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20.10.2009
 

Pleitekonzern

Ver.di verlangt Staatshilfe für Quelle-Mitarbeiter

Aus Nürnberg berichtet Anne Seith

Quelle-Crash: Krisenstimmung in Nürnberg
Fotos
REUTERS

Die Quelle-Beschäftigten sind verzweifelt: Der Versandhändler wird liquidiert, die Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft. Die Gewerkschaft Ver.di fordert jetzt vom Bund und vom Freistaat Bayern Finanzhilfe für den Pleitekonzern - ansonsten drohe der Region um Nürnberg eine Katastrophe.

Johann Rösch ist wütend. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE spricht der Ver.di-Bundessekretär vom Gefühl der "Enttäuschung - und der Täuschung". Bis zum Montagnachmittag dachte er, man sei auf einem guten Wege bei der Rettung des Versandhändlers Quelle. Immer sei ihm signalisiert worden: "Es gibt einen profitablen Kern". Um den zu retten, hatte die Gewerkschaft schmerzhafte Zugeständnisse gemacht. Noch am Freitag hatten die Arbeitnehmervertreter verhandelt, weitere 800 Kündigungen akzeptiert. 3100 Entlassungen waren schon zu einem früheren Zeitpunkt schweren Herzens abgenickt worden.

Die Insolvenzverwalter hätten auch danach Zuversicht vermittelt, sie seien ohnehin immer "nach außen euphorisch" aufgetreten, sagt Rösch. Er habe deshalb keinerlei Anlass gehabt, die Liquidierungsgerüchte zu glauben. Noch am Montagmittag versicherte er einem Journalisten, da sei nichts dran. "Es gab keine Information über den Investorenprozess". Stattdessen: "Völlige Intransparenz". Erst am Montagabend um 20 Uhr, nach einer Sitzung des Gläubigerausschusses, kam der Anruf:

Das Schicksal des Versandhauses sei besiegelt. Quelle müsse abgewickelt werden.

Rösch rechnet jetzt damit, dass sämtliche 9000 Jobs verloren gehen.

Denn auch die Transfergesellschaft, mit deren Hilfe ein Teil der Arbeitnehmer nach früheren Vereinbarungen einen neuen Job finden sollten, sollte aus der Insolvenzmasse bezahlt werden. Doch wo kein Geld ist, da sei auch keine Transfergesellschaft, sagt Rösch. Für ihn ist die Sache deshalb klar: Der Ver.di-Mann sieht jetzt die öffentliche Hand in der Pflicht. "Wir brauchen befristet eine öffentliche Finanzierung einer Personalqualifizierungs- oder Transfergesellschaft", sagt er. "Die Menschen müssen aufgefangen werden." Das gehe aber nur "mit der Unterstützung durch Bayern und den Bund."

Die Pleite sei für die Region um Nürnberg eine Katastrophe, sagt Rösch. "Dort gibt es strukturell schon eine höhere Kurzarbeit als anderswo." Wenn man nicht aufpasse, werde das Gebiet "die bayerische Krisenregion schlechthin".

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat den Beschäftigten bereits Unterstützung zugesagt, welche Form diese annehmen soll, ist aber noch offen. "Wir müssen gemeinsam - Politik, Insolvenzverwalter und Belegschaft - schauen, dass wir die Auswirkungen für die betroffenen Menschen so gering wie möglich halten", sagte er. Große Hoffnungen wollte er der Belegschaft aber keine machen. "Ich kann nur sagen, dass wir uns weiter kümmern wie in den letzten Monaten", sagte Seehofer. Zugleich kündigte er Bemühungen an, mit strukturpolitischen Maßnahmen der Region Nürnberg/Fürth unter die Arme zu greifen.

"Das schlimmste ist, dass wir keine Informationen bekommen"

Die Frage, wie genau die versprochene Hilfe aussehen soll, ist allerdings nicht die einzige, die noch offen ist. Rösch zählt auf: "Was passiert mit der Logistik in Leipzig und Nürnberg? Was geschieht mit den Callcentern?"

