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Ukraine vs. Gasprom: USA schalten sich in Gasstreit ein

Der Zwist um Gaslieferungen in die Ukraine ruft jetzt auch die Vereinigten Staaten auf den Plan. Angesichts des Lieferstopps durch den russischen Energiekonzern Gasprom fordern sie neue Gespräche - die EU zeigt sich sehr besorgt.

Washington/Hamburg/Moskau/Kiew - Die USA haben mit Besorgnis auf den Stopp der russischen Gaslieferungen an die Ukraine reagiert. Washington rufe die Beteiligten dazu auf, die Gespräche über eine beständige Einigung wiederaufzunehmen, erklärte das US-Außenministerium am Donnerstag. Eine Einigung solle eine zuverlässige Gaslieferung an die Ukraine und Europa sicherstellen.

Gasförderung bei Gasprom: USA und EU fordern Ende des Lieferstopps in die Ukraine
REUTERS

Gasförderung bei Gasprom: USA und EU fordern Ende des Lieferstopps in die Ukraine

Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso forderte beide Länder dazu auf, ihre Verlässlichkeit als Energielieferanten der Europäischen Union unter Beweis zu stellen. Er hoffe, dass die Verhandlungen über eine Lösung des Vertragsstreits fortgesetzt würden, sagte Barroso dem "Hamburger Abendblatt". Es sei "sowohl im Interesse der Ukraine als auch Russlands", als verlässlicher Lieferant der EU zu gelten.

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin und seine ukrainische Kollegin Julia Timoschenko hätten ihm in Telefonaten versichert, dass es "keine Auswirkungen auf Gaslieferungen an die EU" geben werde, sagte Barroso weiter. Gleichwohl werde die Union die Lage besonders an den Eingangspunkten der Gas-Pipelines zur EU "sehr genau" beobachten.

Russland hatte im Gasstreit mit der Ukraine am Donnerstag wie angedroht den Hahn zugedreht. Die Versorgung sei mit Auslaufen des alten Gasvertrags eingestellt worden, teilte der staatliche Gaskonzern Gasprom mit.

Eine Einigung zeichnete sich am späten Donnerstag noch nicht ab. Die Ukraine erklärte sich zwar bereit, unter Umständen zur Zahlung von 235 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas aus Russland bereit zu sein. Gasprom hob seine bisherige Forderung aber von 250 auf 418 Dollar an. Bislang zahlte die Ukraine 179,50 Dollar. Neben dem Gaspreis streiten beide Seiten auch über die Gebühren, die Russland an die Ukraine für die Durchleitung des Brennstoffs nach Westeuropa zahlt.

In Europa wächst nun die Sorge, dass Transit-Gas von der Ukraine als Faustpfand in dem Streit eingesetzt und abgezapft werden könnte. Europa bezieht etwa ein Fünftel seines Gases über die Pipeline in der Ukraine. In Deutschland deckt russisches Gas 37 Prozent des Bedarfs. Bislang versichern deutsche Versorger, dass Russlands Gasblockade gegen die Ukraine deutsche Verbraucher nicht betrifft.

Westeuropa und damit Deutschland werde der Lieferstopp nicht betreffen, erklärte gleichwohl Gasprom. "Wir werden Europa weiterhin voll beliefern", versicherte der Konzern. Auch die Ukraine sagte die Durchleitung des Gases weiter zu. Zugleich bat sie aber die EU um Vermittlung im Streit.

Nach Ansicht der deutschen Energiewirtschaft ist es "nicht denkbar", dass Gasprom wie im Fall der Ukraine deutsche Lieferungen kappt. Das sagte ein Sprecher des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft der in Erfurt erscheinenden "Thüringer Allgemeinen". Die deutschen Ferngasgesellschaften hätten mit ausländischen Lieferanten Verträge, die teilweise bis in das Jahr 2035 reichten, sagte der Sprecher. "Beide Seiten sind dabei sehr an verlässlichen Lieferbedingungen interessiert." Während der bis heute 35 Jahre währenden russischen Gaslieferungen an die Bundesrepublik sei "nie eine Unzuverlässigkeit" aufgetreten.

suc/AFP/dpa-AFX/Reuters

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