Umstrittene Adoption Lesbisches Ex-Paar streitet um IBM-Vermögen

Pikanter Familienzwist: Als Ehen zwischen Schwulen und Lesben noch undenkbar waren, traf die Enkelin des IBM-Gründers eine kuriose Entscheidung - und adoptierte ihre Lebensgefährtin. Die beiden trennten sich vor Jahren, nun streiten sie um das Erbe. Der Fall beschäftigt gleich mehrere US-Gerichte.

Von , New York


Sie verliebten sich zu einer Zeit, da gleichgeschlechtliche Ehen in den USA noch tabu waren. Es war 1978, als sich Patricia Spado und Olive Watson kennenlernten. Obwohl sie vorher an entgegengesetzen Ecken des Landes lebten, zogen sie sofort zusammen. Spado, damals 31, ließ in Kalifornien alles zurück, und baute mit Watson, damals 30, eine gemeinsame Existenz an der US-Ostküste auf.

IBM-Chef Thomas J. Watson Jr. (1956): Seine Enkelin streitet vor Gericht ums Millionenerbe
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IBM-Chef Thomas J. Watson Jr. (1956): Seine Enkelin streitet vor Gericht ums Millionenerbe

Es war eine schöne Existenz. Watson ist die Enkelin von Thomas Watson, dem Mann, der einst den Computerkonzern IBM gegründet hatte. Ihr Vater, Thomas Watson Jr., war ebenfalls 20 Jahre lang Präsident von IBM und wurde später US-Botschafter in der Sowjetunion. Das Frauenpaar verbrachte seine Zeit auf den Anwesen der Watsons in New York und Connecticut und im Sommer in Maine, wo der Millionärsclan auf einer rauen Felsinsel einen spektakulären Landsitz besitzt.

Drei Jahrzehnte später ist die - seither längst gescheiterte - Beziehung der Frauen plötzlich zu einem der pikantesten Gesprächsthemen in New York geworden, auch an der Wall Street. Denn im Mittelpunkt steht die Hinterlassenschaft der IBM-Dynastie: Es geht um Abermillionen Dollar, um den Geldwert gleichgeschlechtlicher Liebe - und eine bizarre, doch gerichtlich sanktionierte Pseudoadoption. Wieder beschäftigt der Fall die Gerichte.

Spado und Watson konnten damals zwar nicht heiraten, doch sie lebten wie ein Ehepaar. In den insgesamt 14 Jahren, die sie zusammen waren, verbrachten sie nach eigener Darstellung nur fünf Nächte getrennt. Sie teilten sich Immobilien und Bankkonten, traten auf Familienfesten als Paar auf, hatten einen gemeinsamen Hund. Watson ernannte Spado sogar per Testament zu ihrer Alleinerbin.

Um diesen Erbanspruch auch noch gesetzlich abzusichern, griffen die Freundinnen schließlich zu einem ungewöhnlichen Schritt: Watson adoptierte Spado 1991. Es war, mangels anderer Formen der Gleichstellung, die einzige legale Möglichkeit, einen schwulen oder lesbischen Hinterbliebenen davor zu schützen, von der Familie vom Erbe ausgeschlossen zu werden. Ein Gericht in Maine gab der Adoption statt, obwohl der Hintersinn augenfällig war.

Nicht mal ein Jahr später trennten sich die Frauen. Watson - deren eigenes Vermögen sich damals Gerichtsakten zufolge auf rund zehn Millionen Dollar belief - zahlte Spado 500.000 Dollar. Damit hätte die Sache eigentlich erledigt sein sollen und war es auch - vorerst.

Thomas Watson Jr. - der nichts von der Adoption Spados wusste - starb 1993, seine Frau, die auch Olive hieß, lebte bis 2004. Sie hinterließ das in einer Stiftung gesammelte Familienerbe ihren 18 Enkelkindern, darunter zwei Jungen, die ihre Tochter Olive Watson nach der Trennung von Spado adoptiert hatte.

Woraufhin Letztere plötzlich wieder aus der Versenkung auftauchte: Dank der Adoption von 1991 sei sie das 19. Enkelkind und habe Anrecht auf einen Anteil an dem Millionentopf.



insgesamt 6 Beiträge
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realredfox, 27.07.2009
1. Dazu fällt mir spontan nur eine Sache ein...
... Duuuuurch Liiiiiebe und Schmeeeeeeerz wird in guuuuuten und in schleeeeeeechten Zeiten dein Schicksaaaaaaaal bestiiiiiiiiiimmt....
Schlüssel, 27.07.2009
2. Tja!
Tja! Man sollte schon wissen in was man investiert bzw. wo man seine Finger und sein Geld reinschiebt. Mir kommt da spontan ein Film in den Sinn mit dem Titel: Denn Sie wissen nicht was sie tun!
mige, 27.07.2009
3. zahlen Frau Watson
Der Oberste Gerichtshof die Adoption sei völlig rechtens gewesen, dann müssen doch wohl einige Millionen durch 19 geteilt werden - zu recht. Als Aktivistin für gleichgeschlechtliche Ehen ist die Frau Watson wohl nicht die richtige Kandidatin, sie weiss offensichtlich nicht um was es bei diesem Thema geht. Ein kleiner "Ehevertrag" so nebenbei wäre vielleicht sinnvoll gewesen...
HomoBadensis 27.07.2009
4. Wirtschaftsnachricht?
Würde ich eher unter "Klatsch und Tratsch" einordnen.
Schwencky, 27.07.2009
5. Raffgier und sonst nichts
Zitat von migeDer Oberste Gerichtshof die Adoption sei völlig rechtens gewesen, dann müssen doch wohl einige Millionen durch 19 geteilt werden - zu recht. Als Aktivistin für gleichgeschlechtliche Ehen ist die Frau Watson wohl nicht die richtige Kandidatin, sie weiss offensichtlich nicht um was es bei diesem Thema geht. Ein kleiner "Ehevertrag" so nebenbei wäre vielleicht sinnvoll gewesen...
das ist ja so nicht korrekt!!!! Wäre eine gleichgeschlechtliche Ehe möglich gewesen, dann wären sämtliche Ansprüche mit der Trennung untergegangen. Frau Watson hat also damals eine "Trennungsentschädigung" gezahlt, die Sie nicht hätte zahlen müssen, eben weil man sich von seinen Kindern nicht trennen kann. Die "ExFrau" ist also nur durch einen juristischen Winkelzug nun noch Miterbe des Vermögens. Ziel des Manövers war ja nicht der Erhalt von Erbansprüchen nach einer Trennung, sondern für den Todesfall zum Schutze gegen die restliche Familie. Vieleicht entspricht es formaljuristisch dem Gesetz, dass Frau Watson nun zahlen muss (eben weil man sich von seinen Kindern nicht trennen kann), aber es ist sicherlich nicht im Sinne des Gewollten. Kein Mensch hat Interesse daran seinem ExPartner die Kohle auch noch Jahrzente nach der Trennung hinterher zu werfen. In Deutschland völlig undenkbar, da ist maßgeblich das Vermögen zum Zeitpunkt der Trennung (und nicht der Tot des Familienpatriarchen). Hier sind doch nur wieder raffgierige Menschen am Werk, die den Hals nicht voll bekommen. Hätte es eine gleichgeschlechtliche Ehe geben, dann müsste Frau Watson nichts bezahlen ud das würde auch dem Vereinbarten entsprechen.
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