Übernahmepoker um Scania VW steigt auch bei MAN ein

Im Poker um die Übernahme des schwedischen Lkw-Herstellers Scania hat Volkswagen die Initiative ergriffen: Der Scania-Großaktionär hat nun auch 15 Prozent von MAN übernommen. VW-Chef Pischetsrieder will so seinen Einfluss sichern.


Wolfsburg - "Das Vorgehen von Volkswagen ist in keinerlei Hinsicht als unfreundlich beabsichtigt", teilte der Autobauer mit, nachdem er 15,06 Prozent Anteile am Maschinen- und Nutzfahrzeugbauer MAN übernommen hatte. Und: "Eine vollständige Übernahme von MAN ist nicht beabsichtigt."

Lkw von Scania: Volkswagen versichert, der Einstieg bei MAN sei nur ein Schritt zu einer "freundlichen und gemeinsam erarbeiteten Lösung zur Erreichung von Synergien"
DDP

Lkw von Scania: Volkswagen versichert, der Einstieg bei MAN sei nur ein Schritt zu einer "freundlichen und gemeinsam erarbeiteten Lösung zur Erreichung von Synergien"

Tatsächlich will VW-Konzernchef Bernd Pischetstrieder wohl dafür sorgen, dass VW bei einer Übernahme von Scania durch MAN einen möglichst großen Einfluss auch im neuen Konzern behält. Derzeit ist VW schon größter Scania-Aktionär.

Offiziell hatte VW bisher das Übernahmeangebot von MAN für Scania abgelehnt. Doch hinter verschlossenen Türen wurde weiter verhandelt. Einem früheren "Handelsblatt"-Bericht zufolge wurden dabei etwa Szenarien diskutiert, die die Übernahme im Gegenzug zu 20 Prozent der Aktien des neuen Konzerns für VW möglich gemacht hätte. Ein mögliches Szenario sei, dass VW die bisherigen Scania-Offerte für MAN nun doch annimmt, das neue Unternehmen anschließend das brasilianische Nutzfahrzeug-Geschäft kauft und VW dafür Aktien des neuen Unternehmens bekommt.

Bisher hat MAN rund 9,6 Milliarden Euro für Scania geboten. Nach den bisherigen Verhältnissen hätte das für VW einen Anteil von 14 Prozent am neuen Unternehmen bedeutet. Pischetsrieder war hinter vorgehaltener Hand auch schon als künftiger Aufsichtsratsschef gehandelt worden - bei Scania ist er schon oberster Aufseher.

Nun hat VW selbst die Initiative ergriffen, um seinen Einfluss vor der Übernahme abzusichern. So wird der Einstieg bei MAN von VW auch als Schritt zu einer "freundlichen und gemeinsam erarbeiteten Lösung zur Erreichung maximaler Synergien" begründet. "Angesichts von Hinweisen im Markt auf einen unfreundlichen Übernahmeversuch durch Dritte ist diese Beteiligung an MAN zur Sicherung der Interessen von Volkswagen erforderlich."

Der Münchener MAN-Konzern zeigte sich erfreut über das VW-Engagement. "MAN begrüßt Volkswagen als strategischen Aktionär und wertet dies als positiven Schritt im Zusammenhang mit dem Angebot für Scania", sagte ein Sprecher des Münchener Unternehmens.

Allzugroßen Hoffnungen versetzte VW aber gleich einen Dämpfer. "Die von MAN vorgeschlagenen Eckdaten der Transaktion spiegeln nach unserer Ansicht nicht den fairen Wert der Stimmrechte und des Kapitalanteils von Volkswagen an Scania wider", hieß es in der heutigen Mitteilung. Um mögliche Synergien "zügig realisieren zu können, ist es jedoch notwendig, dass die beiden Managementteams in einem kooperativen Umfeld zusammenarbeiten. Jede feindliche Übernahme ist nach unserer Meinung dafür nicht förderlich".

ase/AP/dpa/Dow Jones



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