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19.10.2009
 

Fehlende Investoren

Quelle-Versand wird abgewickelt

Quelle-Versandhandel: 7000 Jobs bedrohtZur Großansicht
ddp

Quelle-Versandhandel: 7000 Jobs bedroht

Der Versandhändler Quelle steht vor dem Aus. Die Liquidation des Unternehmens soll schon bald beginnen. Zuvor war die Suche nach Investoren für die Dachgesellschaft gescheitert. Das profitable Auslandsgeschäft soll zügig verkauft werden - insgesamt sind rund 7000 Arbeitsplätze in Gefahr.

Hamburg - Das einst größte deutsche Versandunternehmen Quelle steht vor der Liquidation. Die Verkaufsanstrengungen für Quelle Deutschland seien erfolglos geblieben, teilte der Insolvenzverwalter des Mutterkonzerns Arcandor Chart zeigen, Klaus Hubert Görg, mit.

"Nach 15 intensiven Verhandlungen mit einer Vielzahl von Investoren sehen der Insolvenzverwalter wie Gläubigerausschuss jetzt keine Alternative zur Abwicklung von Quelle Deutschland mehr", so Görg. Was dies für die Mitarbeiter bedeutet, will er am Dienstagnachmittag in Nürnberg mitteilen. Nach Angaben der "Financial Times Deutschland" verlieren rund 7000 Menschen ihren Job.

Eine wesentliche Ursache für das Scheitern der Quelle-Verkaufsgespräche war nach Angaben Görgs, dass die notwendige Einigung über das sogenannte Factoring nicht zustande kam. Dabei geht es um die Finanzierung des Versandgeschäfts. Beim Factoring gibt Quelle die Kundenforderungen gegen Provision an eine Bank weiter, die die offenen Beträge im Gegenzug vorfinanziert.

Ein weiterer wichtiger Streitpunkt war die künftige Ausrichtung des Vertriebs. Alle potentiellen Bieter hätten die Aufgabe der rund 1450 Quelle-Shops gefordert, die für das Unternehmen die Bestellungen sammelten und stets ein kleines Warensortiment vorrätig hatten, erklärte Görg. Die Bieter wollten stärker auf das Internet setzen. Görg selbst hatte nur ein Drittel der Quelle-Shops und die 109 Quelle-Technik-Center schließen wollen.

Lukrative Spezialversender als Lockvögel

Zu den aussichtsreichsten Interessenten für Quelle war laut Kreisen der US-Finanzinvestor TPG gezählt worden, der viel Erfahrung im Einzelhandel mitbringt. Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" bietet der Finanzinvestor Golden Gate nur für HSE24. Cerberus verhandele zwar weiter mit dem Insolvenzverwalter. Ein Sprecher habe aber nicht sagen wollen, worüber. Der Investor Sun Capital, dem der Quelle-Rivale Neckermann gehört, habe sich bereits zuvor aus dem Verkaufsprozess zurückgezogen. Der Quelle-Erzrivale Otto hatte bereits zu Beginn abgewinkt.

Görg jedenfalls ist mit seinem Plan gescheitert, den hochdefizitären Quelle-Versand im Verbund mit lukrativen Spezialversendern wie Baby-Walz zu verkaufen. Noch am Wochenende habe der Insolvenzverwalter von vier Interessenten gesprochen. Jedoch habe letztlich niemand das unter der Dachgesellschaft Primondo zusammengefasste Versandgeschäft komplett übernehmen wollen.

Das gesunde Auslandsgeschäft von Quelle soll schnell in einem eigenen Prozess verkauft werden. "Die internationalen Gesellschaften verfügen nach wie vor über stabiles Geschäft und sind solide, stabile und zuverlässige Partner bei Kunden wie bei Lieferanten", hieß es in der Mitteilung. Gleiches gelte für den Einkaufssender HSE24. Die Spezialversender sollen ihr Geschäft selbstständig weiterführen.

Vergeblicher Rettungskredit im Sommer

Görgs Sanierungskonzept sah vor, den Quelle-Flächenvertrieb teilweise aufzugeben und die Quelle-Technikcenter zu schließen. Geplant war auch ein Personalabbau von 10.500 auf knapp 7.000 Stellen bis Januar 2010. Bis Ende September 2009 hatten der Mitteilung zufolge 600 Beschäftigte selbst gekündigt, für 2.500 Mitarbeiter wurden Interessenausgleich und Sozialplan ausgehandelt.

Mit der Abwicklung von Quelle schlägt auch die vorübergehende Rettung fehl, die im Sommer für das Versandhaus gefunden wurde. Damals konnte ein Massekredit über 50 Millionen Euro gesichert werden, so dass Quelle die Geschäfte weiterführen konnte. Die öffentliche Debatte habe aber Kunden verunsichert, so Görg.

Insolvenzantrag mitten in der Umstrukturierung

Am 9. Juni hatte die Arcandor AG in Essen die Insolvenz für sich und unter anderem die Töchter Karstadt, Primondo und Quelle beantragt. Der Schritt traf das 1927 gegründete Traditionshaus Quelle mitten in einem tiefgreifenden Umbau, der bereits in den vergangenen Jahren zu scharfen Einschnitten geführt hatte. Das Unternehmen hatte die Bedeutung des Internets für den Handel erst spät erkannt. In den vergangenen Jahren erfolgte dann eilig eine strategische Neuausrichtung.

jok/ssu/AP/dpa-AFX/ddp/Reuters

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25.02.2010 von freiheitodertod:

Die ganze Geschichte ist so aber irgendwie noch nicht vollständig. Neben der Schickedanz ist ja auch die ehemals größte europäische Privatbank Sal. Oppenheim an Karstadt/Arcandor praktisch zu Grunde gegangen und wurde von der [...] mehr...

08.11.2009 von WarumDenn: Volle Zustimmung

150M Spenden von allen Beschäftigten. 15M Abfindung für einen. Liebe Gewerkschaften, fangt endlich wieder an die AN ggen solche Interessen zu schützen und das "NEIN" zu benutzen. mehr...

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