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19.09.2009
 

Unsichere Aktienmärkte

Deutsche Bank warnt vor Dax-Absturz

Von Arvid Kaiser

Der Dax klettert und klettert - doch die künftige Wirtschaftslage spiegelt der Leitindex womöglich nicht mehr wider: Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter warnt jetzt sogar vor einem Rückschlag. Die Rezession sei noch lange nicht vorbei.

Hamburg - Der Dax Chart zeigen ist in Verruf geraten: Zwar erklimmt Deutschlands Leitindex seit Mitte Juli fast jede Woche ein Jahreshoch. Doch Deutschlands Wirtschaft will dem Dax längst nicht so schnell hinterherziehen - als Konjunkturbarometer taugt er damit offenbar nicht. Volkswirte warnen jetzt sogar vor möglichen Börsenrücksetzern. Spätestens im kommenden Jahr, wenn die Notenbanker ihre massiven Stützen für die Wirtschaft voreilig aufgäben, falle der Dax womöglich zurück, glauben Volkswirte.

Allerdings sind auch Wirtschaftsprognosen in Verruf geraten, besonders die von Volkswirten. Reihenweise lagen sie im vergangenen Jahr um mehrere Prozentpunkte daneben, meist auch noch mit dem falschen Vorzeichen. Als Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, nach einem Prognosestopp rief, klang das durchaus plausibel. So weit ist es zwar nicht gekommen, doch kaum ein Forscher leistet sich noch eine eigene Meinung zur Konjunktur. Fast alle zuckeln im Geleitzug des Konsens.

Drei schmerzhafte Krisen in Folge

Mutiger tritt dagegen Norbert Walter auf, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Er offenbarte seine ganz persönliche Sicht auf die Weltwirtschaft in dieser Woche - als Randbemerkung in einem Bericht von einer Asien-Reise: "Derzeit verführt die Abwrackprämie Analysten dazu, von Aufschwung zu sprechen." Das werde wohl von Konjunkturdaten im dritten Quartal gestützt, räumt Walter ein, dies sei aber "nur eine kurze Aufwärtsbewegung auf der Talsohle", glaubt er. Deshalb doziert er: "Wir haben nicht die Rezession hinter uns gelassen, sondern nur "das erste U".

Damit spielte Walter auf die Debatten der vergangenen Monate an: Volkswirte diskutierten, ob die Rezession eine V-Form (kurzer Absturz und dann schnelle Erholung) annehmen würde, oder wie ein U einen längeren Weg durch ein tiefes Tal beschreitet. Die U-Sicht hat sich inzwischen weithin durchgesetzt.

Doch Walter ist noch skeptischer: "Die Weltwirtschaft wird einen Zyklus in Form eines 'Triple-U' erleben". Das heißt, zwei von drei solcher schmerzhaften U-Krisen in direkter Folge stehen erst noch bevor. Nummer zwei werde durch die steigende Arbeitslosigkeit als Folge der gekürzten Produktion ausgelöst, was für "niedrigere Einkommen und schwächere Einzelhandelsumsätze im europäischen Winter" sorge. Und dann komme Nummer drei.

Zentralbanken reduzieren Geldmenge

"Zwischen dem zweiten und dritten Quartal 2010" schlägt Walter zufolge das dritte "U" ein, "sobald die Zentralbanken anfangen, aus der Stimulierungspolitik auszusteigen". Walter legt sich sogar so weit fest, dass die US-Notenbank Federal Reserve "um Ostern" beginnen werde, die Geldmenge wieder zu reduzieren und die Zinsen zu erhöhen. Das Ziel: eine Mega-Inflation vermeiden. Der Nachteil: Die Konjunktur wird abgewürgt. Was das für Anleger heißt, ist Walter klar: "Das wird die Aktienkurse belasten."

Bank-Ökonom Walter gilt zwar als besonders pessimistisch. Und es gibt keinen Grund, warum Walters Prognosen präziser sein sollen als die anderer Wirtschaftsforscher. Aber seine Kritik teilen immerhin auch andere Experten. Janet Yellen etwa, Präsidentin der Federal Reserve von San Francisco. Sie glaubt zwar, dass "dieser Sommer wahrscheinlich das Ende der Rezession markiert". Doch es sei nur eine leichte Erholung zu erwarten, die zudem leicht durch Schocks zunichtegemacht werden könne.

Den besten Grund dafür, dass es überhaupt wieder vorangeht, sieht Yellen einfach darin, "dass wir so tief gefallen sind". Leer gefegte Lager, vor allem in der Autoindustrie, machten eine höhere Produktion notwendig, weil sonst selbst die minimale Nachfrage nicht befriedigt werden könne. "Der Hauptantrieb für Wachstum in der zweiten Jahreshälfte wird der Aufbau von Lagern sein", meint Yellen. "Der davon ausgelöste Schub wird für eine Weile eine große Hilfe sein, aber um das Wachstum zu halten, müssen wir etwas anderes finden."

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