SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

17. März 2014, 18:26 Uhr

Verzicht auf Revision im Fall Hoeneß

Bequem für alle

Ein Kommentar von

Weihnachten wieder zu Hause: Diese Rechnung könnte für Uli Hoeneß aufgehen, nachdem nun auch die Staatsanwaltschaft auf eine Revision im Steuerverfahren verzichtet hat. Der kurze Prozess ist für alle Beteiligten die bequemste Lösung.

Man hätte es ahnen können. Am Tag des Urteils - es war der vergangene Donnerstag - betraten die Verteidiger Uli Hoeneß' und Staatsanwalt Achim von Engel vor den Plädoyers erstmals zusammen den Gerichtssaal im Münchner Justizpalast. Die Juristen hatten bereits ihre schwarzen Roben angelegt, man hatte offensichtlich miteinander gesprochen. Diese augenfällige Eintracht musste einen Grund haben. Der ist jetzt klar.

Die Strafsache Hoeneß ist nicht nur zügig verhandelt worden, sondern sie hat auch in Höchstgeschwindigkeit Rechtskraft erlangt, nachdem die Verteidigung am Freitag, einen Tag nach dem Urteil, und die Staatsanwaltschaft am Montag auf Rechtsmittel verzichtet haben (lesen Sie dazu auch die Titelgeschichte im SPIEGEL). Das kommt nicht nur Hoeneß zugute. Der kann nun, nach dem Rücktritt von seinen Ämtern bei Bayern München, sein Leben neu ordnen und darf auf eine voraussichtlich recht überschaubare "Grundsitzzeit" hoffen, wie das in Bayern heißt. Er muss überdies nicht länger bangen, dass ihm die Justiz auf unabsehbare Zeit nachstellt.

Sollte er die Haft in Landsberg antreten müssen, käme er in ein Gefängnis, in dem vor allem Ersttäter, und nicht gewohnheitsmäßige Schwerverbrecher ihre Haft verbüßen. Und das im Vergleich zu manch anderen bayerischen Vollzugsanstalten in gutem Ruf steht. Weihnachten wird er voraussichtlich als Freigänger schon zu Hause verbringen können.

Verzichten Verteidigung und Staatsanwaltschaft auf Rechtsmittel gegen ein Urteil, das auf einem Geständnis fußt, freuen sich erfahrungsgemäß auch die Richter. Denn dann können sie sich kurz fassen mit der schriftlichen Begründung. Sie müssen dem Bundesgerichtshof nicht einen möglichst fehlerlosen und detailreichen, weil nachvollziehbaren, Urteilstext vorlegen, sondern können sogleich auf eine Vollstreckung hinwirken, die dem Verurteilten schnellstens den Weg zurück in die Gesellschaft ebnet - gerade bei einer Person des öffentlichen Lebens wie Uli Hoeneß.

Außerdem, und daran wird der Ex-Bayern-Präsident womöglich noch gar nicht gedacht haben: Müsste sich der Bundesgerichtshof jetzt zu all jenen Fragen äußern, die sich im Zusammenhang mit der strafbefreiten Selbstanzeige in Steuersachen stellen, ginge der Prozess für alle Zeiten als "Fall Hoeneß" in die wissenschaftliche Literatur ein. Generationen von Juristen hätten sich dann fortan mit ihm zu beschäftigen gehabt. Dazu wird es nun nicht kommen. Ein weiteres Hindernis auf dem Weg zu Hoeneß' gelungener Resozialisierung ist somit aus dem Weg geräumt.

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung