Unbezahlte Rechnung Bahn straft Siemens für mangelhafte Züge ab

Beim Siemens-Konzern kommt der krisengeplagte Konzernbereich Verkehrstechnik nicht zur Ruhe. Angesichts häufiger Probleme beim ICE will der Großkunde Deutsche Bahn künftig nur noch zahlen, wenn die Hightech-Züge einwandfrei funktionieren.


ICE: "Wir brauchen ein Druckmittel"
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ICE: "Wir brauchen ein Druckmittel"

München - Die Deutsche Bahn will laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" nach früheren, schlechten Erfahrungen die Rechnung für 28 ICE im Wert von 420 Millionen Euro später begleichen.

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn will sich demnach mit seinem Siemens-Kollegen Heinrich von Pierer treffen und die künftige Zusammenarbeit zwischen den beiden Konzernen grundsätzlich regeln. Das habe Mehdorn Teilen des Aufsichtsrates der Bahn bei einem Klausurtreffen mitgeteilt, heißt es in dem Bericht.

Nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen habe Mehdorn gesagt, nach teilweise schlechten Erfahrungen mit Zügen, die Siemens Chart zeigen früher geliefert habe, brauche man ein "Druckmittel". Der Bahnchef habe angekündigt, das Staatsunternehmen werde neue Züge künftig erst dann vollständig bezahlen, wenn garantiert sei, dass die Fahrzeuge einwandfrei funktionierten.

Die Bahn wollte sich nicht zum geplanten Gespräch von Mehdorn mit Pierer geäußert. Siemens wollte dazu ebenfalls keine Stellung nehmen.

Siemens-Verkehrstechnik in der Krise

Die Bahn hat bei einem von Siemens geleiteten Konsortium, dem noch die Fahrzeughersteller Alstom Chart zeigen und Bombardier Chart zeigen angehören, 28 InterCityExpress-Züge mit Neigetechnik (ICE T2) bestellt. Die ersten sechs der neuen Hochgeschwindigkeitszüge sollen schon ab dem 12. Dezember eingesetzt werden. Die restlichen 22 ICE T2 werden vom kommenden Jahr an ausgeliefert.

Der Auftrag beläuft sich nach den Angaben auf 420 Millionen Euro, wovon auf den Konzernbereich Verkehrstechnik bei Siemens 256 Millionen Euro entfallen. Der Anteil von Bombardier betrage 101 Millionen Euro, der von Alstom 63 Millionen Euro. Damit gerät der Siemens-Konzernbereich einmal mehr unter finanziellen Druck.

Zuletzt hatte eine kostspielige Konstruktionspanne bei Straßenbahnen vom Typ Combino für Schlagzeilen gesorgt und die Siemens-Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres 2003/2004 mit Rückstellungen von rund einer halben Milliarde Euro massiv belastet.

Die Verkehrstechnik machte deshalb 434 Millionen Euro Verlust. Im Jahr zuvor hatte der Konzernbereich noch einen Gewinn von 284 Millionen Euro erzielt. Vorstandschef Pierer drängt nun auf rasche Sanierungserfolge bei finanzschwachen Unternehmensteilen.

Wiederholt sorgten auch ICE-Züge von Siemens für Ärger bei der Bahn, wie es im Bericht hieß. Vor zwei Jahren habe das Unternehmen 19 Dieselzüge mit Neigetechnik vom Gleis nehmen müssen. Die Pannenhäufigkeit sei so groß gewesen, dass sie schließlich ausgemustert worden seien und nun verkauft werden sollen. Später habe auch eine Pannenserie beim ICE 3 für Schlagzeilen gesorgt. Diese Fehler sind nach Auskunft der DB aber mittlerweile behoben, wie das Blatt meldet. Die Züge verkehrten inzwischen so gut wie störungsfrei zwischen Frankfurt am Main und Köln.



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