Von Anne Seith, Frankfurt am Main
Daniel Ackermann ist ziemlich sauer auf seinen Namensvetter Josef. Denn die Deutsche Bank, die Josef Ackermann führt, hat das Vertrauen des 30-jährigen Studenten aus Wiesbaden mit einer einzigen Postsendung zutiefst erschüttert.
Am 14. Oktober bekam Daniel Ackermann Post von der Bank, bei der er ein Girokonto hat, wie er berichtet. Ein großer viereckiger Umschlag sei in seinem Briefkasten gelandet. Als Ackermann ihn öffnete, quollen ihm seitenweise Kontoauszüge entgegen. Beim Durchblättern merkte er bald: Der dicke Stapel gab nicht nur Auskunft über seine eigenen Bankgeschäfte. Er enthielt auch 38 Seiten Kontoauszüge, Quartals- und Tagesabschlüsse eines fremden Kontos - samt Anschrift und Kontonummer des eigentlichen Inhabers. Ackermann ist erschüttert: "Bei derart hochsensiblen Daten darf so etwas nicht passieren."
Bei der Deutschen Bank sieht man das ähnlich. "Das ist sehr unangenehm", sagt eine Sprecherin zu SPIEGEL ONLINE. "So etwas sollte niemals vorkommen." Es müsse sich dabei aber um einen Einzelfall handeln, betont sie.
Zurzeit vergeht kaum eine Woche, in der nicht neue Fälle von Datenmissbrauch bekannt werden. Die KarstadtQuelle-Bank hatte vor kurzem Kunden aufgefordert, ihre Kreditkarten sperren zu lassen, weil Unbefugte an die Nummern gekommen sein sollen. Beim Online-Netzwerk SchülerVZ waren Datensätze illegal in großem Stil kopiert worden, beim Finanzdienstleister AWD wurden ebenfalls Zehntausende entwendet. Am Montag machte die Stiftung Warentest auch der Postbank harsche Vorwürfe. Das Institut gewähre Tausenden von freien Handelsvertretern einen detaillierten Einblick in Millionen Girokonten, berichtete die Stiftung in Berlin. Die Postbank betonte zunächst, dass bei der Weitergabe von Kunden- oder Kontodaten die datenschutzrechtlichen Bestimmungen beachtet würden, revidierte die Praxis inzwischen aber.
Und nun die Deutsche Bank. Die Tatsache, dass er in seinem Fall nur die Auszüge einer einzelnen Familie in den Händen hielt, tröstet den Studenten Ackermann wenig. Solche hochsensiblen Daten "sollten mit höchster Priorität geschützt und dementsprechend behandelt werden", schreibt er in seinem Blog. "Die Banken nehmen den Verbrauchern tagtäglich viel Geld für Vorgänge ab."
Wie es zu der seltsamen Verwechslung kam, lässt sich anhand der Auszüge gut nachvollziehen. Die Daten wurden aus der "Rückpostbearbeitung" der Deutschen Bank in Leipzig versandt, wo offenbar unzustellbare Briefe landen. Diese Service-Einheit hatte Daniel Ackermanns Post bearbeitet, weil er bei einem Umzug das Durchgeben seiner neuen Anschrift vergessen hatte. Ein ähnliches Problem gab es bei den Auszügen der fremden Familie, wie aus einem Begleitschreiben hervorgeht.
Und so landeten die Daten bei Ackermann. Nicht bei Josef, sondern bei Daniel.
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