Überalterung: Statistisches Bundesamt erwartet rund 58 Prozent mehr Pflegefälle bis 2030

Dramatische Vergreisung der Gesellschaft: Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts wird die Zahl der Pflegefälle in den kommenden 22 Jahren um 58 Prozent zunehmen.

Wiesbaden - Eigentlich ist es eine Binsenweisheit, dass die Deutschen immer älter werden - doch die Zahlen sind trotzdem erschreckend: Das Statistische Bundesamt hat berechnet, dass angesichts der demografischen Entwicklung die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2040 von derzeit 2,1 Millionen auf 3,4 Millionen steigen wird. Das wäre ein Anstieg der Pflegefälle um 58 Prozent. Und dabei wird die Gesamtbevölkerung immer kleiner, das heißt, die Kosten für die Pflege müssen auf immer weniger Schultern verteilt werden.

Pflegebedürftiger Mann: Die Kosten müssen von immer weniger Menschen getragen werden
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Nach den Ergebnissen der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung werde die Zahl der 60-Jährigen und Älteren aber bis 2030 um rund 38 Prozent von 20,5 Millionen auf voraussichtlich 28,4 Millionen zunehmen. Die Zahl der über 80-Jährigen soll sogar um 73 Prozent von 3,6 Millionen auf 6,3 Millionen steigen.

Die veränderte Bevölkerungsstruktur dürfte dabei zu einem deutlich höheren Anteil älterer Pflegebedürftiger führen: Während heute 53 Prozent der Pflegebedürftigen 80 Jahre und älter sind, könnten es 2030 bereits rund 65 Prozent sein. Absolut steigt die Zahl der Pflegebedürftigen in diesem Alter demnach von 1,1 Millionen auf etwa 2,2 Millionen. Bei dieser Berechnung wird allerdings angenommen, dass sich der Anteil der Pflegebedürftigen in jeder Altersgruppe bis 2030 nicht verändert.

Wird hingegen davon ausgegangen, dass wegen des medizinischen Fortschritts die Menschen erst später zu Pflegefällen werden, läge die Zahl der Pflegebedürftigen ab 80 Jahren künftig nur bei zwei Millionen. Die Gesamtzahl der Pflegebedürftigen würde in diesem Modell statt auf 3,4 Millionen nur auf drei Millionen ansteigen.

Krebserkrankungen werden stark zunehmen

Neben der Zahl der Pflegefälle hat das Statistische Bundesamt auch die Entwicklung der Zahl der Krankenhausbehandlungen berechnet. Diese werden demnach von 17 Millionen auf 19 Millionen im Jahr steigen. Typische Alterskrankheiten wie Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Krebserkrankungen werden sogar um 34 und 21 Prozent zunehmen. Allerdings dürften Krankenhausaufenthalte wegen Geburten um 22 Prozent zurückgehen.

Wird davon ausgegangen, dass altersbedingte Krankheiten wegen der steigenden Lebenserwartung erst später auftreten, erhöht sich die Zahl der Krankenhausbehandlungen statt auf 19 Millionen allerdings nur um knapp eine Million auf 17,9 Millionen.

ase/AP

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