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Überraschender Abgang: Premiere-Chef Kofler wirft hin

Premiere-Chef Kofler nimmt seinen Hut: Der Chef des Bezahlsenders gibt seinen Posten auf - und zwar bereits zum 31. August. Der Abgang kommt überraschend.

München - Es war offenbar Georg Koflers eigene Entscheidung: Der Premiere-Chef habe den Aufsichtsrat um die vorzeitige Auflösung seines Dienstvertrags gebeten, erklärte der Bezahlfernsehsender heute. Die Vereinbarung sei gestern unterschrieben worden. Neuer Chef werde Finanzvorstand Michael Börnicke. Kofler habe sich in der vergangenen Woche über die Börse von seinen Premiere-Aktien in Höhe von 1,25 Prozent des Grundkapitals getrennt.

Premiere-Chef Kofler: Er bat um die vorzeitige Auflösung seines Vertrags
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Premiere-Chef Kofler: Er bat um die vorzeitige Auflösung seines Vertrags

Der Abgang kommt vollkommen überraschend. Denn das angeschlagene Unternehmen schien gerade zumindest wieder einigermaßen auf Kurs zu kommen: Konkurrent Arena, der Kofler die Rechte zur Bundesliga-Übertragung in einem Bieterverfahren weggeschnappt hatte, hat inzwischen aufgegeben und die begehrte Lizenz an Premiere Chart zeigen weitergereicht. Kofler war sogar schon wieder in die Offensive gegangen - und hatte wieder einmal gegen die ARD-"Sportschau" gewettert. Fußball dürfe im frei empfangbaren Fernsehen am Samstag erst von 22 Uhr an gezeigt werden, forderte der Premiere-Chef vor einigen Tagen lautstark.

Doch nun will Kofler offenbar etwas ganz anderes machen: Die Entscheidung, Premiere zu verlassen, beruhe ausschließlich auf seiner "persönlichen Lebensplanung". Er wolle als führender Gesellschafter eine Unternehmensgruppe aufbauen, die sich in ausgewählten Wachstumsmärkten positioniert, "allerdings nicht in der Medienbranche", wie er betonte. Es sei Zeit für einen "Themenwechsel".

Kofler ist seit 2002 Premiere-Chef - damals gehörte der Sender noch zum Medienimperium von Leo Kirch. Kofler gelang es, die Geschäfte bei Premiere auch während des Zusammenbruchs der Kirch-Gruppe zu stabilisieren und einen neuen Haupteigentümer zu finden. Im Februar 2003 übernahm der Investor Permira 65,1 Prozent der Anteile. Weitere Anteilseigner wurden die Bayerische Landesbank und die HypoVereinsbank Chart zeigen, beides Gläubiger des Unternehmens. Kaufpreis wurde keiner bezahlt, doch die neuen Eigentümer stellten dem hoch verschuldeten Unternehmen 220 Millionen Euro frisches Kapital zur Verfügung. Kofler sanierte darauf hin radikal, baute 800 Stellen von 2500 ab und senkte die jährichen Kosten um fast 500 Millionen Euro. Im April 2005 ging Premiere unter seiner Führung an die Börse.

Die ersten Jahre Koflers waren durchaus erfolgreich: Von 2003 bis 2005 stieg der Umsatz von Premiere von 919 auf 1,1 Milliarden Euro. 2005 machte das Unternehmen erstmals einen Gewinn von 49 Millionen Euro. Die Zahl der Abonnenten stieg 2006 auf 3,4 Millionen. Doch dann kam der Verlust der Bundesligarechte - und Premiere schlitterte in eine tiefe Krise.

Nachdem diese nun überwunden sei, sei der Zeitpunkt für seinen Ausstieg genau richtig, sagt Kofler. "Nach dem erfolgreichen Vertragsabschluss mit Arena beginnt für Premiere eine neue Entwicklungsphase."In den kommenden Monaten würden wichtige Rechtepakete auf den Markt kommen, so der 50-Jährige. Es gehe um Vertragslaufzeiten bis 2012 oder länger, entsprechend langfristig seien strategische Weichenstellungen zu entwickeln, erläuterte er. "Ich habe für mich die Entscheidung getroffen, dass ich für einen solchen Zeithorizont nicht mehr für die Vorstandsarbeit bei Premiere zur Verfügung stehe. Ich denke, dass der Zeitpunkt für einen Führungswechsel bei Premiere jetzt richtig ist." An der Börse wird das offenbar anders gesehen: Der Premiere-Aktienkurs sank nach der Nachricht um 1,88 Prozent auf 18,25 Euro.

ase/dpa-AFX

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