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Umfrage: Zwei Drittel der Deutschen sehen schwarz für die Konjunktur

So pessimistisch waren die Deutschen lange nicht mehr: Laut einer Umfrage glauben 63 Prozent, dass es mit der Wirtschaft bergab geht. Der Bankenverband warnt vor einer monatelangen Krise, Ökonomen erwarten eine tiefe Konjunkturdelle.

Hamburg - Die weltweite Wirtschaftskrise ist in den Köpfen der Deutschen angekommen: Eine große Mehrheit sieht für die Konjunktur so schwarz wie lange nicht mehr. Dies ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des "Stern" und des Fernsehsenders RTL.

Stahlrollen (bei Salzgitter): Steigende Rohstoffpreise treiben Inflation an
DPA

Stahlrollen (bei Salzgitter): Steigende Rohstoffpreise treiben Inflation an

Fast zwei Drittel der Bürger (63 Prozent) antworteten auf die Frage, wie sich ihrer Meinung nach die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland entwickeln werden, dass es bergab gehen werde. Das ist der schlechteste Wert, der seit 1997 gemessen wurde. Anfang des Jahres hatten nur 40 Prozent der Bürger an eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage geglaubt.

Nun sind nur noch 14 Prozent der Deutschen optimistisch und glauben, dass es künftig bergauf gehen werde. Für die Umfrage wurden 2501 Bürger befragt.

Neue Nahrung erhält der Pessimismus von Experten aus der Wirtschaft. So rechnet der Bundesverband deutscher Banken (BdB) angesichts der Finanzkrise und der hohen Inflation erst im kommenden Jahr mit einer Stabilisierung der konjunkturellen Situation. Derzeit werde die Wirtschaft von verschiedenen Kräften in die Zange genommen, sagte BdB-Volkswirt Volker Hofmann der "Berliner Zeitung".

"Neben der Finanzkrise und der schwachen US-Wirtschaft treiben die steigenden Rohstoffpreise die Inflation an." Auch die Finanzkrise werde sich "noch einige Monate" fortsetzen, sagte Hofmann. Bis dahin werde sich die Weltwirtschaft merklich abkühlen. Zu einer Stagflation, also einer stagnierenden Wirtschaft bei gleichzeitig hoher Inflation wie in den siebziger Jahren, werde es aber nicht kommen.

Auch nach Einschätzung des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Instituts (HWWI) wird die Finanzkrise in den USA weltweit tiefe Spuren hinterlassen. "Die konjunkturelle Schwäche wird sich auch auf Europa und Asien auswirken. Der Dollar wird in der nächsten Zeit schwach bleiben oder sogar noch schwächer werden", sagte HWWI-Direktor Thomas Straubhaar dem "Hamburger Abendblatt".

"Der hohe Euro macht die deutschen Exporte weltweit teurer und erschwert den Absatz unserer Produkte im Ausland." Deutschland werde die Krise spätestens im nächsten Jahr durch ein geringeres Wachstum von maximal "nur wenig mehr als einem Prozent" spüren. Ein Ende der amerikanischen Konjunkturschwäche sei derzeit nicht absehbar, sagte Straubhaar. Die USA hätten jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt.

USA verschärfen Finanzkontrolle

In den USA zieht die Börsenaufsicht SEC aus den jüngsten Finanzturbulenzen nun Konsequenzen: Sie will das Spekulieren auf fallende Aktienkurse einschränken. Für den Handel mit den massiv unter Druck geratenen Titeln der Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac Chart zeigen sowie der US-Investmentbanken sollen vorerst verschärfte Regeln gelten. Das kündigte SEC-Chef Christopher Cox vor dem Bankenausschuss des US-Senats an.

Kritiker hatten immer wieder beklagt, dass Spekulanten durch Wetten auf fallende Kurse die Notierungen zusätzlich nach unten treiben. Die SEC nimmt nun besonders die immer mehr verbreitete Praxis der Leerverkäufe (shortselling) ins Visier. Dabei verkaufen Investoren Aktien, die sie gar nicht besitzen, sondern sich nur von Dritten gegen Gebühr ausleihen. Sie hoffen dann auf fallende Kurse, um die Titel billiger zurückerwerben und dem Ausleiher wiedergeben zu können. Die Differenz zwischen den Preisen streichen sie als Gewinn ein.

Bisher durften sich mehrere Investoren sogar zeitgleich dieselben Aktien ausleihen. Genau dies soll nun zunächst bei den Aktien von Fannie Mae und Freddie Mac sowie bei Investmentbanken verboten werden. Die SEC erwäge aber auch, die Beschränkungen auf alle Aktien auszudehnen. Dadurch soll der Umfang der Leerverkäufe sinken.

Die Börsenpolizei untersucht derzeit, ob die massiven Kurseinbrüche etwa bei der inzwischen an JP Morgan verkauften Investmentbank Bear Stearns Chart zeigen und zuletzt bei Lehman Brothers Chart zeigen durch missbräuchliche Handelspraktiken beschleunigt wurden.

wal/ddp/Reuters/dpa-AFX

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