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Trotz Konjunkturkrise: Außenhandel rechnet nur mit leichtem Export-Minus

Zuversichtliche Prognose in einer düsteren Zeit: Laut einer Umfrage glauben die deutschen Auslandshandelskammern nicht an einen Exporteinbruch im kommenden Jahr. Dabei haben führende Wirtschaftsinstitute einen fast "senkrechten Absturz" der Ausfuhren prophezeit.

Berlin - Die deutschen Auslandshandelskammern blicken optimistisch in die Zukunft. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter den Kammern. Statt eines drastischen Rückgangs, wie von manchen Wirtschaftsforschern prognostiziert, bleiben die Exporte nach Ansicht der Auslandshandelskammern "mit einem Minus von ungefähr einem Prozent nur leicht unter dem Niveau von 2008", heißt es in der Umfrage.

Hamburger Hafen: Exporte unter Druck des weltweiten Abschwungs
DDP

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Während das Gesamtminus der Befragung zufolge relativ gering ausfallen dürfte, gibt es je nach Region sehr unterschiedliche Erwartungen. Stagnation sei bei den Ausfuhren in die meisten Länder Westeuropas zu erwarten. In einigen Märkten - Spanien, Irland und Schweden - gehen die Kammern sogar von einem deutlichen Rückgang aus. Positiv sei dagegen die Entwicklung in Mittel- und Osteuropa sowie in der Türkei einzuschätzen.

"Positive Impulse werden für den deutschen Export aus den Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) erwartet - trotz aller Abschwächungstendenzen", teilt der DIHK mit. Einen deutlichen Rückgang prognostizieren die Kammern für die USA, Japan und Korea. Allein die Exporte in die USA könnten der Umfrage zufolge um bis zu zehn Prozent zurückgehen.

Die Auslandshandelskammern sind mit ihrer optimistischen Einschätzung jedoch ziemlich allein. Neben dem Kieler IfW hatte unter anderem das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) im Dezember vor einer deutlichen Abschwächung der Exporte gewarnt. Das Münchener Ifo-Institut sagte gar einen "senkrechten Absturz" der Ausfuhren voraus. Die Experten rechnen für 2009 mit einem Einbruch um 5,7 Prozent. 2007 waren die Exporte noch um 8,5 Prozent gewachsen (Übersicht aller Prognosen: siehe Info-Box unten).

Fatal ist Experten zufolge, dass zum ersten Mal seit Jahrzehnten alle Weltregionen gleichzeitig vom Abschwung erfasst werden. Wenn Deutschland früher in eine Rezession schlitterte, konnte es sich darauf verlassen, dass Großbritannien, die USA oder Asien für Entlastung sorgten. Dieses Muster gilt nicht nun mehr, und Deutschland leidet darunter, denn gerade die USA und die Euro-Zone sind für die Bundesrepublik wichtige Absatzmärkte. Fast jeder zweite Euro wird im Ausland erwirtschaftet.

Selbst Länder wie Indien und China, die bis vor kurzem noch als krisenresistente Boom-Länder galten, kommen inzwischen ins Straucheln. Chinas Exportzahlen brechen regelrecht ein. Im November sanken die Ausfuhren überraschend um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es ist der erste Rückgang seit sieben Jahren.

Schon 2008 muss Deutschland um den Titel des Exportweltmeisters bangen: Erstmals könnte China knapp an der Bundesrepublik auf Platz eins vorbeiziehen, sagte der DIHK-Außenwirtschaftschef Axel Nitschke der Nachrichtenagentur AP. Auch im Rezessionsjahr 2009 sei ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen zu erwarten.

Nach Einschätzung des Experten werden die Ausfuhren Deutschlands 2008 ungefähr auf dem Vorjahresniveau von 969 Milliarden Euro verharren. Damit verfehlt Deutschland klar das noch bis September angepeilte Ziel, erstmals die Marke von einer Billion Euro zu knacken. "Das kann man für dieses Jahr vergessen. Und wenn die Konjunktur nicht in Schwung kommt, auch für 2009", sagte Nitschke. Die Exportleistung werde 2009 zudem unter der von 2008 liegen.

Nitschke sagte, besonders schlecht werde es 2009 für die Krisenbranche Autoindustrie und auch den Maschinen- und Anlagenbau laufen - beides traditionell starke Exportbranchen Deutschlands. Der Grund ist laut Nitschke, dass bei schwächerem Welthandel Investitionsgüter besonders wenig nachgefragt würden. Hier seien "kräftige Einbußen" zu befürchten.

Die deutschen Exportunternehmen punkteten in den ersten neun Monaten 2008 auf dem Weltmarkt vor allem mit Autos, Maschinen und Chemieprodukten. Nach den jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes waren Fahrzeuge und Fahrzeugteile im Wert von 137 Milliarden Euro der Exportschlager. Ihr Anteil an den Gesamtausfuhren lag bei 18 Prozent. Maschinen made in Germany folgen auf Rang zwei mit 111 Milliarden Euro und einem Anteil von 14,6 Prozent. Chemische Produkte wurden im Wert von 106 Milliarden Euro ausgeführt, das entspricht einem Anteil an den Gesamtexporten von 14 Prozent.

ssu/AP

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