Trendig "Handelsblatt" startet globales Bloggernetzwerk

Die Korrespondenten des "Handelsblatts" werden in Zukunft auch als Blogger arbeiten. Auf einer neuen Onlineplattform sollen Reporter aus New York, Mailand oder Shanghai Anekdötchen in Tagebuchform veröffentlichen.


Handelsblatt: Zweitjob für die Außenstellen
Handelsblatt/ Hansen

Handelsblatt: Zweitjob für die Außenstellen

Hamburg/Düsseldorf - Bloggen ist zurzeit ganz schwer in Mode - nicht einmal das bodenständige "Handelsblatt" kann sich dem Trend entziehen. Noch in dieser Woche wird die Düsseldorfer Wirtschaftszeitung nach Informationen von SPIEGEL ONLINE eine Plattform mit insgesamt 28 Korrespondentenblogs starten. Neben der normalen Berichterstattung sollen die Redakteure regelmäßig über ihre alltäglichen Erlebnisse schreiben, etwa über mailändische Espressokultur oder über die Bedeutung von Visitenkarten in China.

Auf der bereits freigeschalteten Webseite "Handelsblatt global reporting" gelangt der Leser über eine Weltkarte zu den Einträgen der Teilzeitblogger. Ein oder zwei Postings sind in jedem der Tagebücher bereits vorhanden. Dem Blogstil entsprechend kommen die meisten Artikel eher subjektiv-flapsig daher: Indien-Korrespondent Oliver Müller schreibt beispielsweise Bombay in Grund und Boden ("Aus Slumbay wird kein Shanghai"), Reporter Helmut Steuer mokiert sich von Stockholm aus über die derzeitige Sinnkrise der Schweden ("Kein Fisch, kein Saab und kaum noch Schnaps").

Weblog-Overkill: Andere fangen ganz bescheiden mit einem Blog an, das "Handelsblatt" klotzt mit mehr als zwei Dutzend

Weblog-Overkill: Andere fangen ganz bescheiden mit einem Blog an, das "Handelsblatt" klotzt mit mehr als zwei Dutzend

Ganz und gar unbloggig sind allerdings die Textlängen. Statt der bei Webtagebüchern üblichen, mehrfach verlinkten Sechszeiler schreiben die "Handelsblatt"-Blogger Artikel vom Umfang eines Seite-Eins-Aufmachers. Aus der Redaktion ist zu hören, der Verlag wolle mit dem Superblog vor allem die Größe seines Korrespondentennetzes demonstrieren - und darauf hinweisen, dass der Konkurrent "Financial Times Deutschland" (der auch schon vom Blogvirus infiziert wurde) mit einer kleineren Mannschaft auskommen muss.

Dies Ziel hat das "Handelsblatt" zweifelsohne erreicht. Neben Tagebucheinträgen aus Tokio oder New York findet der Leser sogar Blogs aus dem schönen Brüssel: Und zwar gleich drei Stück von drei verschiedenen Korrespondenten.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.