Tricks der Wirtschaftsspione Info-Quelle Müll

Von Silke Bigalke


Nicht ohne Grund gibt es mehrere Sicherheitsstufen für Aktenvernichter. Die höchste pulverisiert das Papier regelrecht – und Antispionage-Experten raten, im Zweifel immer diese Stufe zu benutzen. "Schreddern reicht nicht", sagt Pütz. "Die Streifen können gescannt und per Computer wieder richtig zusammengesetzt werden."

Für Wirtschaftsspione ist der Abfall oft eine reiche Informationsquelle. Das bekam auch ein Ingenieurbüro zu spüren, das hauptsächlich für Zulieferer der Automobilindustrie arbeitet und frühzeitig neue Bauteile und Prototypen kennt. Der Papiermüll dieses Unternehmens wird zwar besonders vorsichtig behandelt und in Containern gesammelt, die in verschlossenen Gitterboxen stehen. Doch unachtsame Mitarbeiter ließen die Box offen stehen – prompt stiegen zwei unbekannte Männer in die Mülltonne. Sie wurden dabei beobachtet, wie sie den Papiermüll durchwühlten, Dokumente einsteckten – dann entkamen sie, schreibt Christin Schaaf in der Zeitschrift "WIK".

Ein noch größeres Problem ist Hardware-Müll. "Wohin mit alten Backup-Disketten?", fragt Informatiker Pütz. Auch Druckerrollen von Kopierern und Faxgeräten seien problematisch, weil damit Dokumente rekonstruiert werden könnten.

Zwar vernichten viele Firmen auch diesen Müll fachgerecht – doch zahlreiche Unternehmen, vor allem Mittelständler, entsorgen ihre alten Festplatten überhaupt nicht und verkaufen sie weiter. "Und zwar ohne vorher eine Tiefenlöschung vorgenommen zu haben", so Pütz.

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