Überblick zur Gesundheitsreform Wer gewinnt, wer verliert

Ein großer Wurf wird die Gesundheitsreform wohl nicht, zumindest aber sorgen die jetzt vorgestellten Pläne für Verwirrung. Eine Fülle von Einzelregelungen betrifft Patienten, Ärzte, private Krankenversicherer und Dutzende anderer Gruppen. SPIEGEL ONLINE zeigt, wer blutet, wer ungeschoren davon kam - und wer zu den Nutznießern zählt.


Gesunde Versicherte

Eher Verlierer.

Auch wer gar nicht zum Arzt geht und keinerlei Zahnersatz braucht, wird tendenziell eher mehr bezahlen als vorher. Grund: Der Patient darf nicht selbst entscheiden, ob er die neue Zahnersatz-Zusatzversicherung braucht - sie ist in guter deutscher Tradition und aus Rücksicht auf die Gesetzlichen Kassen (GKV) obligatorisch. Bei Privaten Versicherern (PKV) soll dies neue Versicherung 7,50 Euro im Monat kosten, die Tarife der Gesetzlichen sind noch unklar.

Zahlender Patient beim Zahnarzt: Als wäre die Behandlung nicht unangenehm genug
DPA

Zahlender Patient beim Zahnarzt: Als wäre die Behandlung nicht unangenehm genug

Da die neue Gebissversicherung nicht paritätisch von den Arbeitgebern mit gezahlt wird, trägt der Patient sämtliche Kosten. Zusätzliche Belastung: Ab 2007 wird auch das Krankengeld auf ähnliche Weise aus der paritätischen Finanzierung herausgenommen

Unsicher ist hingegen, ob es die versprochene Entlastung der Beitragszahler überhaupt in nennenswerter Höhe geben wird. Die Politiker haben das Ziel, den Durchschnittssatz für die GKV schon bis Ende 2004 auf 13 Prozent zu drücken, fallen gelassen - die Rede ist nur noch von 13,6 Prozent. Auch das sei vermutlich zu optimistisch, befinden AOK-Chef Ahrend, Ärztepräsident Hoppe und andere. Denn: Die Kassen werden zwar um Milliarden entlastet, fahren aber weiter fast ebenso hohe Defizite ein - werden also die Beiträge wohl höchstens zögerlich senken.

Ein Beispiel: Angenommen, der durchschnittliche Kassensatz fällt von 14,5 derzeit auf nur 14,0 Prozent Ende 2004. Ein Arbeitnehmer mit 2500 Euro Einkommen würde dann im Monat nur 6,25 Euro sparen. Diese Einsparung liegt wahrscheinlich unter den Mehrkosten für die neuen Versicherungen. Dies können Patienten höchstens durch Kassen-Hopping wettmachen. Ein positiver Faktor: Die Einführung von Sondertarifen bei Kassen wird einfacher - Patienten, die an Präventiv-Maßnahmen teilnehmen, könnten dadurch mit Gebührennachlässen belohnt werden.



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