Angst vor Überlastung Tschechien wehrt sich gegen deutschen Ökostrom

In der Bundesrepublik fehlen große Energietrassen von Nord nach Süd, deshalb fließt deutscher Windstrom oft über Tschechien. Sehr zum Ärger der Nachbarn: Das Land will seine Grenze dichtmachen.

Stromtrasse in Thüringen: Angst vor Überlastung des Stromnetzes in Tschechien
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Stromtrasse in Thüringen: Angst vor Überlastung des Stromnetzes in Tschechien


Tschechien hat mit dem Bau von Transformatoren begonnen, um unerwünschten Strom aus deutschen Windkraftanlagen an der Grenze zu stoppen. Am Dienstag wurde an einer Freileitung rund 20 Kilometer östlich von Oberwiesenthal der Grundstein gelegt, wie der tschechische Stromnetzbetreiber CEPS mitteilte.

Zwischen Nord- und Süddeutschland fehlen große Stromtrassen, deshalb nimmt die Elektrizität verstärkt den Umweg über Tschechien. Damit steigt aber nach Angaben von CEPS das Risiko einer Überlastung des eigenen Stromnetzes.

Mit den neuen Hunderte Tonnen schweren Phasenschieber-Transformatoren könne der Stromfluss gesteuert werden. Die Baukosten der Anlage, die 2016 in Betrieb gehen soll, belaufen sich auf mehr als 72 Millionen Euro. "Ein Blackout käme weit teurer zu stehen", sagte CEPS-Leiter Vladimir Tosovsky.

In Deutschland wird seit Längerem über den Ausbau des Stromnetzes gestritten: Für viele Bürger sind die Leitungen ein Ärgernis, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hatte den Bau neuer Stromtrassen durch sein Bundesland infrage gestellt.

Deutschland hat aber nicht mehr ewig Zeit für den Leitungsbau. 2023 soll das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet werden. Spätestens dann müssen neue Trassen fertig sein, damit genug Strom aus anderen Regionen der Republik in den industriereichen Süden transportiert werden kann.

sun/dpa

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