Das fragen sich auch die 800 Beschäftigten des Quelle-Call-Centers in Magdeburg. "Wir wissen nicht, ob und wie es weitergeht", sagte der Betriebsrat der hundertprozentigen Tochter von Quelle, Hans-Georg Ebeling, am Dienstag. Die Nachricht habe in dem Call-Center eingeschlagen wie ein Bombe. "Das Schlimmste ist, dass wir keinerlei Informationen bekommen." Bislang laufe das Geschäft normal weiter. "Wir nehmen Bestellungen an, und viele Kunden zeigen sich auch solidarisch", sagte der Betriebsrat.

Immerhin können die Beschäftigten in Nürnberg, von denen viele die Entscheidung aus dem Radio erfuhren, an diesem Dienstagnachmittag Näheres erfahren über die Pleite. Dann nämlich findet im Quelle-Versandzentrum in Nürnberg eine Mitarbeiterversammlung statt.

Mit Material von dpa

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insgesamt 679 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
09.11.2009 von sitiwati: und ohne

Mitarbeiter an allen Orten könnten Sie jetzt nicht am PC und Internet schreiben mehr...

09.11.2009 von Louis_XVI:

Ihrer Meinung nach ist das Management nur dazu da, viel Geld einzustreichen und jede Verantwortung, für Fehlentscheidungen, von sich zu weißen. Ebenso kann man die Meinung vertreten, das nicht die Quelle 82 Jahre lang Menschen [...] mehr...

09.11.2009 von sitiwati: mna sollte

erst mal dei ganze Gecshichte von Grundig lesen, bevor man einen Kommentar dazu abgibt, solange zB ein SIEMENS Mann an der Sptzie stand gabs zB wenig oder keine Probleme, dass man ausgerechnet einen RA an dei Spitze des Konzerns [...] mehr...

08.11.2009 von Pinarello:

Einspruch, Max Grundig hatte leider keine eigenen Kinder, jedenfalls nicht zur aktuellen Übergabe des Konzerns, deshalb auch der Verkauf ausgerechnet an den größten Konkurrenten in Europa, der ja dann ganze Arbeit geleistet und [...] mehr...

08.11.2009 von rabenkrähe:

..... Nicht nur von den Kindern, sondern zunächst von einem globalisierten System, das einzig dazu dient, den Faktor Arbeit so bedeutungslos wie nur irgend möglich zu machen. Bleibt nur abzuwarten, wie die Gesellschaft [...] mehr...

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Was Quelle-Kunden beachten müssen

"Herzlich willkommen bei Quelle!"

"Hallo lieber Kunde und herzlich willkommen auf quelle.de! Melden Sie sich gleich hier an und nutzen Sie Ihre Vorteile!" Das war am Dienstag noch auf der Internetseite des insolventen Versandhändlers Quelle zu lesen. Dabei wirft das Aus für Quelle auch für die Kunden viele Fragen auf. SPIEGEL ONLINE gibt Antworten.

Kann ich bei Quelle immer noch bestellen?

Ich habe schon bezahlt, die Ware aber noch nicht erhalten.

Muss ich meine Raten weiter zahlen?

Was ist mit Gewährleistung und Kundendienst?

Kann ich einen Kauf rückgängig machen?



Das Versandhaus Quelle

Bekannte Marke

Über Jahrzehnte gehörte er quasi zur Grundausstattung eines deutschen Haushalts: der dicke Quelle-Katalog. Er wurde herumgereicht und lag irgendwann auf fast jedem Küchentisch. Quelle zählte zu den bekanntesten Marken in Deutschland, und lange Zeit funktionierte das Geschäftsmodell. Doch dann geriet Quelle ins Schlingern. Zu spät setzte man auf das Internet.

Die Gründung

Fusion mit Karstadt

Die Insolvenz

Geschichte eines Niedergangs

Die in tiefroten Zahlen steckende KarstadtQuelle AG wird in Arcandor AG umbenannt.

Was ist Factoring?

Der Grund für die Pleite

Die Rettung des Versandhändlers Quelle ist nach Angaben der Insolvenzverwaltung vor allem am sogenannten Factoring gescheitert. Dabei handelt es sich um das Verfahren zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs.

Die Valovis Bank

Der Insolvenzantrag

Keine Einigung



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