Frankfurt am Main/München - Der Traditionskonzern Quelle steht vor dem Aus - ein wesentlicher Grund für das Scheitern seiner Rettung war nach Angaben des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg, dass die notwendige Einigung über das sogenannte Factoring nicht zustandegekommen sei. Dieser Begriff beschreibt die Finanzierung des Versandgeschäfts. Beim Factoring gibt Quelle die Forderungen des Unternehmens an seine Kunden an eine Bank weiter. Diese finanziert die offenen Beträge gegen Provision vor.
Man könnte die gescheiterte Rettung somit den dafür zuständigen Banken anlasten. Doch diese weisen die Schuld dafür von sich. Die Quelle-Hausbank Valovis etwa wies die Verantwortung für den Quelle-Crash der Commerzbank und der BayernLB zu, die sich zuletzt am Factoring beteiligt hatten. Man habe dem Versandhaus treu die Stange halten wollen - aber eben nicht allein, sagte eine Valovis-Sprecherin am Dienstag.
Insolvenzverwalter Görg hatte die Factoring-Vereinbarungen nach dem Insolvenzantrag im Juni und Anfang September zweimal nur mit Mühe - und staatlicher Hilfe - verlängert. Valovis hatte das Factoring lange in Eigenregie betrieben. Als das Geldhaus die Last nicht mehr alleine schultern konnte, übernahmen die Commerzbank und die BayernLB auf politischen Druck Teile der mehr als 300 Millionen Euro schweren Finanzierung.
Potentielle Investoren verschreckt
Sie teilten aber von Anfang an mit, bald wieder aussteigen zu wollen, sollte sich bei der Quelle-Rettung kein aussichtsreiches Geschäftskonzept abzeichnen. "Die langfristige Neuordnung der Refinanzierung von Quelle wäre Sache des Käufers gewesen, als Teil eines schlüssigen Konzeptes zur Fortführung. Das kann nicht Sache der Banken sein", sagte eine mit dem Prozess vertraute Person.
Nach Görgs Darstellung hat die unsichere Finanzierung des Factorings dagegen potentielle Interessenten verschreckt. Mögliche Käufer hätten für eine Quelle-Übernahme eine Einigung für das Factoring über den 1. Januar 2010 hinaus gefordert.
Valovis hat von diesem Umstand nach eigenen Angaben erst vor kurzem erfahren. Die Sprecherin des Instituts kritisiert indirekt die Kommunikationspolitik der Insolvenzverwaltung. Mit dem Scheitern der Investorengespräche habe man "nicht gerechnet", sagte sie. An der Valovis-Bank sei eine Einigung jedenfalls nicht gescheitert. "Wir haben nie irgendwelche Gespräche mit möglichen Investoren geführt", betonte sie. Der Bank sei nicht einmal bekannt gewesen, wer die potentiellen Bieter gewesen seien.
Quelle-Umsatz zuletzt halbiert
Unsicherheiten gab es indes nicht nur bei der Factoring-Finanzierung. Nach Angaben des mittelfränkischen SPD-Landtagsabgeordneten Thomas Beyer musste das Versandhaus zuletzt "massive Umsatzeinbrüche" von bis zu 50 Prozent hinnehmen. Sie seien auch auf das verspätete Erscheinen des Winterkatalogs zurückzuführen. Das Unternehmen habe sich davon nicht mehr erholt, sagte Beyer am Dienstag in München. "Das wochenlange Hin und Her zwischen den Herren Seehofer und Guttenberg hat dazu geführt, dass entscheidende Zeit versäumt wurde für die Fertigstellung des wichtigen Quelle-Winterkatalogs."
Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil sagte, die Regierung habe alles in ihrer Macht Stehende getan, um dem Unternehmen Perspektiven zu eröffnen. "Wir haben mit der Gewährung des Massekredits die Voraussetzungen für die Investorensuche geschaffen", sagte der FDP-Politiker. Er zeigte sich bestürzt über das Aus für Quelle. Jetzt müssten rasch Perspektiven für Zukunft die Arbeitnehmer ausgelotet werden.
Während Banken und Politiker zanken, bangen die Quelle-Angestellten um ihre Jobs: nach Angaben der "Financial Times Deutschland" (FTD) verlieren durch die Abwicklung rund 7000 Menschen ihre Stelle. Am Dienstag sollen die Mitarbeiter am Standort Nürnberg darüber informiert werden, was die Liquidierung für sie selbst und für das Unternehmen bedeutet.
