Washington - Der Internetdienst Facebook hat zum ersten Mal einen positiven Cashflow verbucht. Die Einnahmen des sozialen Netzwerks hätten im vergangenen Quartal die Ausgaben überstiegen, schrieb Facebook-Gründer Mark Zuckerberg am Dienstag im offiziellen Unternehmensblog. Ursprünglich habe Facebook diesen Zeitpunkt erst "irgendwann 2010" erwartet.
Der Cashflow wird gemeinhin als Zahlungsmittelüberschuss der wirtschaftlichen Tätigkeit bezeichnet - er ist nicht mit einem Unternehmensgewinn gleichzusetzen. Die Facebook-Ankündigung ist dennoch eine positive Nachricht für die Betreiber sozialer Netzwerke. Anders als andere Internetgiganten wie Amazon oder Ebay muss das im kalifornischen Palo Alto ansässige Unternehmen noch unter Beweis stellen, dass sich durch steigenden Nutzerzahlen mehr Geld verdienen lässt, als die steigenden Server-Kosten verschlingen. Geld verdient das Netzwerk vor allem durch Werbeeinnahmen.
Einzelheiten zur Finanzlage des Unternehmens gab Zuckerberg nicht bekannt. Das Unternehmen hatte aber in den vergangenen Monaten einen Umsatzsprung von 70 Prozent auf über 500 Millionen Dollar für das laufende Geschäftsjahr in Aussicht gestellt. Facebook ist bisher nicht zur Veröffentlichung seiner Bilanzdaten verpflichtet, weshalb es über das Nettoergebnis keine offiziellen Angaben gibt.
Analysten rechnen mit baldigem Börsengang
Die Nutzerzahl des Unternehmens steigt noch immer rapide. Zuckerberg teilte in seinem Blogpost mit, dass "Facebook nach heutigem Stand von 300 Millionen Menschen weltweit genutzt wird". Erst im April hatte das Unternehmen bekanntgegeben, 200 Millionen Nutzer zu haben. In Deutschland hat Facebook bislang etwa 3,7 Millionen Mitglieder.
Analysten bezeichneten die Neuigkeiten als vertrauensbildend für Investoren. Facebook rücke einem Börsengang immer näher. Einem Branchenexperten zufolge könnte Zuckerberg die Firma schon in der zweiten Jahreshälfte 2010 an den Aktienmarkt bringen. Der Facebook-Gründer hatte im Mai dagegen erklärt, ein IPO sei noch einige Jahre entfernt.
Zuckerberg gründete Facebook vor fünf Jahren mit zwei Studienfreunden von der Harvard-Universität. Vor kurzem hatten die Amerikaner monatelange Rechtsstreitigkeiten mit der deutschen Netz-Communitys StudiVZ beigelegt. StudiVZ hatte sich zur Zahlung einer ungenannten Summe bereit erklärt.
ssu/AFP/Reuters
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH