TV-Offensive: Springer übernimmt ProSiebenSat.1

Für Springer-Chef Mathias Döpfner wird der Traum vom Einstieg ins Fernsehgeschäft endlich wahr: Nach monatelangen Verhandlungen mit US-Milliardär Haim Saban ist der Kauf von ProSiebenSat.1 durch den Verlag endlich perfekt - ganz billig wird das für das Zeitungshaus allerdings nicht.

Springer-Chef Döpfner und Milliardär Saban: Den Deal per Handschlag besiegelt
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Springer-Chef Döpfner und Milliardär Saban: Den Deal per Handschlag besiegelt

Hamburg - Der Deal kostet Springer zunächst rund 2,5 Milliarden Euro. Für diesen Preis übernimmt das Verlagshaus alle ProSiebenSat.1-Aktien der Investorengruppe um Saban. Ein Anteil von 75 Millionen wird dabei in Form von 820.000 Springer-Aktien bezahlt. Laut "Süddeutsche Zeitung" wurde der Deal bereits am Mittwoch per Handschlag besiegelt. Der Springer-Aufsichtsrat stimmte gestern zu. Mittelfristig sollen Springer und das Münchner TV-Unternehmen verschmolzen werden.

"Es ist die richtige Transaktion zur richtigen Zeit", sagte Springer-Chef Mathias Döpfner. "Wir haben die ideale Lösung für die ProSiebenSat.1-Gruppe gefunden", sagte Saban, der künftig Vorsitzender des TV-Beirats des fusionierten Medienunternehmens werden soll. Seine Investorengruppe erhält durch die Aktientransaktion 2,4 Prozent der Springer-Anteile. Verlagserbin Friede Springer wird aber weiter die Mehrheit an dem Medienhaus halten.

Saban vervielfacht seinen Einsatz

Springer übernimmt laut Vereinbarung zunächst sämtliche stimmberechtigten Anteilspapiere der Müncher Fernsehkette und ein Viertel der nicht stimmberechtigten Vorzugsaktien. Der Anteil am Gesamtkapital erhöht sich auf 62,5 Prozent. Zuvor besaß der Verlag 12 Prozent der ProSiebenSat.1-Aktien.

In einem nächsten Schritt will Springer nun den Besitzern der restlichen stimmrechtslosen Vorzugsaktien, die sich in Streubesitz befinden, ein Angebot machen - pro Papier werden nach vorläufigen Berechnungen 14,10 Euro geboten. Zudem plant Springer eine Kapitalerhöhung durch die Ausgabe neuer Vorzugsaktien.

Der Milliardär Saban hatte die Fernsehgruppe gemeinsam mit Finanzinvestoren aus dem Nachlass des insolventen Medienimperiums von Leo Kirch übernommen. Im August 2003 zahlte sein Konsortium 525 Millionen Euro für 72 Prozent der Stimmrechte und 36 Prozent des Grundkapitals von ProSiebenSat.1. Später stockte er seinen Anteil auf. Der Gesamtpreis, den Saban für seine Anteile bezahlte, ist nicht bekannt.

Fest steht aber: Der Wert der ProSiebenSat.1 AG, zu der neben den beiden namensgebenden Sendern auch noch die Kanäle Kabel Eins und N24 gehören, hat sich seit Sabans Einstieg trotz eines schwierigen Umfelds vervielfacht. Im vergangenen Jahr verbesserte sich das Ergebnis vor Steuern von 57 auf 217,5 Millionen Euro. Den Umsatz steigerte der Konzern um 1,5 Prozent auf gut 1,8 Milliarden Euro.

Ein Börsengang und eine Großpleite

Dabei stand es lange Zeit nicht gut um Deutschlands größte TV-Kette, die heute 2700 Mitarbeiter beschäftigt. Die Geschichte von ProSiebenSat.1 ist eine Geschichte vieler Hochs und Tiefs. Als erster deutscher Privatsender ging Sat.1 1984 an den Start. ProSieben - später der Kern des Konzerns - folgte fünf Jahre später. Im Juli 1997 brachte der damalige Sender-Chef Georg Kofler die ProSiebenMedia AG erfolgreich an den Frankfurter Aktienmarkt - der bis dahin größte Börsengang eines Medienunternehmens in Deutschland.

Die Übernahme von Sat.1, das ebenfalls zur KirchGruppe gehörte, im Jahr 2000 war ein logischer Schritt. Die Integration des verlustreichen Senders gestaltete sich allerdings schwierig. Später wollte Leo Kirch seine KirchMedia mit ProSiebenSat.1 zu einem integrierten Medienkonzern verschmelzen. Doch der Plan scheiterte - vor drei Jahren ging der Medienmogul schließlich Pleite.

Friede Springer gibt weiter den Ton an

Saban mit "Bild"-Zeitung: Springer-Aktien für den US-Investor
DPA

Saban mit "Bild"-Zeitung: Springer-Aktien für den US-Investor

Danach gab es zähe Verkaufsverhandlungen, in denen die Fernsehkette ursprünglich an den Bauer-Verlag verkauft werden sollte. Doch Bauer machte einen Rückzieher. Im Sommer 2003 schlug schließlich Saban zu.

Mit der Übernahme erfüllt Springer-Chef Mathias Döpfner im Grunde den jahrzehntelangen Traum von Verlagsgründer Axel Springer - den Verlag mit der meistgelesenen deutschen Zeitung "Bild" auf das Fernsehen auszuweiten. Der Geist des Gründers wird das Medienunternehmen auch weiter prägen: Witwe Friede Springer wird nach der geplanten Verschmelzung auch in dem neuen Medienkonzern den Ton angeben.

Mit der Übernahme wird Springer neben dem Bertelsmann-Konzern - zu dem unter anderem die RTL-Gruppe sowie der Großverlag Gruner+Jahr gehören - zum zweiten großen Medienhaus des Landes, das Fernsehsender und Printmedien unter einem Dach vereint. Gemessen am Umsatz bleibt Bertelsmann allerdings wegen seines Buchgeschäftes noch um ein Mehrfaches größer.

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