Trotz Kurzarbeit Schraubenkönig Würth weiht millionenschwere Yacht ein

Wenig Gespür für die Stimmung: Seinen Beschäftigten verordnet Reinhold Würth Kurzarbeit und Lohnkürzungen. Bei sich selbst spart der schwäbische Unternehmer nach SPIEGEL-Informationen allerdings nicht - er weihte gerade seine neue Luxusyacht ein.


Hamburg - Einmal mehr beweist der schwäbische Unternehmer Reinhold Würth mangelndes Fingerspitzengefühl: Zwar verordnete der milliardenschwere Schraubenhändler insgesamt 1250 seiner deutschlandweit rund 5000 Beschäftigten vom 1. April an Kurzarbeit und Gehaltskürzungen von 15 Prozent. Gleichzeitig weiht der vorbestrafte Steuersünder nach Informationen des SPIEGEL aber seine neue, schon 2007 bestellte Super-Yacht namens "Vibrant Curiosity" im Rahmen einer Feier ein.

Schraubenkönig Würth: Gäste um Diskretion gebeten
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Schraubenkönig Würth: Gäste um Diskretion gebeten

Das 85 Meter lange weiße Schiff, erbaut von der Oceanco-Werft in der Nähe von Rotterdam, liegt in der Preisklasse von rund hundert Millionen Dollar. Zwei MTU-Dieselmaschinen à 4680 PS beschleunigen das Schiff auf 18,5 Knoten. Die Innenausstattung besteht aus einer großen Kabine für den Eigentümer, einer VIP-Suite sowie Luxuskabinen für weitere 14 Gäste.

Würth ahnte wohl, dass die von der Wirtschaftskrise gebeutelte Öffentlichkeit wenig Sympathie für sein neues Spielzeug haben würde. Der schwäbische Unternehmer bat deshalb die Gäste, die er jüngst zum Stapellauf eingeladen hatte, über die Festlichkeit strikte Diskretion zu wahren.

Das Amtsgericht Heilbronn hatte im vergangenen Mai eine Strafe in Höhe von 700 Tagessätzen gegen den Unternehmer verhängt. Der Unternehmer soll Steuern hinterzogen haben, indem für den Gesamtkonzern angefallene Kosten nicht den jeweils verursachenden Konzerngesellschaften zugeordnet, sondern im Wesentlichen nur bei einer Gesellschaft gewinnbringend verbucht wurden. Würth hatte sich damals bei mehreren Auftritten uneinsichtig gezeigt und wegen der Ermittlungen gedroht, mitsamt seinem Konzern das Land zu verlassen.

Mit der jetzt anstehenden Kurzarbeit reagiere man "auf die weiterhin schwierige Wirtschaftslage", heißt es bei Würth. "Oberstes Ziel dieser Maßnahmen ist der Erhalt von Arbeitsplätzen und Know-how im Unternehmen." Den übrigen Innendienstmitarbeitern, die nicht von Kurzarbeit und Gehaltskürzung betroffen sind, wird ein "Solidarbeitrag" in Form eines Gehaltsverzichts von fünf Prozent abverlangt. Vergangene Woche beklagte Würth vor versammelter Belegschaft die wegbrechenden Umsätze.

sam



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