Übernahme im Buchhandel Thalia festigt seine Macht

Schon jetzt ist Thalia, eine Tochter des Douglas-Konzerns, die bei weitem größte Buchhandelskette im Land. Durch eine Übernahme baut das Unternehmen seinen Marktanteil noch weiter aus.


Kaiserslautern/Hagen - Die Thalia-Mutterfirma Douglas Chart zeigen verstärkt das Buchgeschäft durch den Kauf der Kette Gondrom aus Kaiserslautern. Die betreibt derzeit 26 Buchhandlungen vornehmlich im Süden und Osten Deutschlands und erzielt einen Jahresumsatz von rund 60 Millionen Euro. Den Kaufpreis wollten weder Douglas noch Gondrom nennen. Die Übernahme soll zum Jahresanfang in Kraft treten, sie muss aber noch vom Bundeskartellamt genehmigt werden.

Thalia in Krefeld: "Immergleiche Monokultur"?
DPA

Thalia in Krefeld: "Immergleiche Monokultur"?

Gondrom soll zwar unverändert mit altem Markennamen fortgeführt werden, teilte Douglas mit. Auch wird Geschäftsführer Reinhold Gondrom die Entwicklung der Buchhandlungen weiter selbst verantworten. Künftig wird Gondrom aber offiziell als Teil von Thalia geführt.

Thalia kommt schon jetzt auf 137 Buchhandlungen - die Kette mit Sitz in Hagen ist damit der zweitgrößte Geschäftsbereich im Douglas-Konzern nach den namensgebenden Parfümerien. Im Geschäftsjahr 2004/05 (bis Ende September) erwirtschaftete sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz Umsätze in Höhe von rund 461 Millionen Euro. Das Unternehmen ist unter anderem als größter Aktionär beim Onlinehändler Buch.de beteiligt.

Zu viel Wildwest im Buchgeschäft?

Die Konzerntochter steht vor allem bei kleineren Buchhändlern, zunehmend aber auch bei Verlagen, wegen ihrer energischen Expansion in der Kritik. "Das Szenario, das derzeit umgeht, beschreibt eine flurbereinigte, von einem Oligopol beherrschte Buchhandelslandschaft, die bis in die Mittelstädte hinunter ihre immergleiche Monokultur installiert hat", schrieb die "Frankfurter Allgemeine". Thalia soll jüngst von Verlagen verlangt haben, dass diese sich an den Kosten für Umbauten, Renovierungen und Neueröffnungen von Thalia-Filialen beteiligen - amerikanische Sitten, die es bisher im deutschen Buchgeschäft so nicht gab.

Nach Marktanteil hat Thalia den nächstgrößeren Konkurrenten Hugendubel inzwischen deutlich hinter sich gelassen. Im kommenden Jahr sind mindestens sechs Filialeröffnungen geplant - ein für die traditionell beschauliche Branche ungewöhnlich rasches Tempo.

Thalia weist alle Verdächtigungen, man treibe den Niedergang der Buchkultur voran, weit von sich. Die eigenen Handlungen besäßen viel mehr Charakter als die amerikanischer Großflächenhändler wie Barnes & Noble, verteidigt man sich.

Kleinere Buchhändler wie Bouvier-Gonski habe man auch bisher erfolgreich integriert und dabei deren Namen und Eigenheit beibehalten. Auch sei man noch weit davon entfernt, eine dominierende Stellung im stationären Buchhandel zu erreichen. Die dominierende Position von Amazon im Internet-Geschäft sei viel problematischer, heißt es von Thalia.



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