Umweltschutz EU erwägt Verbot von Plastiktüten

Jeder EU-Bürger verwendet im Jahr 500 Plastiktüten, ein riesiger Haufen Müll. Die Europäische Union will die Wegwerfmentalität nun eindämmen und die Tragetaschen besteuern - oder sogar ganz verbieten.

Mann mit Plastiktüten: Praktisch für den Menschen, ein Graus für die Umwelt
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Mann mit Plastiktüten: Praktisch für den Menschen, ein Graus für die Umwelt


Brüssel - Sie ist praktisch, aber ein Graus für die Umwelt. Oft wird die Plastiktüte nur für den Heimweg vom Supermarkt nach Hause benötigt, doch danach kann es Hunderte Jahre dauern, bis sie verrottet.

Die EU will nun die enorme Umweltbelastung durch die Polyethylenbeutel reduzieren. "Wir prüfen dazu alle Möglichkeiten, auch ein EU-weites Verbot", erklärte Umweltkommissar Janez Potocnik. Langfristig könnte die Plastiktüte also vor dem Aus stehen.

Der Weg dahin ist allerdings noch lang. Zunächst sind EU-Bürger und Vertreter der Verpackungsindustrie aufgefordert, ihre Meinung in einer Online-Befragung kundzutun. Auf diesem Weg will die Kommission herausfinden, ob es sinnvoller wäre, Plastiktüten zu besteuern oder sie doch ganz zu verbieten.

Ein Verbot müsste von den EU-Mitgliedsländern unterstützt werden. Ob alle mitziehen, ist jedoch ungewiss. Während beispielsweise Österreich für ein Plastiktütenverbot eintritt, sieht Deutschland bisher keinen akuten Handlungsbedarf.

Einfach den Einkaufskorb mitnehmen

Doch Potocnik nennt alarmierende Zahlen: Ein EU-Bürger verwende pro Jahr im Durchschnitt 500 Plastiktragetaschen - die meisten nur ein einziges Mal. Allein im Mittelmeer trieben derzeit rund 250 Milliarden Kunststoffteilchen mit einem Gesamtgewicht von 500 Tonnen. Und bis zu ihrer Zersetzung könne es Jahrhunderte dauern.

In einigen Mitgliedstaaten gehen die Behörden schon mit Abgaben oder Teilverboten gegen Plastiktüten vor. In Deutschland regelt die Verpackungsverordnung, dass die Hersteller der Tüten ins Duale System einzahlen. Das führt zu Preisen von bis zu 30 Cent pro Plastikbeutel - und zu einer Verwertungsquote von 70 Prozent. Die "Verbrauchsquote" liegt mit 65 Tüten pro Bürger pro Jahr deutlich unter dem EU-Durchschnitt.

Zudem schneiden in einer Studie des Bundesumweltamtes die umstrittenen Tragetaschen im Vergleich zu Papiertüten gar nicht so schlecht ab, wenn auch der Energieverbrauch bei der Herstellung berücksichtigt werde.

Potocnik sähe es trotzdem am liebsten, wenn die Europäer beim Einkauf auf Plastiktüten verzichten würden - und stattdessen einen Einkaufskorb mit in den Supermarkt nehmen.

seh/dapd

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insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
janne2109 18.05.2011
1. 500
500 Tüten pro Jahr? Ich verbrauche wesentlich weniger, man haben die Bürger ein Geld, kein Wunder das vom wirtschaftliche Aufschwung die Rede ist. Geht auch, ganz Amerika trägt eine braune Papiertüte und ist nicht davon unter gegangen.
Berliner-030 18.05.2011
2. ...
Ich bin kein Grüner aber ich finde den Vorschlag sehr gut. Und es ist doch jedem zuzumuten eine Stofftasche zum Einkaufen zu verwenden anstatt Plastiktüten. Und meistens landet sie, nach dem Auspacken, sofort im Müll. Ich würde ein Verbot begrüßen.
Heinz-und-Kunz 18.05.2011
3. ...
Die Europäische Transferunion sollte sich um die noch-Gemeinschaftswährung kümmern, oder giftige Energiesparlampen durch Glühbirnen ersetzen lassen. Stattdessen wollen sie Plastiktüten verbieten. Haben die Kleber aus ner Plastiktüte geschnüffelt?
ArnoNyhm1984 18.05.2011
4. traue keiner Umfrage, die Du nicht selbst gefälscht hast!
Damit mich keiner falsch versteht: Ich bin KEIN Freund von Plastiktüten und stattdessen seit Jahren schon "bekennender Jute-Sack"-Einkäufer. Trotzdem finde ich den Ansatz falsch, hier schon wieder mit Brüsseler EU-Kanonen auf Spatzen schiessen zu wollen. -Brüssel verwechselt hier mal wieder in seinem Regulierungswahn die Begriffe "Freiheit" und "Gesetzeslücke" Hier ist der Link zur Abstimmung: http://ec.europa.eu/environment/consultations/plasticbags_en.htm Wie man dort schön sieht, ist die ganze Befragung eine einzige Farce, denn der Fragebogen ist schon in die entsprechende Richtung hin getrimmt: - lauter Suggestivfragen ("..sind Sie nicht auch der Meinung, dass..") - vorgegebene Antworten, die schon implizieren, dass es eine Regulierung geben wird - wer von dem "Abnick-Pfad" des Fragebogens abweicht, in dem er deutlich mal "nein!" zu diesem Regulierungsirrsinn sagt, muss längliche Freitext-Erklärungen dazu abgeben; wer nur einfach abnickt, ist in 60sec mit dem Bogen fertig Fazit: Eine Pseudo-Befragung, deren Ergebnis schon jetzt feststeht. - Ich kann nur jedem raten, GERADE DESHALB den Fragebogen auszufüllen, auch wenn das unbequeme Neinsagen eben 5min statt 60sec dauert..
tetaro 18.05.2011
5. Riesiger Haufen?
Zitat von sysopJeder EU-Bürger*verwendet im Jahr 500 Plastiktüten, ein riesiger Haufen Müll. Die Europäische Union will die Wegwerfmentalität nun eindämmen* und die Tragetaschen aus Kunststoff*besteuern*- oder sogar ganz verbieten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,763465,00.html
Ein riesiger Haufen Müll? Ich glaube eher, 500 Tüten lassen sich in eine recht kleine Kiste hineinknautschen. Mit anderen Worten, es gibt vermutlich ca. 100000 dringendere Sachen zu erledigen und zu beschließen.
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