen Projekts wie des Baus einer Pipeline. Sie bekommen häufig zusätzlich zu Fixgehalt und Bonus noch eine üppige "retention rate", damit sie nicht auf halbem Weg abspringen.

"Bereit für hohes Risiko"

Wer mehr will, muss mehr wagen. Muss von schnurgeraden Konzernstraßen auf verschlungene Außenbahnen wechseln. "Erfolgsmenschen erkennen ihre Chancen früh und sind bereit, ein hohes Risiko einzugehen", sagt Headhunter Rottok.

Wie Lang, der trotz seiner sicheren Volksbank-Position beim AWD wieder ganz unten einstieg und zunächst deutlich weniger verdiente als vorher. Oder wie Carl "Charly" Woebcken (52), Chef und Mitinhaber der Babelsberger Filmstudios, der in seiner Zickzack-Karriere selten länger als vier Jahre im gleichen Job blieb. Der studierte Maschinenbauer arbeitete erst als Ingenieur, ging dann zu BCG, erlitt nach der Wende Schiffbruch mit dem Kauf der VEB Strömungsmaschinen, ging zu Roland Berger ("Ich brauchte Geld"), zu Apollo Capital Partners und brachte im New-Economy-Hype TV Loonland an die Börse.

"Ich habe zwei Adern: die Phantasie und das Technokratische", sagt Woebcken. Ganz früher wollte er Posaunist werden, wovon er wieder Abstand nahm, nachdem er im Stabsmusikkorps der Bundeswehr Howard Carpendale hatte begleiten müssen. Bei Apollo hatte er bereits siebenstellig verdient, jetzt wollte er sein eigenes Ding: 2004 kaufte er mit Geschäftspartner Christoph Fisser für einen Euro die Filmstudios Babelsberg. Womit der Mann, der als Abschlussarbeit am musischen Gymnasium einen Zeichentrickfilm über ein Cowboy-Duell abgeliefert hatte, nicht nur seine Berufung fand und beide Talente vereinigen konnte, sondern auch ein bisschen Dusel hatte.

"Hochintelligent, aber faul"

2007 wurde die Filmförderung so geändert, dass Deutschland jetzt auch als Drehort rentabel ist. Nun kann sich Woebcken in seinem abgeschabten roten Glitzersessel, einen Steinwurf entfernt vom Requisitenfundus mit dem realsozialistischen Look & Feel der alten NVA-Uniformen, entspannt eine Marlboro anzünden und über Erfolge sprechen: "Valkyrie" mit Tom Cruise wurde hier gedreht, dazu andere Großprojekte wie "Speed Racer" oder "The International". Das Studio boomt. Schuldenfrei, zwölf Millionen Euro flüssig.

Woebcken, den Freunde als "hochintelligent, aber faul" beschreiben, der blauäugig ist und Schlaks und Schnellredner, bringt die richtige Mischung aus Kreativität und Kaufmannskönnen mit. Seine größte Stärke? "Ich bin ein Stehaufmännchen." Der Strömungsmaschinen-Flop, der Crash der New Economy - alles lästig, klar, aber keine echten Hindernisse auf dem Weg zum großen Ziel: "Ich wollte immer Gestaltungsfreiheit, das ist viel wichtiger als Geld."

2007 hätte er eine Million an Dividende einstreichen können - aber er steckte den größten Teil wieder in die Firma. In Berlin wohnt Woebcken mit Kompagnon Fisser in einer Art Nobel-WG, die Villa in Grünwald bei München, wo er mit Frau und zwei Kindern lebt, ist gemietet; als Dienstwagen stehen ein Range Rover und ein weißer Porsche Targa 4S vor der Tür, privat hat er ein Motorrad und einen alten Bentley, an dem er gern herumschraubt, dazu ein Motorboot nahe Saint-Tropez, das mal 60.000 Euro gekostet hat, mittlerweile aber nur noch 100 Euro Liegegebühren im Monat kostet, seine Rolex GMT hat er mal gebraucht gekauft. "Ich brauche nicht mehr als 15.000 Euro im Monat."



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