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Twitter-Technik: EnBW lässt Stromzähler zwitschern

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Ungewöhnliche Vertriebsoffensive: Der Versorger EnBW will seine Stromzähler künftig twittern lassen. Kunden sollen so genau über den eigenen Verbrauch informiert werden - und damit Energie sparen.

Hamburg - Das Unternehmen Yello Strom, eine hundertprozentige Tochter des Energiekonzerns EnBW Chart zeigen, will seine Stromzähler künftig Twitter-fähig machen. Die Messgeräte könnten dann den Verbrauch einzelner Kunden im Minutentakt im Internet veröffentlichen.

Sparzähler von Yello Strom: Kundenservice auf allen Kanälen

Sparzähler von Yello Strom: Kundenservice auf allen Kanälen

"Wir haben erste twitternde Prototypen entwickelt und erfolgreich getestet", sagte Yello-Strom-Chef Martin Vesper SPIEGEL ONLINE. Was letztlich dazu führt, dass der Zähler eine Nachricht twittert, steht noch zur Diskussion. Vieles sei aber denkbar. So könnten beispielsweise unregelmäßig hohe Ausschläge beim Verbrauch einen Tweet an den Kunden auslösen. Oder der Zähler zwitschert einmal täglich eine Zusammenfassung der Kosten.

Langfristig sollen Kunden sogar nicht nur Nachrichten von zwitschernden Zählern empfangen, sondern auch welche an ihn senden können. "Das Internet ermöglicht Kommunikation in beide Richtungen. Wir experimentieren derzeit damit, dass der Kunde via Sparzähler bestimmten Haushaltsgeräten von unterwegs Befehle erteilen kann - beispielsweise über Twitter." Technisch stünden zwischen dieser Vision und der Wirklichkeit allerdings noch einige Hürden.

Die Grundidee, Energieversorgung und Internet stärker aneinander zu koppeln, ist nicht neu. Vor allem im Südwesten der USA gelten sogenannte schlaue Stromnetze als große Zukunftsmärkte. Das Netz der nächsten Generation soll eine gewaltige Kommunikationsplattform werden. Investoren überschütten entsprechende Start-up-Unternehmen selbst mitten in der Krise mit Risikokapital. Verbraucher sollen mit Hilfe der neuen Technologien ihren Energiebedarf selbst kontrollieren können - präzise und im Minutentakt.

Der Suchmaschinenriese Google betreibt seit einiger Zeit eine Software, die dies ermöglicht: das Google PowerMeter. Nutzer können das Gadget auf ihrer persönlichen iGoogle-Homepage installieren und ihren Energieverbrauch so neben Wetter- und Fußballergebnissen abrufen. Der Gedanke ist, dass man den eigenen Energiekonsum messen können muss, um effizienter zu werden. Google will in umfangreichen Tests festgestellt haben, dass man den Energieverbrauch schon mit einfachen Verhaltensänderungen um durchschnittlich 15 Prozent senken kann.

Twitter
Prinzip
zu Deutsch zwitschern oder schnattern, ermöglicht es, kurze Textnachrichten als Mikroblog per SMS, Instant Messaging oder Web-Oberfläche zu veröffentlichen. Andere Nutzer können diese Meldung beispielsweise mit ihrem Mobiltelefon oder RSS-Reader verfogen. Der Dienst heißt Twitter, die SMS-ähnlichen Nachrichten Tweets. mehr zu Twitter auf der Themenseite
Geschäft
Twitter hat bislang kein Erlösmodell. Im Gespräch sind Werbung oder kostenpflichtige Twitter-Accounts für Unternehmen. Ende 2008 lehnte CEO Evan Williams ein Übernahmeangebot über 500 Millionen Dollar von Facebook ab. Akute Geldsorgen hat die Firma dennoch nicht - 55 Millionen US-Dollar Risikokapital hat das Unternehmen seit Gründung erhalten, zuletzt brachte eine Finanzierungsrunde noch einmal 35 Millionen US-Dollar.
Dienste von SPIEGEL ONLINE

Die Realität sieht derzeit noch anders aus. Die meisten Energiekonzerne bieten ihren Kunden überhaupt keine Übersicht über den eigenen Verbrauch. Sie schicken einmal jährlich eine Abschlagsrechnung - mehr nicht.

Yello Strom ist da weiter. Als eines der ersten europäischen Unternehmen vertreibt es einen eigenen schlauen Stromzähler, der fähig ist, im Minutentakt über den Verbrauch zu informieren. Ende Juni gab das Unternehmen bekannt, künftig Googles PowerMeter einzusetzen.

