Frankfurt am Main - Der Optimismus der vergangenen Wochen scheint verflogen: Nachdem es immer mehr Anzeichen für eine Konjunktur-Erholung gab, schlägt das Pendel nun wieder in die andere Richtung um. Anlass sind neue Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB). Demnach ist die Kreditvergabe der Banken in den 16 Euroländern im September erstmals seit Einführung der Statistik 1992 gesunken.
Damit nehmen die Anzeichen für eine Kreditklemme massiv zu. Die Summe der an Firmen und private Haushalte ausgereichten Darlehen fiel um 0,3 Prozent, wie die EZB am Dienstag mitteilte. Im August hatte es noch ein Plus von 0,1 Prozent gegeben.
Auch das Wachstum der Geldmenge M3 verlangsamte sich. Das Plus lag nur noch bei 1,8 Prozent nach 2,6 Prozent im August. Analysten hatten ein Plus von 2,2 Prozent erwartet. Die Geldmenge M3 ist für die Zinspolitik der EZB wichtig. Sie umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen bis zu zwei Jahren Laufzeit.
Analysten reagierten besorgt auf die Daten der EZB. In einer aktuellen Studie der Commerzbank
heißt es, die Kreditvergabe im Euro-Raum sei nach wie vor schwach. Die EZB dürfte deshalb ihre vorsichtige Haltung beibehalten. Mit anderen Worten: Zinserhöhungen sind nicht in Sicht. Allerdings führt die Commerzbank die schwache Kreditvergabe nicht auf eine Kreditklemme, sondern in erster Linie auf eine geringe Nachfrage zurück.
Noch pessimistischer geben sich die Analysten der italienischen Bank UniCredit
, zu der auch die deutsche HypoVereinsbank gehört. Die jüngsten Geldmengendaten der EZB seien "der Vorbote einer erwarteten Konjunkturabschwächung". Insbesondere die deutsche Konjunktur dürfte sich im kommenden Jahr abkühlen, schätzt UniCredit.
wal/Reuters/dpa-AFX
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