Essen/Fürth - Seit Tagen wurde über seinen Rücktritt spekuliert - jetzt ist es offiziell: Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick verlässt das Unternehmen. Das teilte der Konzern am Dienstag mit. Die Geschäfte führt nun der Kölner Jurist Klaus Hubert Görg, der unter Experten als "graue Eminenz" bei großen Insolvenzverfahren gilt.
Eick hatte als Nachfolger von Thomas Middelhoff ein halbes Jahr lang an der Arcandor-Spitze gestanden. Der Konzern war bereits tief in der Krise, als Eick den Chefposten übernahm. Er scheiterte aber mit seinen Versuch, doch noch einen großen Investor zu finden ebenso, wie mit seinem Appell an die Regierung, einen staatlich verbürgten Notkredit bereitzustellen.
Trotzdem soll der Manager von der Privatbank Sal. Oppenheim bis zu 15 Millionen Euro Abfindung bekommen - was am Dienstagmittag sogar die Kanzlerin zu Protesten bewegt hatte. "Wenn jemand, der ein insolventes Unternehmen leitet, für sechs Monate Arbeit das gesamte Gehalt für fünf Jahre bekommt, wie der Herr Eick in Höhe von 15 Millionen, dann habe ich dafür absolut kein Verständnis", sagte Angela Merkel (CDU) am Dienstag in einem Interview des Bayerischen Rundfunks. Arcandor-Betriebsratschef Hellmut Patzelt nannte die Abfindung "nicht nachvollziehbar".
Fünf Millionen Euro für die Arcandor-Belegschaft
Ein Drittel seiner umstrittenen 15-Millionen-Euro-Abfindung will Eick nun spenden. Er wolle damit "soziale Härten der Insolvenz abfedern", zitiert die "Bild"-Zeitung Eick. "Denkbar ist, dass unter anderem behinderte Menschen sowie andere sozial bedürftige Mitarbeiter unterstützt werden."
So könnten die bis zu fünf Millionen Euro zunächst in einen neugegründeten Fonds fließen und anschließend an die Mitarbeiter ausgezahlt werden. "Das muss aber Insolvenzverwalter Görg übernehmen. Er soll die Härtefälle definieren und entscheiden, welche Mitarbeiter Geld bekommen", sagte Eick. "Ich habe von Anfang an beabsichtigt, einen Teil des Betrages zu spenden. Allerdings wollte ich mit dieser Ankündigung bis zur Klärung aller Details warten", sagte der Manager.
Bereits am Montag hatte Eick seine Abfindung mit dem hohen Risiko, das er bei seinem Wechsel zum Essener Konzern eingegangen sei, gerechtfertigt: "Ich bin nicht gierig, aber ich bin auch nicht blöd", sagte er. "Eine so hochriskante Aufgabe ohne Absicherung zu übernehmen, das macht kein vernünftiger Mensch ." Er habe zwar Verständnis für die öffentliche Empörung, "weil es ein unheimliches Geld ist". Die Summe von 15 Millionen Euro orientiere sich aber an dem Betrag, den er als Finanzvorstand bei der Telekom verdient hätte.
Ihn habe die Aufgabe gereizt, betonte der Manager. "Es ist eine wirklich große Herausforderung gewesen zu versuchen, ein Unternehmen zu retten, dass in solchen Schwierigkeiten steckt. Da bereue ich überhaupt nichts. Der Versuch war es wert - auch im Interesse der Mitarbeiter."
Fünf weitere Vorstände treten zurück
Neben Eick verlassen noch fünf weitere Vorstandsmitglieder das Unternehmen: Finanzvorstand Rüdiger Andreas Günther, der Chef der Touristiksparte Thomas Cook Manny Fontenla-Novoa, Karstadt-Manager Stefan Herzberg sowie Arnold Mattschull und Zvezdana Seeger. Wie das Unternehmen weiter mitteilte, wird der für die Versandhandelssparte Primondo zuständige stellvertretende Vorstandsvorsitzende Marc Sommer bleiben. Er unterstütze weiterhin den Verkaufsprozess sowie die operative Steuerung seines Verantwortungsbereichs, hieß es.
Nach der Eröffnung des formellen Insolvenzverfahrens dürften schon bald die ersten harten Sanierungsmaßnahmen bei Arcandor durchgeführt werden. Insgesamt droht nach früheren Angaben rund 3700 Mitarbeitern der Versandhandelstochter Primondo der Verlust des Arbeitsplatzes. Die defizitären 109 Quelle Technik Center sollen schon bald geschlossen und die Quelle-Shops von 1450 auf rund 1000 reduziert werden. Außerdem stehen noch 19 der 126 Karstadt-Waren- und Sporthäuser zur Disposition. Pro Filiale sind durchschnittlich zwischen 120 bis 250 Mitarbeiter beschäftigt.
Nach Informationen des SPIEGEL glaubt Eick, dass Karstadt auch nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens als eigenständiges Unternehmen erhalten werden kann. "Man kann Karstadt rentabel betreiben, davon bin ich zutiefst überzeugt", sagte er. Dazu sei es aber notwendig, sich von unrentablen Häusern zu trennen und weitere Einsparpotentiale zu heben.