Bestürzung und Wut
Arbeitnehmervertreter reagierten auf die Entwicklungen mit Bestürzung und Wut. "Das ist für die betroffenen Menschen und ihre Familien eine Riesenkatastrophe", sagte Quelle-Betriebsratschef Ernst Sindel am Dienstag. Der Handelsexperte der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, Johann Rösch, nannte die geplante Abwicklung ein Desaster. Damit "stirbt ein Stück deutsche Handelsgeschichte", sagte er am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin".
Die insolvente Konzernmutter Arcandor hatte am späten Montag bestätigt, bis zum Ende der Angebotsfrist am Wochenende keine Offerte für die Quelle-Dachgesellschaft Primondo erhalten zu haben. "Nach 15 intensiven Verhandlungen mit einer Vielzahl von Investoren sehen der Insolvenzverwalter wie Gläubigerausschuss jetzt keine Alternative zur Abwicklung von Quelle Deutschland mehr", sagte Görg. Daraufhin sei der Gläubigerausschuss informiert worden, dass die Verkaufsanstrengungen für Quelle Deutschland erfolglos waren.
Ein weiterer wichtiger Streitpunkt war die künftige Ausrichtung des Vertriebs. Alle potentiellen Bieter hätten die Aufgabe der rund 1450 Quelle-Shops gefordert, die für das Unternehmen die Bestellungen sammelten und stets ein kleines Warensortiment vorrätig hatten, erklärte Görg. Die Bieter wollten stärker auf das Internet setzen. Görg selbst hatte nur ein Drittel der Quelle-Shops und die 109 Quelle-Technik-Center schließen wollen.
Lukrative Spezialversender als Lockvögel
Zu den aussichtsreichsten Interessenten für Quelle zählte laut "FTD" der US-Finanzinvestor TPG, der viel Erfahrung im Einzelhandel mitbringt. Demnach bot auch der Finanzinvestor Golden Gate mit, jedoch nur für den Shoppingsender HSE24. Der Investor Cerberus verhandele zwar weiter mit dem Insolvenzverwalter. Ein Sprecher habe aber nicht sagen wollen, worüber. Der Investor Sun Capital, dem der Quelle-Rivale Neckermann gehört, habe sich bereits zuvor aus dem Verkaufsprozess zurückgezogen, ebenso der Quelle-Erzrivale Otto.
Görg jedenfalls ist mit seinem Plan gescheitert, den hochdefizitären Quelle-Versand im Verbund mit lukrativen Spezialversendern wie Baby-Walz zu verkaufen. Noch am Wochenende habe der Insolvenzverwalter von vier Interessenten gesprochen. Jedoch habe letztlich niemand das unter der Dachgesellschaft Primondo zusammengefasste Versandgeschäft komplett übernehmen wollen.
Das gesunde Auslandsgeschäft von Quelle soll jetzt schnell in einem eigenen Prozess verkauft werden. "Die internationalen Gesellschaften verfügen nach wie vor über stabiles Geschäft und sind solide, stabile und zuverlässige Partner bei Kunden wie bei Lieferanten", hieß es in der Mitteilung. Gleiches gelte für den Einkaufssender HSE24. Die Spezialversender sollen ihr Geschäft selbständig weiterführen.
ssu/AP/dpa/Reuters
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Mitarbeiter an allen Orten könnten Sie jetzt nicht am PC und Internet schreiben mehr...
Ihrer Meinung nach ist das Management nur dazu da, viel Geld einzustreichen und jede Verantwortung, für Fehlentscheidungen, von sich zu weißen. Ebenso kann man die Meinung vertreten, das nicht die Quelle 82 Jahre lang Menschen [...] mehr...
erst mal dei ganze Gecshichte von Grundig lesen, bevor man einen Kommentar dazu abgibt, solange zB ein SIEMENS Mann an der Sptzie stand gabs zB wenig oder keine Probleme, dass man ausgerechnet einen RA an dei Spitze des Konzerns [...] mehr...
Einspruch, Max Grundig hatte leider keine eigenen Kinder, jedenfalls nicht zur aktuellen Übergabe des Konzerns, deshalb auch der Verkauf ausgerechnet an den größten Konkurrenten in Europa, der ja dann ganze Arbeit geleistet und [...] mehr...
..... Nicht nur von den Kindern, sondern zunächst von einem globalisierten System, das einzig dazu dient, den Faktor Arbeit so bedeutungslos wie nur irgend möglich zu machen. Bleibt nur abzuwarten, wie die Gesellschaft [...] mehr...
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