Übernahmekampf in Spanien Enel sichert sich 22 Prozent an Endesa - E.on muss zusehen

Für den deutschen Energiekonzern E.on wird es eng: Die Übernahme des spanischen Versorgers Endesa ist gefährdet, weil der italienische Konkurrent Enel immer mehr Endesa-Aktien kauft. Momentan kontrollieren die Italiener schon 22 Prozent.


Mailand/Madrid - Zunächst hatte Enel Chart zeigen nur rund zehn Prozent der Endesa-Anteile gekauft. Doch nun sicherte sich der italienische Konzern Optionen auf weitere 11,57 Prozent. Insgesamt beantragte Enel bei der spanischen Börsenaufsicht einen Anteil von 24,9 Prozent an Endesa Chart zeigen. Damit würden die Italiener genau unter der Schwelle bleiben, ab der ein eigenes Übernahmeangebot fällig wäre. Seine Absichten erklärte der italienische Konzern bislang noch nicht.

Endesa-Zentrale in Madrid: Mögliches Aktionärsbündnis gegen E.on
AP

Endesa-Zentrale in Madrid: Mögliches Aktionärsbündnis gegen E.on

Der Enel-Konzern, der zu rund 30 Prozent im Besitz des italienischen Staates ist, hatte am Dienstag völlig überraschend bekanntgegeben, dass er 9,99 Prozent der Endesa-Aktien gekauft hat. Gestern sicherte sich Enel zunächst weitere sieben Prozent über die Bank UBS, danach 4,58 Prozent über die Mediobanca Banca di Credito Finanziario. Schließlich beantragte Enel dann bei der spanischen Börsenaufsicht die Aufstockung auf 24,9 Prozent an Endesa. Bislang teilte Enel lediglich mit, der Kauf der Endesa-Aktien sei Teil seiner Strategie, die Stellung auf dem spanischen Markt zu verbessern.

Medienberichten zufolge wurde der Einstieg von Enel bei Endesa beim spanisch-italienischen Gipfeltreffen vor einer Woche auf Ibiza beschlossen. Die spanische Regierung ist gegen die Übernahme von Endesa durch den deutschen E.on-Konzern. Erst auf Druck der EU-Kommission hatte die spanische Regulierungsbehörde einen Großteil der Auflagen gegen E.on Chart zeigen wieder fallen lassen müssen. E.on möchte zusammen mit Endesa zu einem der größten Energieversorger der Welt aufrücken.

Enel zahlte 39 Euro pro Endesa Aktie und bietet diesen Preis auch für die Ausübung ihrer Optionen. Für die insgesamt 21,57 Prozent wären das rund neun Milliarden Euro. E.on hingegen bietet den Endesa-Aktionären 38,75 Euro pro Anteilsschein und bewertet das spanische Unternehmen damit mit rund 41 Milliarden Euro.

Mit 21,57 Prozent des Kapitals wäre Enel der größte Aktionär bei Endesa. Analysten halten es für möglich, dass die Italiener sich mit dem spanischen Baukonzern Acciona Chart zeigen verbünden, der rund 21 Prozent der Endesa-Aktien hält und ebenfalls gegen die Übernahme durch E.on ist. Zu der Front könnten noch die Caja de Madrid mit ihren zehn Prozent und die öffentliche Holding Sepi mit zwei Prozent stoßen - zusammen wären das weit mehr als 50 Prozent der Anteile. Voraussetzung für eine Übernahme durch E.on ist die Zustimmung von 50,01 Prozent des Kapitals.

wal/AFP



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