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Unerlaubte Abbuchung: Datenschützer attackieren Banken

Von Corinna Kreiler

Ein neuer Datenschutzskandal erschüttert Deutschland. Von zahlreichen Konten wurde ohne Wissen der Besitzer Geld abgehoben. Datenschützer sehen auch bei den Banken eine Mitschuld. Die würden Abbuchungen nicht ausreichend kontrollieren.

Hamburg - Die 80-jährige Dame ist entsetzt: Sie hat kaum noch Geld auf dem Konto - dabei wurden ihr doch gerade 900 Euro Rente überwiesen. Doch nun fehlen 500 Euro. Eine dubiose Gesellschaft hatte sie abgebucht - ohne das Wissen der Seniorin.

Kopie der sichergestellten CD: Daten von 17.000 Bürgern
DPA

Kopie der sichergestellten CD: Daten von 17.000 Bürgern

Die Dame ist nur eine von 17.000 Betroffenen des jüngsten Skandals um Datenmissbrauch. Deren Adressen, Telefonnummern und Bankverbindungen waren auf einer CD, die der Verbraucherzentrale Schleswig Holstein vorlag. Die Daten seien von einer Firma in Nordrhein-Westfalen an andere Unternehmen verkauft worden, berichtet die Verbraucherzentrale.

Wie das Unternehmen an die Informationen kam, ist bislang unklar. Bereits in den vergangenen Tagen hatten jedoch als Lottogesellschaften getarnte Firmen Tausende Verbraucher angerufen und in mehreren Fällen ohne Einzugsermächtigung Geld von deren Konten abgebucht.

"Uns sind Fälle bekannt, in denen von Konten der betroffenen Verbraucher Geld abgebucht wurde, obwohl diese unmissverständlich jegliche Teilnahme an einem Glücksspiel abgelehnt hatten", sagt Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale Schleswig Holstein. Der Skandal betrifft den Verbraucherschützern zufolge Kunden aller Banken in Deutschland. Nun liegt der Fall bei der Staatsanwaltschaft.

Die Affäre zeigt: Bankkunden müssen um ihr Geld fürchten, denn einen wirksamen Schutz vor unzulässigen Abbuchungen gibt es nicht. Die zahlreichen Betrugsfälle werden durch die Banken begünstigt, bemängelt Peter Schaar, der Bundesbeauftragte für den Datenschutz: "Es ist ein Problem, dass die Institute Einzugsermächtigungen nicht prüfen - das lädt zum Missbrauch ein."

Die Geldhäuser haben sich abgesichert: Wenn ein Unternehmen Geld vom Konto seiner Kunden einziehen will, muss es einen Vertrag mit der Bank schließen. In dem ist festgelegt, dass die Firma nur dann Geld abbuchen darf, wenn der Kunde der Firma eine Einzugsermächtigung erteilt hat. Ob die jedoch vorliegt oder nicht, muss die Bank nicht überprüfen, das ist mit dem Vertrag abgegolten.

Schaar zufolge bietet das keinen wirksamen Schutz. Es sei viel zu leicht, Geld von einem fremden Konto einzuziehen. "Dazu reicht eine Kontonummer. Die Banken prüfen noch nicht einmal, ob der Name und die Nummer überhaupt zusammengehören. Gibt es das Konto, wird der Betrag abgebucht", sagt Schaar.

Der Datenschützer fordert deshalb, dass Banken vor der Abbuchung prüfen müssen, ob eine Einzugsermächtigung vorliegt. Seiner Meinung nach muss gegebenenfalls auch ein Gesetz her. Schließlich profitierten die Geldinstitute vom modernen elektronischen Zahlungsverkehr - er erleichtert den Banken das Geschäft "Sie müssen dann auch für die entsprechende Sicherheit sorgen", sagt Schaar.

Banken weisen die Schuld zurück

Die Geldinstitute weisen die Schuld jedoch von sich: "Die Banken können nicht jede Buchung kontrollieren", sagt Tanja Beller, Sprecherin des Bankenverbands. Das liegt vor allem an der Masse: Allein sieben Milliarden Transaktionen verzeichneten die Institute im Jahr 2006.

Und so haben Verbraucher nicht viele Möglichkeiten, um sich gegen unerlaubte Abbuchungen zu schützen - außer regelmäßig ihre Kontoauszüge zu überprüfen und Zahlungen gegebenenfalls wieder zurückzufordern. "Dazu haben die Betreffenden mindestens sechs Wochen Zeit - bei unberechtigten Abbuchen sogar länger", sagt eine Sprecherin des Sparkassenverbandes.

Dem Datenschützer Schaar ist das zu wenig: "Die Banken behaupten immer, dass die Verbraucher kein Risiko tragen - doch was, wenn jemand die Frist versäumt?"

Zudem sei das Geld erst einmal weg - und der Verbraucher muss tätig werden. Betroffenen rät der Datenschützer deshalb vor allem eines: zur Bank gehen - und zur Polizei. Dann würden die Fälle endlich einmal registriert. Und die Politik würde endlich erkennen, dass es höchste Zeit ist zu handeln.

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