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Unerwartetes Angebot: Solarfabrikant Asbeck verblüfft mit Offerte für Opel-Werke

Überraschende Wendung in der Opel-Krise: Der Solarworld-Konzern, angeführt vom schillernden Unternehmer Frank Asbeck, will die deutschen Werke übernehmen und zu einem grünen Konzern machen. Der Autobauer reagiert völlig überrascht - Aktienhändler bewerten die Offerte als PR-Gag.

Hamburg - Solarworld kündigte am Mittag an, dem US-Mutterkonzern General Motors Chart zeigen die Übernahme der vier deutschen Opel-Standorte sowie des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim anbieten zu wollen. Die bisher ausschließlich in der Solartechnologie aktive Firma wolle Opel dann "zum ersten grünen europäischen Autokonzern weiterentwickeln", bestätigte das Bonner Unternehmen auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE. Die Meldung sei "definitiv kein Scherz".

"Sonnenkönig" Asbeck: Interesse an vier deutschen Autowerken
Getty Images

"Sonnenkönig" Asbeck: Interesse an vier deutschen Autowerken

Ziel sei, neben der Weiterentwicklung bestehender Baureihen eine neue Fahrzeuggeneration mit energieeffizienten und emissionsarmen Antrieben zu produzieren. Mit dem Umbau der Produktpalette würde Opel künftig insbesondere Elektro- und Hybridfahrzeuge anbieten.

Eine Opel-Sprecherin sagte, das Unternehmen sei "voll überrascht" über den Vorstoß. Mehr könne sie dazu im Moment nicht sagen. GM Europe kommentierte die Nachricht nicht. Bislang hat Solarworld nach eigenen Angaben noch keine Gespräche mit Opel oder deren Mutterkonzern geführt. Ein erster Kontaktversuch sei nicht zustande gekommen, hieß es. Nun habe man Opel-Chef Hans Demant über die Pläne informiert. Opel beschäftigt am Stammsitz in Rüsselsheim sowie in Bochum, Eisenach und Kaiserslautern knapp 30.000 Menschen. Solarworld hat rund 2200 Beschäftigte.

Die Bedingungen, die Solarworld für einen Kauf ankündigte, machen ein solches Geschäft allerdings wenig wahrscheinlich: So seien die "Kernvoraussetzung" für die Abgabe eines Angebots die komplette Trennung aus dem GM-Konzern sowie "eine Kompensationszahlung von 40.000 Euro pro deutschem Arbeitsplatz (insgesamt eine Milliarde Euro)", heißt es. Rechnet man das Gebot von einer Milliarde Euro dagegen, die Solarworld anbietet, will das Unternehmen unterm Strich offenbar kein Geld für die Traditionsmarke zahlen. Die Solarworld AG könne nach eigenen Angaben Barmittel in Höhe von 250 Millionen Euro und Banklinien von 750 Millionen Euro - vorbehaltlich einer Bundesbürgschaft - bereitstellen.

In den vergangenen Tagen hatte es zahlreiche Vorschläge gegeben, Opel aus dem schwer angeschlagenen US-Mutterkonzern herauszulösen. Zuletzt hatte die Opel-Führung betont, dass dies kaum umsetzbar sei.

Solarworld-Aktien Chart zeigen bauten ihre Verluste weiter aus und sackten mit einem Minus von 12,99 Prozent auf 14,20 Euro ans Ende des TecDax Chart zeigen ab, nachdem die Opel-Pläne bekannt wurden.

Händler bewerteten die Nachricht in einer ersten Reaktion als eine "gute PR-Nummer" von "Sonnenkönig" Frank Asbeck, dem Vorstandsvorsitzenden und Hauptaktionär von Solarworld. Ein weiterer Börsianer bezeichnete die Nachricht als schwierig, da Opel nur eine europäische Tochter im GM-Konzern ist. Sollte der Solarkonzern jedoch mit seinem Angebot Erfolg haben, sei dies eher negativ zu bewerten, da Solarworld keine Erfahrungen im Autosektor hat.

Ein Händler kommentierte die Kaufabsicht von Solarworld mit den Worten: "Ich halte das nicht für realistisch, das ist wahrscheinlich auch nicht politisch gewollt - da stünden einfach zu viele Arbeitsplätze auf dem Spiel."

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht in einer Opel-Übernahme durch Solarworld dagegen mehr Chancen als Risiken für den deutschen Autobauer. "Die Aussichten wären dann besser als im aktuellen Verbund mit General Motors." Die Opel-Mutter habe bislang viele falsche Entscheidungen getroffen. Es sei aber fraglich, ob GM zum gebotenen Preis verkaufe und ob Solarworld die Finanzierung gelinge. "Auf den ersten Blick gibt es viele Fragezeichen, aber es lohnt sich, eine Realisierung zu überprüfen."

kaz/dpa/AFP/Reuters/ddp

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