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Freihandelsabkommen TTIP: Viel motzen, wenig lesen

Anti-TTIP-Protest: Die intellektuelle Aufarbeitung lässt zu wünschen übrig Zur Großansicht
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Anti-TTIP-Protest: Die intellektuelle Aufarbeitung lässt zu wünschen übrig

Sie forderten Transparenz, bekamen sie zum Teil - und fingen wenig damit an: Laut einem Zeitungsbericht hat kaum jemand die Dokumente zu den TTIP-Verhandlungen gelesen, die die EU-Kommission nach massivem Protest ins Netz gestellt hatte.

Gegner von TTIP haben sich lange über fehlende Transparenz beklagt. Die EU-Kommission reagierte und stellte mehrere Dokumente zu den Verhandlungen ins Internet. Jetzt zeigt sich: Es wird zwar insgesamt viel gemeckert über das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA - aber es wird wenig darüber gelesen.

Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Freitag unter Berufung auf Zahlen der EU-Kommission berichtet, wurden die am 7. Januar ins Internet gestellten englischsprachigen Verhandlungstexte bis zum 8. April nur knapp 2300-mal angeklickt. Dies entspreche 760 Klicks im Monat und 25 Klicks am Tag.

Am häufigsten wurde dem Bericht zufolge noch das Verhandlungsangebot der EU-Kommission zur Lebensmittelsicherheit und dem Tier- und Pflanzenschutz aufgerufen, worunter auch das im Zuge der Verhandlungen oft zitierte Chlorhühnchen fällt. Binnen drei Monaten sei dieser Text immerhin 4943-mal angeklickt worden.

Das am 10. Februar im Internet veröffentlichte EU-Verhandlungsangebot zu der stark umstrittenen regulatorischen Zusammenarbeit wurde dem Bericht zufolge bis zum 8. April ebenfalls knapp 5000-mal angeklickt. Bei der regulatorischen Zusammenarbeit geht es um die frühzeitige Einbindung der jeweils anderen Seite bei neuen Gesetzen.

Die Zahlen gäben keinen Aufschluss darüber, wie lange und ausführlich sich die Internetnutzer mit den angeklickten Dokumenten befasst hätten, schreibt die "FAZ" weiter.

Deutlich häufiger als die Verhandlungsdokumente wurde demnach die Überblicksseite zu den TTIP-Verhandlungen angeklickt, auf der neben den Verhandlungstexten auch erläuternde Stücke und Faktensammlungen stünden. Die englischsprachige Seite sei seit Anfang 2015 von immerhin 104.000 Nutzern besucht worden, die deutschsprachige Seite hingegen nur von 5142 Interessenten.

ssu/AFP

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insgesamt 214 Beiträge
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1. euer Job
Marianne Rosenberg 17.04.2015
Liebes Spiegel Team, ich würde mir wünschen hier einmal auf die Inhalte der Dokument so einzugehen, dass wir die wichtigen Passagen, die unsere Welt verändern werden, erläutert bekommen. Ich glaube, nicht jeder von uns hat die Zeit, sich damit allumfänglich auseinander zu setzen, den Kelch würde ich einmal zurückgeben wollen. In Deutschland sind ja alle beschäftigt, manche auch mit 2 Jobs. Die Sachkenntnis habt ihr - nicht wir.
2. Solch eine Meldung
einwerfer 17.04.2015
soll doch nur die Kritik an TTIP als von wenig Sachkenntnis getragen desavouieren ! Kaum jemand hat die Zeit und sprachliche Kompetenz, diese Unmenge an Texten alle persönlich durchzuarbeiten. Frau Merkel und Herr Gabriel übrigens auch nicht, die lassen sich zuarbeiten. Und ich lass mir von der NGO meines Vertrauens zuarbeiten.
3. Für solche Artikel
Palisander 17.04.2015
sollte man den Spiegel ignorieren. Um es gelinde auszudrücken. Wir wälzen unser Fehlverhalten einfach auf die besorgten Bürger ab. Wer berichtet den meist oberflächlich und bereitet schlecht auf? Der Bürger? Nein, die Politik und die Medien. "Verschleiern und Aufweichen" nennt man diese Taktik. So lange im Brei matschen bis der Bürger marode ist und einfach abschaltet. Eine Zeitung die selber keine klare Haltung zu einem Thema hat kann nur schlecht darüber referieren. Ich habe mir trotz wenig Zeit die Mühe gemacht mich durch den Teil der Dokumente hindurchzuarbeiten. Eigentlich die Aufgabe von Medien die an Bürger berichten. Aber da man nur noch Halbwahrheiten und Snipets bekommt muss man sich ja selber die Mühe machen. Was man liest ist oft Auslegungssache. Und leider steckt darin genau die Gefahr. Die Annahmen aller Kritiker sind schon berechtigt.
4.
marthaimschnee 17.04.2015
Tja, mittlerweile liegt auf dem Tisch, daß dieses Abkommen für den Normalbürger keinerlei Vorteile hat, es war ja auch niemals der Sinn, eben diesem Vorteile zu bringen. Nur munkelt sich das im Geheimen halt viel besser zusammen. Also wuzu den Mist noch lesen, es ist ja bereits schlimmer, als Verschwörungstheoretiker sich das ausmalen konnten! Außerdem sagen die Zahlen nichts darüber aus, ob der Text vielleicht weitergegeben wurde. zB indem Verlage ihn herunterladen und über ihre Medienprodukte verbreiten, was ja eigentlich ihre Aufgabe wäre. Offenbar findet aber selbst die deutsche Jubelpresse darin nichts, mit dem sie allgemeine Bedenken zerstreuen könnte.
5. Nein
burkhard.salz@web.de 17.04.2015
Besser und vertrauenswürdiger ist netzpolitik.org und foodwatch.
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