Düsseldorf - Die deutsche Solarbranche gerät durch Billigkonkurrenz aus China zusehends unter Druck - jetzt fordern die Unternehmen die Unterstützung vom Staat. "Es kann nicht im Sinne unserer Umwelt- und Wirtschaftspolitik sein, mit der Photovoltaik auch noch die Vorreiterrolle in der letzten großen Zukunftstechnologie, die man hier mühsam großgezogen hat, nach Fernost zu verlieren", sagte der Chef der Hamburger Firma Conergy, Dieter Ammer, am Freitag.
Frank Asbeck, Chef bei
Solarworld
, regt sogar protektionistische Maßnahmen an: Er will erreichen, dass nur noch solche Solarfirmen staatlich gefördert werden, die zum maßgeblichen Teil in Europa fertigen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) müsse um eine entsprechende Klausel ergänzt werden, forderte Asbeck. "Die Produktion muss da stattfinden, wo gefördert wird." China und die USA hätten vergleichbare Regelungen.
Der deutschen Solarindustrie droht der "Financial Times Deutschland" zufolge eine beispiellose Pleitewelle. Nachdem zahlreiche Hersteller im ersten Halbjahr in die roten Zahlen gerutscht sind, fürchten Branchenexperten nun den Niedergang vieler Unternehmen.
Von staatlichen Fördermaßnahmen wie der Einspeisevergütung profitieren hauptsächlich die Betreiber der Anlagen, nicht an die Hersteller. Für die deutschen Solaranlagenproduzenten ist das doppelt ärgerlich: Viele der hierzulande aufgestellten Solarmodule werden in Asien produziert. Vor allem China hat seine Stellung bei der Solartechnik massiv ausgebaut. Binnen zwei Jahren stieg der Weltmarktanteil des Landes auf mehr als 30 Prozent. Und auch andere asiatische Staaten wie Taiwan, Südkorea und Indien holen auf.
Chinesische Hersteller wie Suntech Power
, Yingli Solar oder Trina Solar profitieren davon, dass sie deutlich günstiger arbeiten als ihre deutsche Konkurrenz. Nach aktuellen Berechnungen der Schweizer Großbank UBS bauen chinesische Unternehmen Anlagen mittlerweile um ein Drittel günstiger, berichtete die "Financial Times Deutschland". Zudem fördert die chinesische Regierung die heimische Branche. Die Preise für Solarmodule
rutschen deshalb weltweit immer tiefer. Die einst gefeierten deutschen Hersteller können da nicht mehr mithalten.
Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) prüft nun, ob die chinesische Konkurrenz ihre Solartechnik zu Preisen unter den Herstellungskosten verkauft. "Wir gehen dem Dumpingverdacht nach", sagte BSW-Geschäftsführer Carsten Körnig am Freitag. Er schloss nicht aus, dass die chinesischen Firmen wie ihre europäischen Rivalen infolge der Wirtschaftskrise auf hohen Lagerbeständen sitzen und diese über niedrige Preise loszuwerden versuchen.
Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, derzeit könne sie keine konkreten Fälle von wettbewerbswidrigem Verhalten nennen. Die Solarbranche werde aber die Billigkonkurrenz sorgfältig beobachten.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat dem Solarboom in Deutschland Ende vergangenen Jahres ein abruptes Ende gesetzt. Infolge des Nachfragerückgangs vor allem in Spanien, dem bis dahin wichtigsten Exportmarkt, brachen die Preise und damit die Umsätze ein. Viele Solarfirmen rutschten in die Verlustzone. Körnig und Asbeck zeigen sich allerdings überzeugt, dass die Krise im kommenden Jahr überwunden sein werde. 2010 werde die Solarbranche weltweit wieder um 40 Prozent zulegen, nachdem sie in diesem Jahr voraussichtlich nur um zehn Prozent wächst.
ssu/Reuters
Auf anderen Social Networks posten:
Spannende Frage! Ggenläufige Tendenzen gibt es dennoch: - Elektroautos - Weitere Computerisierung - Weitere elektrische Helferlein mehr...
Ein wichtiger Gesichtpunkt, den Sie in die Diskussion einbringen und der bisher vernachlässigt wurde. Und dann gibt es noch das technologisch und finanziell machbare Einsparpotential von mindestens 30%. Nimmt man dann den [...] mehr...
Ich bezweifle mal, dass wir überhaupt mehr Energie benötigen werden. Irgendwann müssen da ja auch mal Demographiezahlen eine Rolle spielen. mehr...
Ich habe mal die betriebswirtschaftlichen Kosten für Kernkraft und PV zusammengesucht: Also vorweg - noch produziert ein AKW (abhängig von der Betrachtung) billiger Strom als eine PV-Anlage - die Details: *AKW*: _Reine [...] mehr...
Ja, hatte ich überlesen. mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Erneuerbare Energien | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH