London - Sind es Sorgen vor einer Inflation oder ist es schlicht die anziehende Wirkung, die das glänzende Edelmetall auf viele hat? Erstmals seit Monaten kostet Gold
wieder mehr als 1000 Dollar. Am Dienstag kletterte der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) bis auf 1007,10 Dollar
. Damit ist der Goldpreis seit Ende August um gut 45 Dollar gestiegen.
Aus Sicht von Experten rückt damit das Rekordhoch von 1030,80 Dollar vom März 2008 in Reichweite. "Der Goldpreis ist weiter im Aufwind", urteilte das Bankhaus HSBC Trinkaus. In den kommenden Tagen dürfte sich Gold demnach weiter verteuern.
Für den jüngsten Anstieg gebe es zahlreiche Gründe, sagte Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank
. So wirke die 1000-Dollar-Marke für viele Anleger "wie ein Magnet". Darüber hinaus neige der Dollar zur Schwäche. Dies treibe den Goldpreis generell stark an. Zudem würden am Markt Befürchtungen laut, dass die Inflation in den kommenden Jahren steigen könnte, weil die Notenbanken angesichts der Krise nicht mehr so streng und stark auf Inflationsgefahren reagieren könnten. Auch die nach wie vor enorme Liquidität im Markt dürfte die Preise beflügeln.
Weinberg hält den starken Preisanstieg dennoch nicht für gerechtfertigt, weil es an der physischen Nachfrage fehle. Während das Angebot ausreichend sei, bleibe die Nachfrage relativ schwach. Zur Vorsicht mahnten auch die Daten zur Positionierung der Großanleger. Die Commerzbank hält den jüngsten Preisschub deshalb nicht für nachhaltig und rechnet mit einer Korrektur - auch wenn sich der Goldpreis zunächst auf dem nun erreichten Niveau halten könnte. Wie stark der Rückgang tatsächlich ausfalle, hänge vom Dollar-Wechselkurs ab. Bleibe der Dollar weiter schwach, könnte der Preisrückgang bei Gold gering ausfallen. Am Dienstag kletterte der Euro
über die Marke von 1,44 Dollar.
Im vierten Quartal allerdings dürfte die physische Nachfrage nach Gold anziehen, sagte Weinberg. Bereits im September stehen im wichtigen Käuferland Indien Feiertage an, die traditionell auch mit Goldgeschenken begangen werden. Im bisherigen Jahresverlauf seien die Importe Indiens allerdings gering gewesen. Die Inder seien bei Goldkäufen sehr preisbewusst. Darüber hinaus dämpfe auch die Krise die Nachfrage.
yes/dpa-AFX
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