Ungleichbehandlung bei der Arbeit Nur jede 25. Frau ist Chefin

In Unternehmen arbeiten immer mehr Frauen, doch die Führungsetagen hat dieser Trend noch immer nicht erreicht: Einer Studie zufolge sitzt nur in jeder vierten Top-Position eine Managerin. Auch in Branchen mit hohem Frauenanteil sind Chefinnen unterrepräsentiert.


Nürnberg - Den Chefposten bekommen fast immer Männer: Nur jede vierte Spitzenkraft in der obersten Ebene ist laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) weiblich, eine Ebene darunter nur jede dritte. Das ergab eine IAB-Umfrage unter 16.000 Betrieben. Lediglich jede 25. Frau nehme eine Führungsposition ein, dagegen habe jeder zehnte männliche Beschäftigte eine Chefposition inne.

Mitarbeiterin im Callcenter: Frauen finden überwiegend im Dienstleistungssektor Jobs
DPA

Mitarbeiterin im Callcenter: Frauen finden überwiegend im Dienstleistungssektor Jobs

Die Aufstiegschancen an die Unternehmensspitze sind für Frauen zuletzt nicht mehr gestiegen. Der Frauenanteil in den obersten Führungsetagen habe sich den IAB-Daten zufolge von 2004 bis 2008 nicht erhöht - und das obwohl der Anteil weiblicher Beschäftigter steigt. "Nach wie vor stehen Betriebe meist unter einer männlichen Führung", schreiben die IAB-Autoren.

Der Studie zufolge steigt die Zahl der Frauen, die den Wunsch äußern, sich am Erwerbsleben zu beteiligen, seit Jahren kontinuierlich. Auch der Anteil der Frauen, die arbeiten oder auf Stellensuche sind, nimmt stetig zu. Die Erwerbsquote der Frauen ist von 1995 bis 2008 von 61 auf 71 Prozent gestiegen, die der Männer blieb hingegen nahezu konstant bei zuletzt 81 Prozent. Zudem sind Frauen immer besser ausgebildet, mittlerweile sind 38 Prozent der hochqualifizierten Beschäftigten weiblich.

Dennoch sind sie auf den Führungsetagen unterrepräsentiert. Und nicht nur zwischen höheren und niedrigeren Hierarchieebenen verläuft in der Wirtschaftswelt eine Geschlechtergrenze, sondern auch zwischen Branchen. Fast zwei Drittel aller hochqualifizierten Frauen sind im Dienstleistungssektor tätig, ein weiteres Viertel in der öffentlichen Verwaltung. Dort, wo schon viele Frauen arbeiten, finden weibliche Beschäftigte leichter einen Arbeitsplatz als in Betrieben mit überwiegend männlichen Beschäftigten.

Vor allem Arbeitgeber im Dienstleistungssektor stellten hochqualifizierte Frauen ein, ergab die Studie. 80 Prozent aller hochqualifizierten Frauen, die eingestellt wurden, fanden dort eine Beschäftigung. In Betrieben mit hohem Männeranteil wurden dagegen sogar weniger Frauen eingestellt als es ihrem Anteil an den Beschäftigten entsprochen hätte. Das Einstellungsverhalten der Arbeitgeber trage daher eher dazu bei, die Geschlechtertrennung auf dem Arbeitsmarkt zu verfestigen, resümieren die IAB-Forscher.

Doch auch in von Frauen dominierten Branchen gelingt es weiblichen Beschäftigten selten, bis in die Chefetage aufzusteigen. Selbst in Betrieben mit einem durchschnittlichen Frauenanteil von 84 Prozent besetzen Frauen mit 56 Prozent der Leitungsposten gerade knapp mehr als die Hälfte der Führungspositionen.

tko/AP



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