Tricks und Mauscheleien Stiftung Warentest kritisiert Strom-Tarifrechner

Sind Strom-Tarifrechner wirklich so unabhängig wie sie behaupten? Die Stiftung Warentest hat zumindest Zweifel. Jetzt wollen die Verbraucherschützer die Internet-Vergleichsportale untersuchen.


Frankfurt am Main - Hunderttausende Stromkunden nutzen sie: Tarifrechner im Internet, mit denen man einen günstigen Anbieter suchen kann. Das Ziel der Vergleichsportale ist es, den Wettbewerb auf dem Energiemarkt zu beleben. Doch jetzt geraten die Rechenkünstler selbst ins Visier von Verbraucherschützern - die Stiftung Warentest äußert Zweifel an der Unabhängigkeit der Tarifkalkulatoren.

"Wir haben aus der Branche gehört, dass es zwischen einzelnen Tarifkalkulatoren und Energieanbietern einen sehr kurzen Draht gibt, und dass manche Tarifkalkulatoren an der Tarifentwicklung verschiedener Stromversorger beteiligt sind", sagte der Abteilungsleiter für Produkttests bei der Stiftung Warentest, Holger Brackemann, in der "Frankfurter Rundschau". Ziel sei es, "einen Tarif so zu stricken, dass er von den typischen Suchanfragen möglichst gut erfasst wird".

Außerdem seien Vorwürfe aus der Energiewirtschaft laut geworden, dass bei einzelnen Tarifrechnern absichtlich nicht alle Energieversorger und Tarife aufgelistet würden. "Die meisten Tarifrechner in Deutschland sind nicht unabhängig, weil diese Firmen letztlich ihre Brötchen mit den Stromversorgern verdienen." Die Stiftung Warentest überlegt nun, ob sie die Anbieter unter die Lupe nehmen soll.

Auch der Freistaat Bayern hat Bedenken: "Das Problem der Tarifkalkulatoren steht auf der Agenda", sagt Roland Eichhorn, Sprecher des bayerischen Verbraucherschutzministeriums. Mit Verbraucherschützern solle diskutiert werden, ob sich das Problem nicht mit einem Qualitätssiegel nach britischem Vorbild lösen lasse. In Großbritannien gibt es seit 2002 ein entsprechendes Label, das von einer unabhängigen Verbraucherschutzorganisation verliehen wird.

Dagmar Ginzel, Sprecherin des Tarifkalkulators Verivox, würde dies begrüßen: "Wir stehen der Einführung eines Qualitätssiegels für Tarifkalkulatoren grundsätzlich sehr positiv gegenüber, da der Verbraucher ansonsten keinen völlig unabhängigen und transparenten Markt bekommt."

wal/ddp



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