Dass Kunden sich den Verbrauch nun auch bald auf Twitter anzeigen lassen können, sieht Vesper als zusätzlichen Kundenservice. "Unser Ziel ist es, die Kunden über möglichst viele Kanäle zu informieren. Die Übermittlung des Stromverbrauchs dient dazu, das Thema Energieeffizienz stärker in der Alltag der Kunden einzugliedern", werbetextet er.

Tatsächlich dürften hinter der Internet-Initiative auch geschäftliche Interessen stecken: Denn anders als in den USA, wo der Staat für die Verbreitung Internet-fähiger Stromzähler zahlt, verkauft Yello Strom die eigenen Messgeräte selbst. Kunden haben zudem die Möglichkeit, die Zähler, gekoppelt an bestimmte Tarife, für einige Euro im Monat zu mieten.

Bislang stößt dieses Geschäftsmodell noch auf recht verhaltene Resonanz. Seit Dezember 2008 bietet Yello Strom seine Sparzähler, inzwischen verkauft das Unternehmen nach eigenen Angaben zwischen 100 und 200 Messgeräte pro Tag.

Tatsächlich gibt es noch eine günstigere Variante, den eigenen Stromzähler zum Twittern zu bringen. Diese erfordert allerdings etwas Bastelei - eine Bauanleitung (die allerdings von der Redaktion noch nicht getestet worden ist) findet sich im Netz.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
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1. Energie sparen = Geld sparen?
hirtenbrunnen 06.07.2009
Liebe EnBW-Kunden, bitte auf die Feinheiten achten: Der Energieversorger will, das damit die Kunden ENERGIE sparen, aber was ist mit den KOSTEN? Wenn der Versorger weniger Energie verkauft, MUSS er die Preise MODERAT ANPASSEN, um die Renditeziele zu erreichen. Oder haben sich die Energieversorger den Wohlfahrtsverbänden angeschlossen?
2. Und was kostet das?
Paolo, 06.07.2009
Zitat von sysopUngewöhnliche Vertriebsoffensive: Der Versorger EnBW will seine Stromzähler künftig twittern lassen. Kunden sollen so genau über den eigenen Verbrauch informiert werden - und damit mehr Energie einsparen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,634115,00.html
Und was kostet am Ende die Umrüstung der Zähler? In etwa meine Einsparung² ? TzTzTZ, seit wann machen die Energieriesen etwas, wo sie Geld verlieren könnten...
3. Geld sparen
pappel 06.07.2009
Kein Stromanbieter hat ein Interesse daran, dass die Kunden Strom sparen. Reine PR.
4. Energiesparen vs. Bürgerrechte?
DUWN01 06.07.2009
Energiesparen ist gut, besonders, wenn man auf unnützen Verbrauch aufmerksam gemacht wird. Den Energieversorgern mag das recht sein, so müssen sie weniger Kraftwerke neu bauen. Wo bleiben aber die Bürgerrechte? Der Internetzugang zu den Daten ist sicher leicht zu knacken. Aus dem Energieverbrauch lassen sich viele Informationen ablesen, ob jemand überhaupt zu Hause ist oder ob die Zeitschaltuhr täglich eine Lampe einschaltet, wann jemand wäscht oder kocht. Die Polizei mag's freuen, konspirative Wohnungen muß man nicht einmal verwanzen. Einbrecher haben allerdings auch leichtes Spiel. Mit der geplanten Steuerung des Verbrauches, je nach Windstromangebot, wird der Bürger auch nur gegängelt. Der läßt es sich wohl auch noch gefallen, nur weil ihm lange genug eingeredet wurde, das sei für einen guten Zweck. Wer sich nicht daran hält, muß mit empfindlichen Sanktionen rechnen. Es droht der grüne Überwachungsstaat. Wäre es nicht besser, die Stromzähler mit einer USB-Schnittstelle zu versehen, an der jeder für sich die Daten auslesen kann, sonst aber niemand die Daten bekommt, außer 1 x im Jahr zur Abrechnung?
5. Überwachungsstaat
villon, 06.07.2009
So ganz nebenbei kann und wird damit ihre anwesenheit im hause überwacht.Zb wichtig für den staat um ihnen als langzeitarbeitslosen eine "bedarfsgemeinschaft" mit einem fremden partner oder ebenso kriminelles, eine "entfernung aus dem zeit-und ortsnahen bereich ohne rücksprache mit ihrem sachbearbeiter" (o-töne kürzungsbescheide) zu unterstellen und deshalb die leistung zu kürzen.
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