Metro an Karstadt-Teilen interessiert
Der Handelskonzern Metro äußert indes weiter Interesse an Teilen des Karstadt-Filialnetzes. Wie viele der 90 Karstadt-Häuser für eine große Warenhausehe mit der Metro-Tochter Kaufhof infrage kommen, wird derzeit aber nicht beziffert. "Unser grundsätzliches Interesse besteht", sagte ein Sprecher der Metro AG am Dienstag in Düsseldorf nach dem Beginn des Insolvenzverfahrens für Karstadt und deren Konzernmutter Arcandor . "Wir haben bisher noch keinen Einblick in Zahlen von Karstadt bekommen", ergänzte er. Das wäre nach seinen Worten in einem weiteren Schritt sicherlich nötig.
Metro-Chef Eckhard Cordes hatte bereits im Juni die Idee einer Deutschen Warenhaus AG ins Spiel gebracht. Dabei würde die Metro-Warenhaustochter Kaufhof mit einem Teil der Karstadt-Filialen unter ein Dach kommen. In den vergangenen Monaten hatte Metro von etwa 60 Karstadt-Filialen gesprochen, die für den Düsseldorfer Konzern interessant wären. Die Metro AG hatte allerdings mehrfach eine schnelle Lösung angemahnt. Cordes hatte außerdem betont, ein solches Projekt müsse für die Metro AG betriebswirtschaftlich Sinn machen.
In Branchenkreisen wird spekuliert, dass für die Metro bei einer länger andauernden Hängepartie um eine Lösung der Zukunft der Karstadt-Häuser weniger Filialen für sie von Interesse sein könnten. Große Frage für die Metro dürfte dabei sein, wie sich die Umsätze und Kundenzahlen der Karstadt-Filialen in den vergangenen Monaten entwickelt haben.
Verdi will bald Klarheit für Arcandor-Beschäftigte
Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di beschäftigt dagegen vor allem das Schicksal des Gesamtkonzerns. Sie dringt auf baldige Klarheit für die Beschäftigten des insolventen Handelsunternehmens. Die Investorensuche für die Karstadt-Warenhäuser müsse mit Nachdruck vorangetrieben und vor dem Weihnachtsgeschäft abgeschlossen werden, sagte die stellvertretende Ver.di-Vorsitzende Margret Mönig-Raane in Berlin. Jenseits der Tarifbindung das Einkommensniveau zu senken, komme aber auf keinen Fall in Frage.
Eine erneute finanzielle Beteiligung der Karstadt-Beschäftigten zur Sanierung ihres Unternehmens lehnt die Gewerkschafterin ab. In der Insolvenz, deren Ausgang vollkommen offen sei, ein weiteres Mal erhebliche Beiträge aus den Taschen der Kollegen zu finanzieren, sei nicht akzeptabel und würde dem Unternehmen noch keine nachhaltige Perspektive eröffnen, sagte Mönig-Raane. "Spenden ersetzen kein zukunftsfähiges Geschäftsmodell." Einen Beitrag der Beschäftigten werde es nur unter der Voraussetzung geben, dass ein Investor ein tragfähiges Zukunftskonzept vorlege, das Unternehmen wieder eine Tarifbindung eingehe und den Beschäftigten Sicherheiten anbiete.
Mönig-Raane wies darauf hin, dass die Beschäftigten seit 2004 rund 324 Millionen Euro zur Sanierung ihres Unternehmens aufgebracht hätten. Damit habe eine Insolvenz mehrfach abgewendet werden können. "Was nun bislang von den Plänen des Insolvenzverwalters bekannt ist, läuft darauf hinaus, dass die Beschäftigten große Einkommensbestandteile spenden sollen, ohne dass es ein tragfähiges Geschäftskonzept noch Investoren gibt", kritisierte die Ver.di-Frau.
ssu/AP/dpa/ddp/Reuters
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Die ganze Geschichte ist so aber irgendwie noch nicht vollständig. Neben der Schickedanz ist ja auch die ehemals größte europäische Privatbank Sal. Oppenheim an Karstadt/Arcandor praktisch zu Grunde gegangen und wurde von der [...] mehr...
150M Spenden von allen Beschäftigten. 15M Abfindung für einen. Liebe Gewerkschaften, fangt endlich wieder an die AN ggen solche Interessen zu schützen und das "NEIN" zu benutzen. mehr...
Angestellte, lasst Euch nicht weiter verarschen. Wenn Ihr Euch an Karstadt beteiligen wollt, dann fordert für Euren Verzicht Anteile am Unternehmen. Wenn Ihr verzichtet und keine Gegenleistung fordert, helft Ihr nur der bekannten [...] mehr...
"One down, some to go": Ein Opel ist weg, andere Opel werden folgen. WER braucht Quelle? Oder Neckermann? (Oder eben auch Opel?) Die Zeiten systemwichtiger Katalogversender sind vorbei, ebenso wie die Zeiten [...] mehr...
Ja - ich kann nur das Mantra von Sinn und seinen Mitstreitern wiederholen. Der Markt wird es schon richten. PS: Ich verwahre mich gegen Aussagen, dass ein schlechtes Management (aber guuuuuut bezahlt) und normale Leute, die [...] mehr...
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