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21.08.2009
 

Kampf gegen Billigkonkurrenz

Solarbranche fordert Staatsschutz gegen Asien

Solarzellen-Panels in Halle: Schlechte Zeiten für deutsche SolaranlagenbauerZur Großansicht
DPA

Solarzellen-Panels in Halle: Schlechte Zeiten für deutsche Solaranlagenbauer

Die deutsche Solarbranche fordert staatliche Hilfe gegen asiatische Billighersteller. Der Chef des Herstellers SolarWorld schlägt vor, dass die Regierung nur noch Unternehmen zu fördert, die hauptsächlich in Europa fertigen. Der Zunft droht durch Dumpingkonkurrenz eine beispiellose Pleitewelle.

Düsseldorf - Die deutsche Solarbranche gerät durch Billigkonkurrenz aus China zusehends unter Druck - jetzt fordern die Unternehmen die Unterstützung vom Staat. "Es kann nicht im Sinne unserer Umwelt- und Wirtschaftspolitik sein, mit der Photovoltaik auch noch die Vorreiterrolle in der letzten großen Zukunftstechnologie, die man hier mühsam großgezogen hat, nach Fernost zu verlieren", sagte der Chef der Hamburger Firma Conergy, Dieter Ammer, am Freitag.

Frank Asbeck, Chef bei Solarworld Chart zeigen, regt sogar protektionistische Maßnahmen an: Er will erreichen, dass nur noch solche Solarfirmen staatlich gefördert werden, die zum maßgeblichen Teil in Europa fertigen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) müsse um eine entsprechende Klausel ergänzt werden, forderte Asbeck. "Die Produktion muss da stattfinden, wo gefördert wird." China und die USA hätten vergleichbare Regelungen.

Der deutschen Solarindustrie droht der "Financial Times Deutschland" zufolge eine beispiellose Pleitewelle. Nachdem zahlreiche Hersteller im ersten Halbjahr in die roten Zahlen gerutscht sind, fürchten Branchenexperten nun den Niedergang vieler Unternehmen.

Von staatlichen Fördermaßnahmen wie der Einspeisevergütung profitieren hauptsächlich die Betreiber der Anlagen, nicht an die Hersteller. Für die deutschen Solaranlagenproduzenten ist das doppelt ärgerlich: Viele der hierzulande aufgestellten Solarmodule werden in Asien produziert. Vor allem China hat seine Stellung bei der Solartechnik massiv ausgebaut. Binnen zwei Jahren stieg der Weltmarktanteil des Landes auf mehr als 30 Prozent. Und auch andere asiatische Staaten wie Taiwan, Südkorea und Indien holen auf.

Chinesische Hersteller wie Suntech Power Chart zeigen, Yingli Solar oder Trina Solar profitieren davon, dass sie deutlich günstiger arbeiten als ihre deutsche Konkurrenz. Nach aktuellen Berechnungen der Schweizer Großbank UBS bauen chinesische Unternehmen Anlagen mittlerweile um ein Drittel günstiger, berichtete die "Financial Times Deutschland". Zudem fördert die chinesische Regierung die heimische Branche. Die Preise für Solarmodule rutschen deshalb weltweit immer tiefer. Die einst gefeierten deutschen Hersteller können da nicht mehr mithalten.

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) prüft nun, ob die chinesische Konkurrenz ihre Solartechnik zu Preisen unter den Herstellungskosten verkauft. "Wir gehen dem Dumpingverdacht nach", sagte BSW-Geschäftsführer Carsten Körnig am Freitag. Er schloss nicht aus, dass die chinesischen Firmen wie ihre europäischen Rivalen infolge der Wirtschaftskrise auf hohen Lagerbeständen sitzen und diese über niedrige Preise loszuwerden versuchen.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, derzeit könne sie keine konkreten Fälle von wettbewerbswidrigem Verhalten nennen. Die Solarbranche werde aber die Billigkonkurrenz sorgfältig beobachten.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat dem Solarboom in Deutschland Ende vergangenen Jahres ein abruptes Ende gesetzt. Infolge des Nachfragerückgangs vor allem in Spanien, dem bis dahin wichtigsten Exportmarkt, brachen die Preise und damit die Umsätze ein. Viele Solarfirmen rutschten in die Verlustzone. Körnig und Asbeck zeigen sich allerdings überzeugt, dass die Krise im kommenden Jahr überwunden sein werde. 2010 werde die Solarbranche weltweit wieder um 40 Prozent zulegen, nachdem sie in diesem Jahr voraussichtlich nur um zehn Prozent wächst.

ssu/Reuters

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