Hamburg - Man muss schon zweimal hinschauen, um das Bild auf dem Cover zu verstehen - dann aber bleibt einem das Lachen im Halse stecken: Die Weltkugel ist als nackter Frauenkörper dargestellt. Ein weißes Baby krabbelt auf der Seite mit der Brust. Ein farbiges Kind am Hinterteil. "Schaut auf diese Welt", heißt das gerade im Carlsen-Verlag erschienene Sammelbändchen, für das Karikaturisten aus der ganzen Welt gezeichnet haben.
Im Stil des Covers geht es weiter: Mal sitzt eine ungeheuer dicke Frau mit Süßigkeiten vor dem Fernseher und erklärt: "Immer wenn ich hungernde Kinder sehe, muss ich essen." Auf einem anderen Bild fragt ein Unicef-Mitarbeiter ein Kind: "Weißt Du, was für einen Unterschied eine gute Ausbildung machen kann?", woraufhin er die Antwort erhält: "Ich kenne den Unterschied zwischen einer AK-47 und einer Beretta. Hilft das was?"
Das Buch ist hervorgegangen aus einem Wettbewerb, den die Unicef vergangenes Jahr zu ihrem 60. Jahrestag startete. Der Sarkasmus, der vielen Zeichnungen zugrunde liegt, ist gewollt: Die Karikaturen sollen aufrütteln statt nur Mitleid zu erregen. Ein grundsätzlicher Strategiewandel im Marketing der Organisation ist das allerdings nicht: Denn eine große Werbeaktion mit den Motiven ist nicht geplant. Ganz so unverblümt will die Organisation die westlichen Betrachter wohl doch nicht mit ihrer Gleichgültigkeit konfrontieren.
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