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23.08.2009
 

Krisengewinner

Rezession macht Aldi in Amerika stark

Homepage von Aldi in den USA: Dank Rezession schnelle Expansion auf einem hart umkämpften Markt

Homepage von Aldi in den USA: Dank Rezession schnelle Expansion auf einem hart umkämpften Markt

Wenn das Geld knapp ist, zählt nur der Preis: In der Krise laufen selbst die serviceverwöhnten Amerikaner plötzlich zu Aldi. Der Discounter mit der Minimaleinrichtung und den Minipreisen konnte seinen Umsatz 2008 um 21 Prozent steigern - und hat just seine tausendste US-Filiale eingeweiht.

Hyattsville - An die deutsche Einkaufskultur muss sich Denise Williams erst gewöhnen. "Das ist gar nicht so einfach", sagt die 39-Jährige und rüttelt an dem Einkaufswagen, in den sie eben eine Pfandmünze gesteckt hat. Hier bei Aldi in Hyattsville nahe Washington ist manches anders, als es die amerikanische Kundschaft gewohnt ist: Wagenpfand, kostenpflichtige Plastiktüten, Waren auf Paletten. Doch die Rezession treibt dem deutschen Billiganbieter in den USA die Kunden zu: Aldi profitiert von der Krise, der Konzern expandiert - und bewirkt dabei eine kleine Einkaufsrevolution.

Die amerikanischen Verbraucher gelten als verwöhnt, Shopping-Tempel mit Zehntausenden Produkten und umfassendem Kundenservice prägen die Einkaufslandschaft. "Die anderen Läden sind mir zu teuer", sagt Denise Williams, die alleinerziehende Mutter ist. Dass sie bei Aldi ihre Waren an der Kasse selbst in die Tüte packen und zum Auto tragen muss, ist ihr egal. In anderen US-Supermärkten gibt es für so etwas Extra-Personal. "Ich komme hierher, weil ich nicht viel Geld für Lebensmittel habe", sagt Williams.

In einer Umfrage des US-Instituts Rasmussen gaben kürzlich 51 Prozent an, künftig weniger für Konsum ausgeben zu wollen. Während viele US-Unternehmen unter der rezessionsbedingten Sparsamkeit der Kunden leiden, plant Aldi in den USA die Expansion - mit Wachstumsraten von etwa zehn Prozent jährlich. Allein 2008 kamen laut US-Firmenzentrale etwa hundert Läden dazu, in diesem Jahr wurde die tausendste Filiale eröffnet, im kommenden Jahr sollen erstmals 25 Filialen in Texas öffnen, wo Aldi derzeit ein Vertriebszentrum für 50 Millionen Dollar errichtet.

"In harten Zeiten wie dieser denken die Leute mehr nach, bevor sie Geld ausgeben", erklärt Aldi-Vizepräsidentin Joan Kavanaugh die Zuwachsraten. Aldi präsentiert sich als Krisengewinner: Anlässlich der Eröffnung von zehn neuen Filialen in Florida wies der dortige Regionalmanager kürzlich auf die steigende Arbeitslosigkeit hin und kam zu dem Schluss, dass dies wirklich "eine perfekte Zeit" für die Expansion von Aldi sei. Der Branchendienst Planet Retail schätzt, dass der Umsatz von Aldi in den USA allein im Krisenjahr 2008 um 21 Prozent auf sieben Milliarden Dollar gestiegen ist.

"Wirklich schön ist der Laden nicht"

In ihrer Kargheit nehmen sich die Aldi-Filialen aus wie ein Stück deutscher Discount-Kultur, das ins Konsumparadies USA verpflanzt wurde. Die Läden bieten nur 1400 Produkte direkt aus dem Karton an, bekannte Marken gibt es nicht, die Läden liegen in Industriezonen am Stadtrand. "Wirklich schön ist der Laden nicht", sagt die Hausfrau Tammy Forman nach dem Einkauf in Hyattsville. "Aber es ist billig." Im Wagen hat sie eine Flasche Ketchup liegen: Aldi hat nur eine Sorte im Angebot, dafür kostet die Literflasche nur 1,19 Dollar (0,85 Euro). Eine Tüte deutscher Marken-Gummibärchen ist für umgerechnet 0,63 Euro zu haben, ein Pfund Kaffee der Sorte "German Roasted" für 2,80 Euro. Das Motto des Discounters für den US-Markt: "Incredible Value Every Day" - unglaublich günstig jeden Tag.

Momentan steht Aldi in der Rangliste der US-Supermarktkonzerne nur an 25. Stelle, zählt aber zu den am schnellsten wachsenden Ketten. Nicht jeder in den USA sieht die Expansion positiv. Gewerkschaften werfen dem Discounter vor, ihre Arbeit zu behindern. Aldi hält dagegen und behauptet, seine Angestellten genössen "großzügige Löhne und Sozialleistungen". So werde jeder Mitarbeiter ab 20 Stunden Wochenarbeitszeit krankenversichert - anders als etwa beim US-Marktführer Wal-Mart Chart zeigen.

Peter Wütherich, AFP

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Die neuesten Beiträge:
18.07.2009 von tom_hwi:

Die exorbitant hohen Gewinne haben die Ölmultis sicher nicht an der Tanke gemacht, sondern sie resultieren vom hohen Ölpreis des letzen Jahres von fast 150 Dollar/Barrel. Natürlich findet man in Deutschlands Tankstellenmarkt [...] mehr...

18.07.2009 von DerBlicker: doch

natürlich sind die Ölmultis die Abzocker, wer wie ExxonMobile letztes Jahr 40 Milliarden (!) $ Gewinn gemacht hat, der kann nur ein Abzocker sein!! Auch Shell und BP haben je 20 Milliarden $ Gewinn gemacht, unverschämt! mehr...

18.07.2009 von Mocs:

Sehen Sie, das ist die Haltung, die dem Umweltschutz das Leben so schwer macht. Jeder ist dafür, jeder findet Umweltschutz gut, jeder will ihn haben - aber sich persönlich etwas einschränken möchte sich dafür fast keiner. [...] mehr...

06.07.2009 von Interessierter0815:

Die Umwelt interessiert doch sowieso keinen - schon garnicht den etablierten Ölförderern. In den Ländern wo Korruption günstiger wie Umweltschutz ist, wird eher so gehandelt. Ethik & Moral von multinationalen Großkonzernen [...] mehr...

06.07.2009 von AndyDaWiz:

...und den negativen fuer die Umwelt. Aber was interessiert mich die Zukunft, wenn es ein HEUTE gibt... mehr...

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