Umstrittener Billiganbieter McPflege stellt urplötzlich Betrieb ein

Zehn Tage nach dem Start ist wieder Schluss: Der Discount-Pflegedienstleister McPflege hat sein Geschäft aufgegeben. Mit osteuropäischem Personal wollte das Unternehmen Pflege "ab zwei Euro pro Stunde" anbieten - Kritiker sprachen von "moderner Sklaverei".


Bremen - Plötzlich stand heute auf der zuvor sehr umfangreichen Website von McPflege nur eine kurze, kryptische Meldung: "Projekt beendet, gesellschaftspolitische Diskussion um die Pflegesituation in Deutschland angestoßen". Später hieß es: "Aufgrund der vielen negativen Reaktionen auf unsere Hilfe orientierte Idee ziehen wir nun jedoch die Konsequenz und ziehen uns aus dem Markt zurück." Die Pflegesituation in Deutschland sei ein Problem, dessen sich McPflege ernsthaft angenommen habe. "Wir sind nicht länger bereit, im Brennpunkt der Diskussion zu stehen. Dennoch hoffen wir, dass McPflege einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der Pflege geleistet hat." Damit geht eins der am meisten umstrittenen Projekte im Pflegebereich zu Ende, das eigentlich noch nicht einmal richtig angefangen hatte.

McPflege hatte nach eigenen Angaben bundesweit osteuropäisches Pflegepersonal für 24-Stunden-Betreuung ab zwei Euro pro Stunde vermitteln wollen. Die Betreuung solle die Pflege-Sachleistungen der anerkannten und von den Pflegekassen bezahlten Pflegedienste nicht ersetzen, sondern ergänzen, hieß es auf den Internet-Seiten der Anbieter. Die Firma hatte ursprünglich angekündigt, ab dem 1. August mit Filialen in Bremen und in der Nähe von Cloppenburg starten zu wollen. Das Angebot löste eine Diskussion über die Kosten der Pflege in Deutschland aus. Gewerkschaften und Pflegeverbänden kritisierten das Konzept von McPflege heftig.

Angeblich waren 18 weitere Niederlassungen in Planung

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) in Berlin hatte das McPflege-Angebot als "moderne Sklaverei" kritisiert. Auch der Deutsche Pflegerat lehnte das Modell ab.

Das frühzeitige Ende des Unternehmens kommt dennoch überraschend. Noch in der heutigen Ausgabe der "Bremer Nachrichten" hatte sich Firmengründer Norbert Meiners ausführlich zu den Zielen und Expansionsplänen von McPflege geäußert. Demnach sollten noch in diesem Jahr 18 weitere Niederlassungen eröffnet werden. Meiners flog dem Blatt zufolge gestern nach Ungarn, um mit Firmen über Personal für McPflege zu verhandeln. Heute war er für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Ein Sprecher einer bundesweit tätigen Unternehmensgruppe für Bürodienstleistungen sagte unterdessen, McPflege hätte Flächen in einem Gebäude am Bremer Flughafen angemietet und Geld gezahlt. Außerdem habe man für das Unternehmen in den vergangenen Tagen zahlreiche Anrufe insbesondere von Medien entgegengenommen und per E-Mail weitergeleitet. Im Übrigen sei man über die Aktivitäten der Firma nicht unterrichtet. Ein Firmenschild fand sich unter der angegebenen Adresse nicht. Eine Mitarbeiterin des Unternehmens bestätigte jedoch die Nachricht auf der Webseite: Das Geschäft sei eingestellt, erklärte sie auf Anfrage.

tno/AFP/AP



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