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Umstrittene Medikamenten-Tests: Nigeria verklagt Pfizer auf Milliardensumme

Die nigerianische Regierung verklagt Pfizer auf insgesamt sieben Milliarden Dollar: Der Pharma-Riese soll illegale Arzneimittel-Tests mit Kindern durchgeführt haben - mit verheerenden Folgen. Pfizer weist die Vorwürfe scharf zurück.

New York/Abuja - Nigeria wirft dem Pharmakonzern Pfizer vor, während einer Meningitis-Epidemie 1996 im Bundesstaat Kano das damals noch nicht zugelassene Antibiotikum Trovan ohne Zustimmung der zuständigen nigerianischen Behörden an Kindern getestet zu haben. In der Folge seien Kinder gestorben, andere hätten gravierende körperliche und geistige Behinderungen davon getragen. Nun fordert der Staat Nigeria vor dem Obersten Gericht des Landes insgesamt sieben Milliarden Dollar Schadenersatz. Das bestätigten Regierungsvertreter in der Hauptstadt Abuja. Eine erste Anhörung in der Sache wurde heute auf den 4. Juli vertagt.

Pfizer-Firmenschild (in Frankreich): Das Pharmaunternehmen weist die Vorwürfe als "unwahr" zurück
AFP

Pfizer-Firmenschild (in Frankreich): Das Pharmaunternehmen weist die Vorwürfe als "unwahr" zurück

Pfizer weist die Vorwürfe als "schlicht unwahr" zurück. Der Konzern erklärt, die umstrittenen Tests seien mit "voller Kenntnis der nigerianischen Regierung" durchgeführt worden. Auch die Eltern der Kinder seien informiert worden und hätten der Verabreichung des Medikaments in einem Vertrag zustimmen müssen. Sie seien in Englisch und in der örtlichen Sprache Haussa aufgeklärt worden.

Die Klage der Regierung Nigerias kommt nur wenige Tage, nachdem schon der nigerianische Bundesstaat Kano Strafantrag gegen Pfizer gestellt und 2,75 Milliarden Dollar Schadenersatz gefordert hat. In der dabei vor einem Gericht in der gleichnamigen Stadt Kano vorgelegten Anklageschrift heißt es, Wissenschaftler hätten für die Pfizer-Studie 200 Kinder ausgesucht. Die Hälfte sei mit Trovan behandelt worden, die andere Hälfte habe ein anderes Medikament bekommen. Elf an Meningitis erkrankte Kinder sollen laut dieser Schrift infolge der Tests gestorben sein. Viele weitere Kinder hätten dauerhafte körperliche oder geistige Schäden davon getragen.

Pfizer teilte mit, bei Ausbruch der Epidemie in Kano sei das Medikament in der letzten Phase seiner Entwicklung gewesen. Bereits 5000 Patienten hätten es damals schon getestet. Ob unter den Probanden auch Kinder waren, konnte der Konzern auf Nachfrage bislang nicht sagen.

2001 hatten mehrere Teilnehmer der Kano-Studie und Angehörige bereits vor einem Bundesgericht in Manhattan gegen Pfizer Klage eingereicht. Nachdem die erste Instanz die Klage abgewiesen hatte, ist nun die Berufung anhängig.

Die Nachrichtenagentur AP berichtet, dass religiöse Führer in dem hauptsächlich islamisch geprägten Bundesstaat Kano die Diskussion um die Medikamententests und deren vermeintliche Folgen für ihre Verschwörungstheorien über eine US-geführte Verschwörung gegen das Land nutzten.

ase/AP/dpa-AFX/Reuters

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