Trotz Gewinnsprung: Allianz verteidigt Jobabbau

Die Allianz lässt sich trotz der sprunghaft gestiegenen Gewinne nicht davon abbringen, 5000 Stellen im deutschen Versicherungsgeschäft zu streichen. Konzern-Chef Michael Diekmann setzt auf seine Überzeugungskraft.

München - Es gehe darum, den Konzern stark zu machen, und dies sei gut für die Kunden, die Mitarbeiter, die Aktionäre und für den Standort Deutschland, sagte Diekmann heute in München. Der Manager räumte ein, angesichts der Milliardengewinne werde der zeitliche Zusammenhang mit dem geplanten Stellenabbau sicher noch erklärungsbedürftiger. "Das wird viel, viel Arbeit von uns erfordern." Durch den Verzicht auf Kündigungen bis Ende 2007 hätten die Mitarbeiter aber Zeit, sich vorzubereiten.

Diekmann (im Februar 2006): Sozialplan für Allianz-Mitarbeiter
DDP

Diekmann (im Februar 2006): Sozialplan für Allianz-Mitarbeiter

"Wir wissen auch, dass gute Quartalszahlen keine Garantie für die Zukunft sind", ergänzte er und verteidigte das Zusammenlegen der drei Versicherer der Sparten Leben, Sach und Kranken als logisch, wenn es darum gehe, kundenfreundlicher zu sein. Im zweiten Quartal steigerte die Allianz Chart zeigen ihren Gewinn um fast zwei Drittel auf knapp 2,3 Milliarden Euro. Für 2006 erwartet der Finanzriese nun 5,5 bis sechs Milliarden Euro Gewinn. An der Börse zählte die Allianz-Aktie mit einem Kursplus von fast drei Prozent auf 127 Euro zu den größten Gewinnern.

Den vom Stellenabbau Betroffenen will die Allianz nun verstärkt andere Stellen im Konzern anbieten. So würden binnen zweier Jahre im Vertrieb im Angestelltenverhältnis über die normale Fluktuation hinaus 3000 Mitarbeiter eingestellt. "Die Stellen sollen vorwiegend Leuten aus dem Innendienst angeboten werden", sagte Diekmann. Gleichzeitig verwies er auf den bereits vereinbarten Sozialplan, der Abfindungen bis zu 250.000 Euro vorsehe.

Die Sparpläne des Konzerns hatten ungeahnt heftige Proteste der Belegschaft ausgelöst, da bis 2008 auch gut die Hälfte der regionalen Verwaltungszentren geschlossen werden sollen. Diekmann sagte, demnächst begännen die Gespräche mit der Arbeitnehmerseite über einen Interessensausgleich, "und wir hören uns sehr genau an, welche Argumente wir bekommen".

Kritik von Gewerkschaft

Die Gewerkschaft Ver.di kritisierte die Abbaupläne erneut. "Während die Gewinne der Allianz von Rekord zu Rekord eilen, soll mindestens 10.000 Menschen die Existenzgrundlage entzogen werden", sagte Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Uwe Foullong. Die Allianz solle von dem Abbau Abstand nehmen. Außerdem sei die Politik gefragt, bei gewinnträchtigen Unternehmen Jobabbau gesetzlich auszuschließen.

Für die Umstrukturierung legt die Allianz gut eine halbe Milliarde Euro auf die Seite. Der Betrag wurde durch den Verkauf der Beteiligung am Pharmakonzern Schering an Bayer mehr als ausgeglichen, der fast 900 Millionen Euro Buchgewinn brachte. Für den geplanten Abbau von weiteren 2500 Stellen bei der zu kostenträchtigen Dresdner Bank wird die Allianz im zweiten Halbjahr 400 Millionen Euro zurückstellen.

Der Gewinnsprung im zweiten Quartal wurde von allen Sparten getragen: Größter Gewinnbringer blieb die Sachversicherung, deren Betriebsgewinn auf 1,845 (Vorjahr 1,650) Milliarden Euro wuchs. Die Dresdner Bank baute ihren Betriebsgewinn um die Hälfte auf 319 Millionen Euro aus. Auch der Umsatz aus Beitragseinnahmen und operativen Erträgen des Konzerns wuchs leicht um 1,6 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro. Der operative Gewinn kletterte knapp ein Fünftel auf fast 2,8 Milliarden Euro. Von Januar bis Juni verbuchte die Allianz einen Nettogewinn von gut vier Milliarden Euro. Controlling-Chef Helmut Perlet betonte aber, im zweiten Halbjahr dürften die Erträge geringer sein.

Allianz rückt näher an AIG heran

Konzernchef Diekmann sprach von sehr guten Zahlen. "Das Ergebnis ist das Resultat konsequenter Arbeit", sagte er. Die Allianz werde konsequent daran arbeiten, sich weltweit noch besser aufzustellen. "Stillstand stellt keine Alternative dar", sagte er. Die Allianz will auch beim Ertrag zu den weltweit führenden Finanzgruppen wie dem Versicherungsriesen AIG aufschließen. Der US-Konzern hat noch keine neue Quartalsbilanz vorgelegt. Der Allianz-Gewinn kam nun aber immerhin nah an den AIG-Gewinn des ersten Quartals von 2,5 Milliarden Euro heran.

Mit der Erhöhung der Gewinnprognose rückt die Allianz auch von ihrem Drei-Jahres-Plan ab, der für die Verschmelzung mit der italienischen Tochter RAS zur ersten großen Europa-AG (Societas Europaea, SE) veröffentlicht wurde. Darin hatte der Konzern für 2006 einen Gewinn von 4,9 Milliarden Euro angekündigt, nachdem schon der Vorjahreswert von 4,4 Milliarden Euro ein Rekord war.

HVB-Analyst Lucio di Geronimo sagte, die Zahlen der Allianz seien glänzend, allerdings seien die operativen Gewinne wie erwartet ausgefallen. Die Buchgewinne aus dem Schering-Verkauf seien offenbar viel stärker als erwartet auf Holding-Ebene angefallen und schlügen damit fast komplett netto zu Buche. "Bei der Allianz-Aktie könnte jetzt die übliche Jahresend-Rallye vielleicht ein paar Wochen früher starten", ergänzte er.

tim/Reuters

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