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Ungleichbezahlung: Bis zu 41 Prozent Lohngefälle zwischen Ost und West

Auch 17 Jahre nach der Wiedervereinigung wird im Osten deutlich weniger verdient als im Westen. Die Löhne im Osten liegen einer Umfrage zufolge im Schnitt gut 20 Prozent unter denen im Westen – bei vielen Jobs ist die Ungleichheit noch größer.

Hamburg – Besonders eklatant ist das Gehaltsgefälle bei Webdesignern: Während ihr Durchschnittsgehalt im Westen im Schnitt bei 2300 Euro im Monat liegt, sind es im Osten 1359 Euro. Damit sind die Ost-Gehälter in diesem Beruf um 41 Prozent niedriger als die West-Löhne. Über alle Berufsgruppen typisch ist dagegen ein West-Ost-Gefälle von 21 Prozent.

Das zumindest ergibt sich aus der im Internet durchgeführten Online-Gehaltsumfrage lohnspiegel.de – eine Seite, die von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung betrieben wird und auf der Nutzer freiwillig ihre Bezüge melden können. Die "Bild"-Zeitung hat auf Basis der Lohnspiegel-Zahlen nun zum wiederholten Mal eine Gehaltstabelle erstellt und auf ihre Titelseite gehoben.

An der Online-Gehaltsumfrage der Böckler-Stiftung haben sich schon rund 70.000 Beschäftigte aus ganz Deutschland beteiligt. "Die Auswertung zeigt, dass die Schere bei den tatsächlichen gezahlten Einkommen zwischen Ost und West nach wie vor sehr weit offen ist", sagte Reinhard Bispinck von der Stiftung.

Gewerkschaften: "Nicht zu rechtfertigen"

Die Gewerkschaften kritisierten die Lohn-Unterschiede in Deutschland scharf. "Dass die durchschnittlichen Arbeitseinkommen im Osten immer noch deutlich unter denen im Westen liegen, ist nicht zu rechtfertigen", sagte DGB-Vize-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Die Gewerkschaften seien seit der Einheit der treibende Motor für eine Angleichung - und blieben es auch. "Die Gründe der unbefriedigenden Bilanz sind: höhere Arbeitslosigkeit, geringere Tarifbindung der Unternehmen, weniger überbetriebliche Bezahlung und manchmal leider auch die Eingruppierung in zu niedrige Lohngruppen", betonte Sehrbrock.

Die Daten, mit denen die "Bild"-Zeitung heute aufmacht, beziehen sich auf Angestellte in kleineren Firmen, die keine Zulagen bekommen, im Schnitt zwölf Jahre Berufserfahrung besitzen, keine Leitungsfunktion ausüben und 38 Stunden die Woche arbeiten.

Demnach verdient zu Beispiel ein Arzt im Westen 3593 Euro, im Westen 3194 Euro (Differenz: 11,1 Prozent). Relativ klein ist das Gefälle im Handel: Eine Einzelhandelskauffrau bringt es im Westen auf 1512 Euro, im Osten sind es 1433 Euro (Differenz: 5,2 Prozent). Sehr groß sind die Unterschiede dagegen bei Gas- und Wasserinstallateuren – sie kommen laut Lohnspiegel im Westen auf 2062 Euro, im Osten auf 1362 Euro, was einem Gefälle von 33,9 Prozent entspricht.

itz/ddp

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